Gast an der diesjährigen Bundesfeier in Jonschwil war der amtierende Generalsekretär SRG, Walter Bachmann. Interviewt von Gemeindepräsident Stefan Frei hatte der ehemals in Jonschwil wohnende hohe Medienverantwortliche aus seinem neuen Arbeits- und Wohnkanton Bern viel Substanz mitgebracht. Dabei brach Bachmann eine Lanze für den Beibehalt der umstrittenen Gebühren (Billag). Auch wurde die „neue“ Nationalhymne „ausprobiert“.Mitreissende Musik, ein ausgewogenes Programm für den Anlass: beschwingt bis besinnlich, gute Organisation, routinierte und leistungsfähige Festwirtschaft, funktionierende Technik und gutgelaunte freiwillige Helfer – was will man mehr? Zuerst schien das Wetter zwar mit gehörigen Böen und allem Drum und Dran den irdischen Illuminationen Konkurrenz vom Himmel herab machen zu wollen. Da es aber nicht kalt wurde und die meisten ein Plätzchen unter den Arkaden „am Scherme“ gefunden hatten, wurde es bald einmal gemütlich.

Am Scherme
Für gemütliche bis mitreissende Klänge sorgte das Schwyzerörgeli-Trio 3 B, drei Damen, deren Vornamen alle mit einem B beginnen. In grösserer Zusammensetzung spielte die Musikantengruppe Schwarzenbach-Jonschwil in der beliebten Harmonie-Tradition auf: rassig! Zur Feierstimmung trugen auch die feinen Grillwürste und wahren Kuchenträume bei, alles hergezaubert, zubereitet und serviert von den „Sängern am Wildberg“- unter offensichtlicher Mitwirkung ihrer Ehefrauen.

Gemeindepräsident Stefan Frei, in seinem roten T-shirt mit dem Schweizerkreuz an allen Ecken und Enden präsent, zeigte sich gegen Schluss der Veranstaltung zufrieden. Den Umständen entsprechend war der Besuch gut, konnte er feststellen.

Fest in der Medienwelt verankert
Hauptpunkt im besinnlichen Teil war diesmal keine Rede, sondern ein Interview mit Gast Walter Bachmann, locker stehend an einem Bartisch geführt, wobei Gemeindepräsident Stefan Frei mit humorvollen, aber auch in die Tiefe gehenden Fragen aufwartete und dabei umstrittene Themen nicht ausliess.

Gast Walter Bachmann war vielen Teilnehmern kein Unbekannter. Er ist in Wil aufgewachsen und wohnte bis 2011 in Jonschwil. Schon während des Jura-Studiums lernte er das journalistische Metier durch Mitarbeit als Redaktor und Produzent bei „Regionalfernsehen Wil“.

Wenig Programm-Einfluss
1989 wechselte er zur SRG nach Zürich, wo er zuletzt die Stellung Leiter Multimediazentrum innehatte. 2011 wurde er zum Generalsekretär SRF gewählt. Hat Bachmann als „zweiter Mann“ in der Radio- und Fersehdynastie unter dem Generaldirektor (bis Jahresende Roger de Weck, dann Gilles Marchand) Einfluss aufs Programm? „Nein“, sagt Bachmann lachend, „ich bin die Person im ganzen Organigramm, die am weitesten vom Programm entfernt ist.“

Auch die Frage, ob er nach dem Wechsel „seines Chefs“ sich einen neuen Wirkungskreis suche, verneint Bachmann. Im Gegenteil, er bereite sich schon lange auf die neue Situation vor und perfektioniere zum Beispiel sein Französisch. Und fügt lächelnd hinzu, es habe da schon noch etwas Spielraum.

„Radio- und Fernsehgebühren müssen sein!“
Ernst wird der hohe Funktionär, wenn es um die umstrittene Frage Gebühren geht, wobei eine Initiative diese ja ganz abschaffen will. „Die Schweiz ist mit ihrem auf der ganzen Welt einzigartigen System der direkten Demokratie ganz auf gute, authentische und unverfälschte Informationen angewiesen. Nur wer über die nötigen Informationen verfügt, kann auch sachgerecht an der Urne entscheiden.

