Nur wenige Minuten nach der Wahl von Karin Keller-Sutter (FDP) in den Bundesrat hat die CVP am vergangenen Mittwoch mit Nachdruck Interesse am freiwerdenden Sitz im Ständerat angemeldet. Der vor sieben Jahren verloren gegangenen Sitz soll zurückerobert werden. Schnell wurde der Name des St. Galler Regierungsrates Benedikt Würth (CVP) portiert, der dann zwei Tage später sein Interesse publik machte.

Doch das passt nicht allen. Nun wird Kritik aus Wil laut. Die GLP-Stadtparlamentarierin Erika Häusermann und Verena Gysling wenden sich im Namen des Wiler Frauenforums mit einem offenen Brief an Würth. Sie schreiben: «Noch bevor Karin Keller-Sutter in ihrer Heimatstadt Wil gefeiert wird, haben Sie bereits Ihre Kandidatur für den Ständerat in den Medien bekanntgegeben, wohl wissend, dass dieser Sitz einer Frau zusteht. Ihnen als Regierungsrat des Kantons St. Gallens sollte bekannt sein, dass unser Kanton nicht nur von Männern bevölkert wird.» Und weiter: «Wir Frauen wollen unseren Sitz im Ständerat behalten, weil wir einen berechtigten Anspruch darauf haben. Hochqualifizierte, politikerfahrene Frauen werden durch das Vorpreschen eines amtierenden Regierungsrates abgeschreckt, sich einer Kandidatur zu stellen.» Als Regierungsrat hätte Würth bereits ein «prestigeträchtiges, hochbezahltes» Amt. Er solle den Ständeratssitz einer Frau überlassen. «Sie wollen doch nicht als Frauenverhinderer in die Geschichte eingehen», schreiben Häusermann und Gysling. (pd/sdu)