Die Kulturpreisverleihung der Stadt Wil vom Mittwoch in der Tonhalle ehrte fünf verdiente städtische Kulturschaffende. Schauspielerin Ambra Berger wurde mit dem Förderpreis geehrt. Anerkennungspreise gab es für die Band „Frantic“, Schauspieleriin Bigna Körner, und Jungtambourenleiter Leo Künzle. Wiederum kam es zur Vergabe eines Atelierstipendiums Bick im Tessin an Hildegard Elisabeth Keller, Germanistin, Autorin, Regisseurin und Performerin. Musikalisch umrahmten die die Band „Frantic“ und die Jungtambouren.Nach dem musikalischen Auftakt durch die Bandleader von „Frantic“ begrüsste Stadtpräsidentin Susanne Hartmann die zahlreich erschienenen Gäste im Tonhallensaal wie auch die Kulturpreisträgerinnen und Kulturpreisträger. In ihren Worten zitierte sie den deutschen Dichter Johann Gottfried Herder, der feststellte, dass Kunst von Können kommt. Sie stellte in der Betrachtung der anstehenden Kulturpreisverleihung bald einmal fest, dass es bei den Preisträgern zum „Können“ auch noch „Wollen“ gebraucht habe, um PreisträgerIn zu werden. Vielmals sei das Ganze auch noch mit Durchhalten verbunden gewesen. Einen besonderen Dank richtete die Stadtpräsidentin an die Kulturkommission, welche die Kulturpreisträger ausgewählt hat.

Ambra Berger, eine talentierte Schauspielerin
Die Würdigung der Förderpreisträgerin, Schauspielerin Ambra Berger, nahm Claudia Rüegsegger vor, selber als Schauspielerin aktiv. Sie habe Ambra Berger schon bei Theaterstücken in der achten Klasse als besonderes Talent erkannt. Es sei ein logischer Schritt gewesen für Ambra, die Ausbildung zur Schauspielerin an der Athanor Akademie in Burghausen in Bayern zu absolvieren. Diese Ausbildung habe ihr vielerorts Theaterprojekte ermöglicht, bis sie in Wien eine neue Heimat gefunden habe.

Bei jüngeren Begegnungen mit Ambra Berger hat die Laudationärin feststellen können, dass sie das Handwerk beherrscht. Sie verfüge über eine starke Präsenz und intensiven Blick. Ihre Qualität zeichne sich letztlich darin aus, dass sie dem Publikum mehr zutraue als nur Unterhaltung und Abschalten. Sie schaffe es, mit ihrer Ausdruckspalette, das Publikum zu berühren und zum Weiterdenken zu verführen.

Vier erfolgreiche Musiker aus Züri-Ost
Matthias Löpfe, Mitglied beim Kulturlöwe, zeigte in der Würdigung der Wiler Band „Frantic“ auf, wie vier Musikfreunde ohne das Anstreben einer Profi-Karriere innert 18 Jahren national und international Musikgeschichte schrieben. Barbara, Christoph, Nick, Michael und Mike blickten auf über 200 Auftritte im In- und Ausland zurück. Sieben Singles und vier Studio-Alben hätten viel Einsatz und Ausdauer erfordert.

Fünf Erinnerungen liess Matthias Löpfe Revue passieren. Auf kleinen Bühnen habe „Frantic“ gestartet, damals in der Remise, im Fasskeller oder auch im Pfadiheim Zuzwil. Aus dem Haufen (wilder) Wiler Bands sei daraus der Verein Soundsofa geworden, fünf Freunde die zusammen Musik machen wollten. Im Jahr 2007 sei „Frantic“ schon auf höherer Stufe, unter SF Musicnight im Zürich Leutschenbach erschienen. Im 2012 hätten sie bereits das dritte Album vorstellen können. Auch mit 18-jähriger Geschichte und ohne Profi-Karrieren hätten sie im 2016 das vierte Album vorstellen können. Dass sie trotz internationaler Bekanntheit das Musikschaffen im Alltag integrieren könnten, verdiene Anerkennung.

