Das vierte Fürstenland-Forum lockte ausser mit dem politischen Spektakel mit Verpflegung und Unterhaltungsmusik. Bruno Dudli, Präsident der SVP-Kreispartei Wil, und Marco Baumann, Präsident der Ortspartei Uzwil, teilten sich die Moderation des Anlasses. Der Lindensaal war nur zum Teil gefüllt. Gemessen an üblichen Parteiversammlungen war die Besucherzahl aber überdurchschnittlich.

Zu den Protagonisten: Andreas Thiel sieht sich selbst als anarchistisch orientierten Satiriker. Er bezeichnet sich als freiheitsliebenden Anarchisten. Thiel ist auch Islamkritiker. Oskar Freysinger, ursprünglich CVP-Mitglied, hat die erste SVP-Sektion im Wallis gegründet. Er war Gymnasiallehrer in Sion, sass zwei Amtsdauern im Nationalrat und wurde nach einer Amtsdauer als Walliser Staatsrat abgewählt. Nationale Aufmerksamkeit fand er unter anderem durch Auftritte bei rechtspopulistischen und antiislamistischen Organisationen.

Das Sackmesser als Symbol

Vorweggenommen sei, dass Oskar Freysinger und Andreas Thiel quasi die ihnen zugedachten Rollen vertauschten. Hatte man von Freysinger eher eine kritische politische Analyse erwartet, so überraschte er mit einem ironisch-satirischen Blick auf die Entwicklung der Werte im Lauf der Geschichte. Andreas Thiel dagegen ging den Werten philosophisch auf der Basis der zehn Gebote auf den Grund.

Als ersten Lichtblick nach dem Urknall nannte Freysinger das Feuer, womit für die Walliser nur noch der Käse für das Raclette gefehlt habe. Auf dem Rütli, wo sich drei bärtige Kerle ewige Liebe geschworen hätten, habe dann die Schweizer Geschichte ihren Anfang genommen. Ab 1315 – Schlacht am Morgarten – sind dann gemäss Freysinger die Entwicklung der Schweizer Geschichte und jene des Sackmessers Hand in Hand gegangen. Mit dem Beitritt des Wallis zur Eidgenossenschaft, 1815, sei mit dem Korkenzieher das wichtigste Tool dazugekommen. Der Schweizer trage das Sackmesser wie die direkte Demokratie immer mit sich. Die Qualitäten des Sackmessers und der direkten Demokratie kämen von der Selbstverantwortung. Wir Schweizer redeten nicht lange, sondern handelten. 


Mangelndes Selbstbewusstsein?

Wir verschickten das Sackmesser gerne in die ganze Welt. Dagegen seien wir beim Verbreiten unseres Staatsgedankens äusserst zurückhaltend und scheu. Wir würden es nicht wagen, auf unser Land ebenso stolz zu sein wie auf das Sackmesser. Wir bezeichneten uns selber als Rosinenpicker, Bünzli und Hinterwälder. Wir sollten fahnenschwingend durch die Welt ziehen und verkünden, dass mit dem direktdemokratischen Gedanken eine neue Zeit angebrochen sei: nach dem Altertum, dem Mittelalter und der Neuzeit die 4. Zeit, die Schweizerzeit.

Als Sprachakrobat trug Freysinger im zweiten Teil Verse und Gedichte zu verschiedenen Themen vor. Auch darin sparte er nicht mit Ironie und bissigem Spott.

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Durch den Abend führten Marco Baumann, Präsident der SVP Uzwil (links), und Bruno Dudli, Präsident der SVP-Kreispartei Wil.


Freiheit verlangt Selbstbeherrschung

Andreas Thiel ging der Frage nach: Was ist Freiheit? Alle brauchten den Begriff, aber von niemandem bekomme er eine akzeptable Antwort. Freiheit liege irgendwo zwischen Anarchie und Unterdrückung. Einig sei man sich, dass es Regeln brauche. Aber bei der Frage welche und wie viele Regeln gingen die Meinungen auseinander. Während die Kirche aus der Schöpfungsgeschichte den Passes «macht euch die Erde untertan» betont habe, stünden in östlichen Religionen die Begriffe Selbstbeherrschung, Gewaltfreiheit und Wahrheit im Vordergrund. Das zweite Buch Moses sei eine eigentliche Freiheitsgeschichte. Von den zehn Geboten bezögen sich die ersten vier auf das Verhältnis zu Gott, die restlichen auf das zwischenmenschliche Verhalten. Darin gehe es um den Schutz des Eigentums, der Familie und des Lebens. Im Staat verfügten wir zwar über entsprechende Gesetze, hätten aber die Moral verloren.


Unvereinbare Werte?

Abschliessend trat – wie schon bei einer früheren Veranstaltung der SVP der Region Wil – Robert Bartuma aus Rapperswil auf. Der 1982 in die Schweiz eingewanderte aramäische Christ stellte fest, dass er sich von seiner Herkunft her mit den Schweizer Werten identifizieren könne. Das sei aber bei vielen Menschen, die sich auf den Koran berufen, nicht der Fall. Bartuma warnte vor einer Islamisierung des christlichen Abendlandes.