Am Freitagnachmittag kamen seltener und wertvoller Schmuck, faszinierende Juwelen, Armband- und Taschenuhren sowie Luxushandtaschen für mehr als eine Million Schweizer Franken unter den Hammer. Das ist mehr als doppelt so viel Umsatz wie anlässlich der ersten Luxusgüterauktion von Rapp in Wil. Geschäftsführerin Marianne Rapp Ohmann sagt, dass ihre Luxusauktion vom Angebotsmix her «weltweit einzigartig» sei.

International gefragt

Im Rampenlicht stand ein besonders wertvolles Diamantcollier, das für 50‘000 Franken eine neue Besitzerin fand. Hohe Preise erzielten auch andere exklusive Schmuckstücke: So wurde ein Ring, der mit jeweils einem Rubin, einem Saphir und einem Altschliff-Diamanten besetzt ist, für 17‘500 Franken verkauft. Ein Diamant-Armreif mit einem 80-karätigen grünen Turmalin erzielte sogar einen Verkaufspreis von 18‘125 Franken. Beide Stücke lagen damit mehrfach über dem Schätzpreis.

Uhren und Schmuck bekannter Manufakturen seien stark umkämpft gewesen, sagt Marianne Rapp Ohmann: Gefragt waren vor allem Armbanduhren bekannter Manufakturen wie Patek Philippe, Rolex, IWC, Cartier, Breitling und anderen mehr. Überdurchschnittliche Preise wurden für «Pre-owned Uhren» bezahlt: Während eine Patek Philippe für 20‘000 Franken verkauft wurde, wechselte eine Armbanduhr der Marke Tag Heuer für 11‘875 Franken ihren Besitzer. Sie erzielte damit das Vierfache des Schätzpreises. «Pre-owned» ist laut Rapp die Branchenbezeichnung für den Handel mit gebrauchten Luxusuhren. Nicht umsonst spreche man in Grossbritannien auch von «Pre-loved». Einige dieser Armbanduhren, die unter den Hammer kamen, stammen aus den 1950er bis 1970er Jahren. Es sei deshalb sogar vorgekommen, dass eine Uhr aus dem «Pre-owned Markt» teurer ersteigert wurde, als eine neue, gleichartige Uhr kostet.


«Vintage» ist modern

Nebst renommierten Uhren und auserlesenem Schmuck sorgten auch exklusive Handtaschen für Aufsehen. «Besonders hochgehandelte Handtaschen sind Exemplare von Hermès. Diese Marke ist gerade das Zauberwort in dieser Branche», analysiert Rapp den Markt. Eine Taschen-Liebhaberin liess sich eine Birkin Bag von Hermès zum Beispiel 13‘750 Franken kosten. Das zeigt: «Vintage» wurde an der Auktion nicht als altmodisch gehandelt – im Gegenteil: «Kollektionen vergangener Tage stehen hoch im Kurs.» Deshalb würden vermehrt auch Luxus-Handtaschen von Chanel, Dior, Gucci oder Louis Vuitton nachgefragt. «Sie werden wie Kunstwerke gesammelt und präsentiert.»

Auktionshaus wird digital

Die Digitalisierung erfasst zum Abschluss die Auktionsbranche für Luxusgüter: Erstmals hat das Auktionshaus Rapp den Samstagnachmittag nur für eine Onlineauktion von Schmuck und Uhren reserviert. Wer nicht auktionserfahren oder interneterprobt ist, erhält dazu im Auktionshaus eine Anleitung.

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Donnerstag, 23. Mai:

«Nummerierte und limitierte Sets mit exotischen Münzen aus dem asiatischen Raum waren am zweiten Auktionstag besonders gefragt», sagte Marianne Rapp Ohmann, Geschäftsführerin des Auktionshauses Rapp. Insgesamt wurden rund 400 Lose mit Münzen, Medaillen, Banknoten, Aktien und Orden versteigert. Nachdem am Vortag bereits asiatische Sammlerinnen und Sammler an der Briefmarkenauktion – insbesondere aus China – zugeschlagen hatten, doppelten sie an der Münzenauktion nach.