Bigna Körner, eine grosse Künstlerin
Florian Rexer gab sich in seiner Würdigung für Bigna Körner überaus erfreut, die Schauspielerin in ihrer Art und ihrem Wirken vorstellen zu dürfen. Das typische Wesen von Bigna sei ihr Lachen und ihre gute Laune. Rexer nannte es eine Kunst, diese kindliche, starke Spielenergie lebenslang erhalten zu können. Bigna zeige sich in ihrer Art gütig, bodenständig, schlechte Laune habe er bei ihr noch nie erlebt. Sie agiere sehr direkt, wenn etwas nicht passt, könne aber auch schnell verzeihen, wenn etwas krumm gelaufen sei.

Die Sketche von ihrem Papa hätten Bigna zum Schauspielen gebracht, was im Lehrerseminar Fortsetzung gefunden habe. Ihr Leuchten, die positive Kraft in ihren Rollen habe sie so vielseitig und spannend gemacht. Florian Rexer nannte Bigna ein Prachtstück, wie sie Filme, Fernsehen, Theater und weiteres geschafft habe. Bigna Körner habe den Anerkennungspreis wirklich verdient.

Leo Künzle, der erfolgreiche Tambourkomponist
Marcel Malgaroli konnte euphorisch über das Lebenswerk von Leo Künzle als noch immer aktiver Leiter der Wiler Jungtambouren berichten. 1974 sei eines der eindrücklichen Jahre gewesen, als Leo in der Eulachhalle Winterthur am wiederkehrenden Jungtambourenwettkampf nebst seinen Wiler Schützlingen auch mit den Militärtambour-Rekruten dabei war. Herausragendes Ereignis sei die Vorstellung seines selbst geschriebenen Trommelstückes „Happy Brasilia“ gewesen. Erstmalig hätten auch andere Instrumente die Vorstellung angereichert, womit Künzle mit seinen Ideen der Schweizer Trommelszene neue Impulse bescherte.

Im 1952 geboren, sei er erst mit 14 Jahren zum Trommeln gekommen. Am ersten Wettkampf am Jungtambourenfest in Wil habe er sich noch mit dem 66. Rang zufrieden geben müssen. Die nachfolgenden Erfolge hätten ihn bald schweizweit Bekanntheit beschert, im OTV sei er z.B. massgeblich an der Entwicklung der heutigen Notenschrift beteiligt gewesen. Seine vielen Verdienste hätten ihn zum Träger der goldenen Ehrennadel gemacht, was bisher schweizweit nur etwa fünf Personen zuteil geworden sei. Leo Künzle habe trotz seiner erfolgreichen Karriere seine unkomplizierte und offene Art über all die Jahre bewahrt.

Bick-Atelierstipendium für Hildegard Keller
Die Vorstellung der nächsten Gewinnerin eines Bick-Atelierstipendium für Hildegard Elisabeth Keller konnte mit Bettina Scheiflinger eine Autorin vorstellen, welche diese Erfahrung bereits hinter sich hat. Dank dem Wiler Goldschmied und Bildhauer Eduard Bick stehe im Tessin ein Künstleratelier, wo man in der Abgeschiedenheit seiner Arbeit nachgehen könne. Das Studio im kleinen Bergdorf Sant'Abbondio werde nur dreimal täglich von einem Postauto angefahren. Es gebe dort viel Platz für kreatives Denken.

Bettina Scheiflinger gab sich erfreut, diesen Monat Zeit und Raum an Hildegard Elisabeth Keller weiter geben zu können, der diesjährigen Gewinnerin des Bick-Stipendiums. Die Wilerin zeichne sich in vielerlei Wirken aus. Sie arbeite als Literaturwissenschafterin, als Professorin und Autorin. Bekanntheit habe sie als Kritikerin beim Literaturclub von SRF und als Jurorin beim Bachmann-Preis erreicht. Mit ihrer nun eigenen Firma „bloomlight productions“ verwirkliche sie eigene Projekte und biete kreative Dienstleistungen an. Es überrasche nicht, dass sie im Tessin gleich an zwei Projekten arbeiten werde. Im Tessin biete sich ihr auch die Möglichkeit, Tessiner Produzenten kennen zu lernen.

Abschliessend der Vorstellungen war den Kulturpreisträgerinnen und Kulturpreisträgern ein langer Applaus beschert. Nachfolgend konnten die Geehrten beim Apéro im Tonhallenrestaurant im kleinen Saal gebührend gefeiert werden.