Wer sagt, weg mit den Gebühren, schneidet sich ins eigene Fleisch. Die Folge wäre klar: weniger Eigenproduktionen, mehr Anleihen aus dem Ausland.“ Dies Bachmanns Hauptargumente. Ohne eigenständige schweizerische Produktionen sei die von der Verfassung verlangte Qualität und Ausgewogenheit der Information aber nicht zu garantieren.

Sportsendungen ziehen Jugendliche an
Ob man denn wirklich nicht sinnvoll einsparen könne, hakt der auseinandersetzungsfreudige Interviewer nach, zum Beispiel beim Sport. Ob wir Schweizer denn wirklich jeden Challenge-League-Match im Heimsender sehen können müssten? Auch hier ist Bachmanns Stellungnahme klipp und klar. Ja, sicher. Erstens sei Sport etwas, das internationales Verständnis und damit die Toleranz fördere. Und zweitens: Sportsendungen zögen auch viele Jugendliche an.

Ob wir Sportsendungen einfach an andere Sender „verlieren“ wollten? Bachmann warnte vor allzu engen Betrachtungsweisen. Sie könnten am Ende teurer werden als vermeintliche Billiglösungen.

Singbare neue Nationalhymne
Aus dem Publikum wurde die Frage an den Gast gestellt, ob er finde, dass die Region Ostschweiz angemessen zum Zuge komme. Bachmann gab zu, dass dies eines „der ewigen Probleme“ des staatlich geförderten Medienwesens sei. Jede Region habe den Eindruck, sie sei zu wenig häufig in den positiven Schlagzeilen. Man könne das Problem nur durch viel Wechsel angehen.

Bachmann gab aber auch zu bedenken, dass staatlich geförderte Medien nicht verlängerte Arme von Tourismusbüros seien. Der Gast wurde mit einem Geschenk und intensiven Applaus für seine offenen, oft auch das Persönliche mit einbeziehenden Antworten bedacht.

Pro und Contra neue Landeshymne in der Waage
An das Interview mit Bachmann schloss sich das Singen der Nationalhymne an. Inzwischen steht der durch einen Wettbewerb der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft als Sieger ermittelte neue Text (in einer einzigen Strophe) zur Verfügung. „Wollt ihr die neue oder die alte Hymne singen?“, warf Frei mutig in die Feier-Gemeinde. Ja und nein hielten sich so etwa die Waage.

Schliesslich einigte man sich freundeidgenössisch auf einen Kompromiss. Es wurden zwei Strophen der traditionellen Nationalhymne (Schweizerpsalm, Trittst im Morgenrot daher), dann der vorgeschlagene neue Text gesungen. Es erwies sich, unabhängig von Grad der Identifikation der Singenden mit dem Text: Der neue Text ist singbar, auch wenn sich bei ihm, wie beim alten, im Detail auch wieder Probleme der Silbenverteilung unter die Noten stellen. Dank der Hilfe der Sänger am Wildberg und der begleitenden Musik konnte sich der Gesang hören lassen.

Die Feier schloss mit der Verteilung der 1. August-Weggen, die nicht nur Kinder erfreuten, mit der Entzündung des bald hoch auflodernden Feuers und einem prunkvollen Feuerwerk. Vom Zäme-Höckle, das beim Weggang des Berichterstatters noch gar nicht nach Abbröckeln aussah, ganz zu schweigen.

Wortlaut des Preisträgers der „neuen“ Nationalhymne:
Weisses Kreuz auf rotem Grund,
unser Zeichen für den Bund:
Freiheit, Unabhängigkeit, Frieden.
Offen für die Welt, in der wir leben,
lasst uns nach Gerechtigkeit streben!
Frei, wer seine Freiheit nützt,
stark ein Volk, das Schwache stützt.
Weisses Kreuz auf rotem Grund,
unser Zeichen für den Schweizer Bund.

(mehr dazu auf der Webseite der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft: http://www.sgg-ssup.ch/de/new-nationalhymne.html)