Das Leben habe ihm gute Chancen geboten, sagt Markus Hinder. «Dank Finanzierung durch die Allgemeinheit wurde mir eine Schul- und Berufsausbildung geboten.» Für diese Entwicklungsmöglichkeiten ist der 62-Jährige sehr dankbar.

Sein ganzes Arbeitsleben war er in unterschiedlichen Funktionen bei der Post tätig, unter anderem am Schalter sowie bei der ehemaligen Bahnpost. Mittlerweile arbeitet er in einem 80-Prozent-Pensum in der Informatik der PostAuto AG, derzeit cornabedingt öfters in Homeoffice.

Hilfe bei Schreibarbeiten

Weil ihm die Gesellschaft Chancen bot, will er ihr etwas zurückgeben: Seit eineinhalb Jahren engagiert er sich bei Fair Wil. Der 2013 gegründete Verein unterstützt jeden Samstag von 9.30 bis um 13 Uhr Ratsuchende bei Schreibarbeiten im Büro Lokal an der Glärnischstrasse 13 in Wil.

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Vor allem Menschen mit Migrationshintergrund suchen nach Unterstützung bei Schreibarbeiten nach. (Archivfoto: zVg) 

Die Klienten von Fair Wil sind vor allem Menschen mit Migrationshintergrund, die zum Teil Mühe mit deutsch lesen und schreiben haben. Sie benötigen etwa Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen für die Wohnungsbewerbung oder auch für Ergänzungsleistungen.

«Öfters unterstütze ich die Ratsuchenden bei schriftlichen Stellenbewerbungen», erzählt Markus Hinder. Er habe aber auch schon beim Ausfüllen von Anmeldungen für die IV und für die AHV Hilfe geleistet. «Meistens reden wir mit den Klienten Hochdeutsch, weil sie ja die deutsche Sprache lernen sollen.» In einigen Fällen konnte er auch seine Kenntnisse in Französisch und Italienisch anwenden, was ihm sehr behagte.

Monatliche Einsätze

Ein Pool von rund fünfzehn Personen engagiert sich als Beraterinnen oder Berater bei Fair Wil. An den Samstagen stehen jeweils zwei Personen im Einsatz, die sich die Ratsuchenden aufteilen. In der Regel wird Markus Hinder einmal im Monat eingesetzt. Gelegentlich springt er auch ein, wenn eine Kollegin oder ein Kollege kurzfristig verhindert ist.

Ein Beratungsgespräch dauert maximal eine halbe Stunde. Es kostet Fr. 5.-, für Mitglieder des Vereins Fair Wil ist es kostenlos. Gemäss Angaben des Vereinspräsidenten Remigius Bärlocher gehören dem Verein derzeit rund 95 Personen an.

Unterschiedlicher Bedarf

Die Nachfrage nach Beratungen schwankt. «An einem Samstag habe ich drei Personen begleitet, an einem anderen waren es sieben», erzählt der in der Freiwilligenarbeit engagierte Hinder.

Die Unterstützenden bei Fair Wil leisten ihre Arbeit ehrenamtlich, als Entschädigung werden sie alljährlich zu einem Helferessen eingeladen. «Ich finde diese Tätigkeit als sehr befriedigend», betont Markus Hinder.

Zwei Kinder als Geschenk

Seine grundsätzlich positive Lebenseinstellung half ihm 2009 über den Tod seiner Frau hinweg, die mit 48 Jahren starb. Von den vier Kindern des Paares waren damals noch zwei minderjährig. Markus Hinder musste sich mit der neuen Situation zurechtfinden und arrangieren. «Ich besuchte damals einen Kochkurs.»

Später lernte er wieder eine Frau kennen, die er 55-jährig heiratete. Sie brachte zwei erwachsene Kinder in die Ehe. «Mir wurden zwei weitere Kinder geschenkt», sagt er lächelnd. «Jetzt sind wir eine Patchworkfamilie.» An der Küchenwand leuchten die Farben von Kinderzeichnungen. Seine Frau und er hüten wöchentlich die Enkel.