Die Corona-Krise trifft alle. Wirklich alle. Auch jene, welche am Existenzminimum und der Armutsgrenze leben. Für sie gibt es in Wil den Caritas-Markt, wo seit gut einem Monat am neuen Standort an der Lerchenfeldstrasse 4 Lebensmittel zu einem günstigen Preis gekauft werden können. Doch seit einigen Tagen hat der Laden unter der Woche nur noch am Nachmittag und am Samstag auch am Vormittag geöffnet. Was ist passiert? Leiterin Rita Borner erklärt: «Wir arbeiten mit vielen älteren Personen zusammen, die uns auf freiwilliger Basis unterstützten. Seit das Coronavirus ausgebrochen ist, kommen sie nicht mehr, da sie zur Risikogruppe gehören.»

Damit der Betrieb aufrechterhalten werden kann, wurde ein Aufruf in den Sozialen Medien gestartet. Und siehe da: Gemeldet haben sich diverse Kantischüler, Studenten und andre Personen, die momentan nicht arbeiten können. Es sind so viele, dass nun schon fast die Hauptschwierigkeit ist, die Leute alle einzuarbeiten. Wird der Laden also bald wieder ganztags geöffnet sein? Das kommt darauf an, wie lange die ausserordentliche Lage mit dem Coronavirus noch anhält. Wird sie über den 19. April hinaus verlängert, werden die wieder längeren Öffnungszeiten zum Thema.

Tulpen als Überraschung

Und wie gehen die Kunden des Caritas-Markts mit der Corona-Krise um? Am Mittwochnachmittag kommt auch Selin Hauser einkaufen. Die Wilerin sagt: «Ich bin froh, dass der Caritas-Markt noch offen hat. Denn in den andren Läden werden die günstigen Produkte knapp wegen der Hamsterkäufe.»

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Caritas-Markt-Leiterin Rita Borner vor den Tulpen, welche den Kunden in einer schwierigen Zeit eine Freude bereiten sollen.

Die Freude bei der Wilerin ist noch aus einem anderen Grund gross. Denn für einmal bekommt sie, genau wie alle anderen Kunden, nicht nur die Lebensmittel zum Vorzugspreis, sondern zusätzlich als Überraschung noch einen Bund Tulpen – und das erst noch in ihrer Lieblingsfarbe violett. 80 solcher Bünde wurden bei der Gärtnerei Rutishauser in Züberwangen organisiert und von dieser gespendet. Weitere 120 Bünde gingen an den Caritas-Markt in St. Gallen. «Es ist ein schönes Gefühl, wenn wir unsren Kunden etwas Farbe und Freude mitgeben können», sagt Rita Borner.

«Schöner als die Migros»

Seit etwas mehr als einem Monat ist der Caritas-Markt dort, wo zuvor der Sport Keller Skischuhe und Tennisschläger verkauft hat. Ebenfalls dazu gehört neu ein Café, das auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Zumindest dann, wenn es nicht gerade geschlossen haben muss wie dieser Tage wegen dem Virus. «Den Leuten gefällt der neue Laden. So wurde mir schon gesagt, er sei ja schöner als die Migros», sagt Leiterin Rita Borner. Angeboten werden wie zuvor rund 500 und 600 Artikel.

Das Coronavirus hat auch zur Folge, dass man es mit der Legitimationskarte, welche Grundvoraussetzung für den Einkauf im Caritas-Markt ist, etwas lockerer nimmt. «Wer Nachbarschaftshilfe betreibt und zum Beispiel für den Nachbarn mit dessen Karte Lebensmittel beziehen will, kann das in diesen Tagen gerne tun. Da sind wir kulant», sagt Rita Borner.