Der Zustrom an Flüchtlingen hält an. Die Bundeszentren sind voll. Bis Ende des Jahres rechnet der Bund mit rund 100'000 Asylgesuchen und Gesuchen um den Schutzstatus S. Als Folge werden Flüchtlinge immer schneller auf die Kantone und von diesen über den Trägerverein Integrationsprojekte St. Gallen (TISG) auf die Gemeinden verteilt. Der TISG betreut im Auftrag aller St. Galler Gemeinden Personen mit Bleibeentscheid sowie minderjährige Geflüchtete. Der Verein ist angesichts der aktuellen Lage, und weil die temporäre Nutzung anderer Standorte ausläuft, auf Raumsuche. Der Zweckverband SeniorenZentrum Uzwil hat mit dem TISG kurzfristig einen Mietvertrag abgeschlossen. Er stellt ihm das Haus Marienfried mit seinen 58 Zimmern ab 2023 während anderthalb Jahre zur Verfügung. Das Haus steht somit nur kurze Zeit leer. Die Zwischennutzung generiert Mietzinseinnahmen. Das entlastet die Kasse des Zweckverbands.

Erfahrung im Betrieb

Die Verantwortlichen des TISG kennen die Herausforderungen, die ein Flüchtlingszentrum stellt. So betreibt der Verein aktuell ein solches in Nesslau, in Kirchberg oder auch ein Haus für unbegleitete Minderjährige in Eggersriet. Im Haus Marienfried werden Personen untergebracht, die in der Schweiz bleiben dürfen. Für sie ist Integration das Ziel. Darum gibt es tagfüllend Schulunterricht, im Haus wird aufs Zusammen- und Berufsleben vorbereitet.

Details geregelt

In einer gemeinsamen Vereinbarung zwischen der Gemeinde, dem Zweckverband und dem TISG werden wichtige Eckwerte geregelt wie der Personenkreis der Bewohnenden, Sicherheitsfragen, Betriebszeiten und die Nutzung der Sport- und Freizeitinfrastruktur. Auch die Finanzierung ist klar: Für die Gemeinde entstehen keine Kosten, auch keine Folgekosten. Der TISG als Verein aller Gemeinden ist Garant für einen ordnungsgemässen Betrieb. Schliesslich muss die gesellschaftliche Aufgabe nach der Zwischennutzung des Hauses Marienfrieds andernorts auch wieder erfüllt werden. Dass die Erfahrungen an den anderen Standorten gut und weitgehend problemlos sind, stimmt zuversichtlich.

Kompensation

Aktuell ist die Gemeinde Uzwil in der Aufnahme von Flüchtlingen im kantonalen Vergleich mit 24 Personen im Rückstand. Für sie müsste die Gemeinde Wohnraum beschaffen, was sich in den letzten Monaten als anspruchsvoll erwies. Mit dem Standort Marienfried wird die Aufnahmeverpflichtung erfüllt. Werden mehr Personen einquartiert als der Soll-/Ist-Vergleich zeigt, wird das der Gemeinde Uzwil in der Folgezeit angerechnet, so dass auch diese Bilanz stimmt. Vorteil: Die zentrale Betreuung und Unterbringung ist besser zu handhaben.

Öffentliche Information

Am Dienstag, 13. Dezember 2022, 19 Uhr, findet im Kafi Marienfried eine kurze Informationsveranstaltung mit anschliessender Fragerunde statt. Wer Interesse hat, in der einen oder anderen Form an der Integration der Menschen mitzuwirken, darf sich dann gern melden.