Auktion als Netzwerkforum

Für Furore sorgte ein Set der Republik Indonesien aus dem Jahr 1970: Die fünf Gold- und fünf Silbermünzen, die von der Bank of Indonesia herausgegeben wurden, erzielten einen Preis von 20‘740 Franken. Damit waren sie rund sechsmal so teuer wie der Schätzwert. Es habe einen regelrechten Bieterkampf gegeben, sagte Rapp. Und weiter: «Die Beteiligung von Bietenden aus dem asiatischen Raum war riesig. Geboten wurde nicht nur im Saal, sondern auch per Telefon und über das Internet. Jene Kunden, die vor Ort sind, nutzen den Aufenthalt an der Auktion auch, um die Schweiz touristisch zu entdecken und wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen.»

Teuer, weil nie herausgegeben

Trotz des Trends hin zu exotischen Raritäten, sorgte ein Schweizer Goldmünzenpaar für den Tages-Rekordpreis bei den Münzen. Die 25- und die 50-Franken-Münze in Gold der Schweizerischen Eidgenossenschaft mit der Prägezahl 1959 wurden für 97‘600 Franken versteigert. Pikant: Die beiden Goldmünzen wurden gar nie offiziell herausgegeben und waren damals schon umstritten: Sie zeigen Sujets, die im Zeichen des Kalten Krieges sogar in den Medien als militant betrachtet wurden. Nicht ganz unbegründet: Das 25-Franken-Stück zeigt Wilhelm Tell mit kampfbereiter Armbrust und abwehrender Hand und enthält den Text «In den Waffen Freiheit und Friede». «Weil die Münzen noch nie an einer Auktion öffentlich angeboten wurden, hatten wir keinen Referenzwert. Alle glaubten, diese Münzen seien auf dem Sammlermarkt gar nicht zu haben», sagte Marianne Rapp Ohmann.

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Marianne Rapp Ohmann präsentiert das Schweizer Goldmünzenpaar mit dem «militanten Tell» das für 97‘600 Franken versteigert wurde.


Amerika und Junge buhlen um Uhren und Schmuck

Nachdem Firmengründer Peter Rapp die Briefmarken- und Münzenauktion an den ersten beiden Versteigerungstagen leitete, kommen am Freitagnachmittag Uhren, Schmuck und Luxushandtaschen unter den Hammer. Am Auktionspult wird dann Geschäftsführerin und Gründertochter Marianne Rapp Ohmann sitzen. Sie zeigt sich schon im Vorfeld überwältigt vom grossen Interesse. Obwohl es erst ihre zweite Auktion für derartige Luxusgüter ist, rechnet Rapp nochmals mit einem Millionenumsatz. «Besonders auf das 60-karätige Diamantencollier sind Fachleute und Liebhaberinnen gespannt. Es dürfte um die 50‘000 Franken wert sein.» Im Trend lägen begehrte Luxusuhren, die von Erstbesitzenden wieder verkauft werden, zum Teil teurer sind als gleichartige neue Modelle und deren Wert auf bis zu mehrere zehntausend Franken geschätzt wird. «Die internationale Ausrichtung des Auktionsgeschäfts für Luxusgüter zeigt sich gerade in diesem aufstrebenden Nischenmarkt. (pd)

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Mittwoch, 22. Mai:

Noch bis am Samstag erwartet das Auktionshaus Rapp in Wil Sammler und Investoren aus der ganzen Welt zur Versteigerung von Briefmarken, Münzen, Uhren, Schmuck und Luxushandtaschen. Viele bieten über das Internet mit. Aber auch die Auktionsatmosphäre lockt Kauflustige aus aller Welt an. Die Briefmarkenversteigerung markierte am Mittwoch den Auftakt mit internationalem Flair – und einem Hauch Glamour.

