Der «Freisitz» in Tägerschen hat eine so lange Geschichte wie kein anderes Haus im Dorf. Rund 600 Jahre alt ist seine Historie, die auf das 15. Jahrhundert zurückgeht. Das ehemalige Gerichtsgebäude des Bezirks Tobel war nach 1880 auch eine Stickerei und eine Sennerei. Zuletzt produzierte die Inhaberfamilie Müller an der Münchwilerstrasse 4 Tilsiter-Käse. Als sie kurz nach einer Sanierung trotzdem keine Zukunft in der Käseherstellung mehr sah, wurde ein Abbruchgesuch bei der Gemeinde eingegeben.

Es war der Zeitpunkt, als sich auch der Kanton und die Denkmal Stiftung Thurgau einschalteten. Das älteste Gebäude Tägerschens einfach so dem Erdboden gleichzumachen und wohl durch ein Mehrfamilienhaus zu ersetzen, sollte verhindert werden. Also wurde der «Freisitz» im Jahr 2004 von der Denkmal Stiftung für 500'000 Franken gekauft. Der gesamte Betrag entfiel auf den Landerwerb. Das Gebäude war in einem derart schlechten Zustand, dass es keinen Wert mehr hatte. «Manchmal habe ich mich gewundert, dass das Haus noch steht. Das schien eine Art Gewohnheitsrecht zu sein», sagt Roland Kuttruff, ehemaliger Gemeindeammann von Tobel-Tägerschen und heute für die Denkmal Stiftung Thurgau tätig.

Stall ist verschwunden

Im Jahr 2014 starteten die Sanierungsarbeiten. Auch mit Unterstützung von Bund, Kanton und Gemeinde hat die Denkmal Stiftung Thurgau das Dach erneuert, wobei das ganze Gebälk um 25 Centimeter angehoben werden musste. Auch die Wandelemente und die Fassade sind saniert worden – die Fenster ebenfalls. Von aussen auffallend sind die Holzschindeln auf der Westseite. Diese wurden mit Blick auf die Geschichte und die Dämmung des Hauses angebracht. Verschwunden ist der Stall westlich des Gebäudes. Rund 2,7 Millionen Franken hat die Stiftung in die Sanierung investiert.

Es handelt sich um einen Rohbau. Im Innern des Hauses wurde zwar so manches gemacht, die Statik gesichert und die Genetik des Hauses erhalten. Aber es bleibt noch einiges zu tun. Dies mit gutem Grund. Denn derzeit ist nicht klar, wer künftig Hausherr des «Freisitz» sein wird und wie das Haus genutzt wird. Das Gebäude samt Landumschlag gelangt nun in den Verkauf. Der Preis wird knapp zwei Millionen Franken betragen, wie Kuttruff auf Anfrage von Hallowil sagt. Der Erwerb der gesamthaft 2087 Quadratmeter Land in der Dorfzone mitten in Tägerschen ist in diesem Preis inbegriffen.

Gebäude ist nicht mehr geschützt

Geplant ist, dass im Erdgeschoss auf einer Fläche von 43,5 Quadratmetern ein Gewerberaum, Atelier oder Büro entsteht. Für das erste und zweite Obergeschoss sowie das Dachgeschoss, welches in zwei Etagen unterteilt werden kann, ist die Nutzung noch nicht definiert. Wohnungen oder Büros sind auf den gesamthaft 465 Quadratmetern möglich. Die Denkmal Stiftung will das Gebäude verkaufen und nicht vermieten, um finanzielle Mittel für die Sanierung eines nächsten Gebäudes im Kanton Thurgau zur Verfügung zu haben. Ob der «Freisitz» an einen Inhaber oder an mehrere Stockwerkeigentümer verkauft wird, steht noch nicht fest.

Erst wenn der oder die Eigentümer bekannt ist/sind, wird der Innenausbau von der Käuferschaft definiert und ausgeführt, wobei die Thurgauer Denkmalpflege beratend zur Seite steht. In dieser Phase wird auch entschieden, was am Standort des ehemaligen Stalls passiert und ob der «Freisitz» noch einen Lift bekommt. Die rechtskräftige Baubewilligung für einen solchen liegt vor.