Wohlhabende Chinesen haben die Sammelleidenschaft entdeckt. Nur damit lässt sich erklären, dass sie eigens in die Schweiz zur Auktion anreisen und Höchstpreise bieten, um Briefmarken ins eigene Land zurückzuholen. Einige wenige begehrte chinesische Briefmarken und eine ganze Sammlung wurden zu einem Gesamtverkaufspreis von 279‘746 Franken verkauft. Einen Verkaufspreis von 41‘480 Franken erzielte die chinesische Marke, die anlässlich des 60. Geburtstags der «Kaiserinwitwe» Cixi im Jahr 1897 herausgegeben wurde und den Drachengott Long zeigt. Eine Steuermarke aus China mit dem seltenen Aufdruck «5 Dollars» war deshalb so heiss begehrt und einem Bieter ebenfalls 41‘480 Franken wert, weil der Stempel aus Versehen kopfüber angebracht wurde. Eine Überraschung war auch der hohe Verkaufspreis von 134‘200 Franken für eine umfangreiche Briefmarkensammlung aus dem Kaiserreich China, die Marken von 1878 bis 1949 enthält.

 
Im hallowil.ch-Interview spricht Rapp-Geschäftsführerin Marianne Rapp Ohmann über Umsätze, Nervosität und die Panne.

Vor der Versteigerung einer seltenen, wertvollen Briefmarke kam es jedoch zu einer technischen Panne und die Internet-Verbindung brach zusammen. Die Online-Bieter konnten zwischenzeitlich keine Gebote mehr abgeben. Dies vermeldet die "Wiler Zeitung" in ihrer Donnerstags-Ausgabe. Grund dafür seien zu viele Bieter aus China gewesen.


Begehrte «Basler Tauben»

Die Chinesen waren aber bei weitem nicht die einzigen an der Rapp-Auktion, die um alte und seltene Briefmarken oder Abarten buhlten. Schon am ersten Auktionstag gaben sich Hunderte von Investoren und Sammlern aus der ganzen Welt ein Stelldichein. Beliebt sind Altschweiz-Marken aus der Zeit der ersten Schweizer Briefmarken aus der Mitte des 19. Jahrhunderts – so zum Beispiel die bekannten «Basler Tauben», von denen diverse Einzelstücke zum Preis von mehreren Tausend Franken den Besitzer wechselten. Eine gut ausgebaute Frankreichsammlung wurde für 39‘040 Schweizer Franken verkauft und war damit mehr als doppelt so teuer als geschätzt. Während eine Deutschlandsammlung aus altem Familienbesitz einem Bieter 56‘120 Franken wert war, entbrannte um eine Partie mit vielen seltenen Altdeutschlandmarken gar ein hitziges Bietergefecht. Schliesslich fand das Los für 73‘200 Schweizer Franken einen neuen Besitzer.

Nationalstolz treibt den Preis nach oben

Für eine Überraschung sorgte ein alter Rumänienbestand. Trotz des bescheidenen Startpreises von 2000 Franken wurde die Sammlung für 56‘120 Franken verkauft. Grund dafür ist der wiedererwachte Nationalstolz von Sammelnden aus Rumänien und von Personen, die auf der Jagd nach aussergewöhnlich raren Briefmarken sind: Sie boten sich Bietergefechte, weil die Sammlung diverse – zum Teil irrtümlich falsch gedruckte – Briefmarken mit Ochsenkopf-Sujets aus den Jahren 1858 bis 1864 enthält. Diese wurden im damaligen Fürstentum Moldau verwendet, das erst 1862 in das Königreich Rumänien überging. Die Ochsenkopf-Briefmarken sind einerseits die ersten des Landes, andererseits gehören sie aufgrund ihrer Seltenheit zu den «klassischen Raritäten der Weltphilatelie und den begehrtesten Briefmarken der Welt», erklärt Marianne Rapp Ohmann, Geschäftsführerin des Auktionshauses Rapp.

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Eine Sammlung mit alten Ochsenkopf-Briefmarken aus Rumänien war einem Käufer 56‘120 Franken wert.


Münzen und Luxusgüter folgen

Am Donnerstagnachmittag kommen Münzen unter den Hammer. Im Fokus steht ein Schweizer Goldmünzenpaar, das gar nicht verausgabt wurde, aber trotzdem in Sammlerhände geriet, und deshalb stark nachgefragt wird. Laut Marianne Rapp Ohmann liegt ein Verkaufspreis von 50‘000 Franken im Bereich des Möglichen. Am Freitagnachmittag werden Luxusgüter wie Uhren, Schmuck und Handtaschen versteigert: Gleich zu Beginn ist ein diamantenbestücktes Collier an der Reihe, das ebenfalls um die 50‘000 Franken wert sein dürfte. (pd/sdu)