Die Wiler Nationalrätin Barbara Gysi hob in ihrem Votum unter anderem die besondere Siedlungsstruktur im Toggenburg hervor. Für die Streusiedlungen und die abgelegenen Weiler brauche es eine Versorgungsicherheit vor Ort. In Bezug auf die medizinische Betreuung sei in jeder Region im Kanton einen ausreichenden Service public erforderlich.

Keine Schnellverbindungen

Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident von Wattwil und Präsident des Fördervereins Regionalspital Toggenburg Wattwil, sprach gar von einem drohenden Versorgungsnotstand und einem erheblichen Abbau der Standortattraktivität.

Im Gegensatz zu allen anderen Regionen im Kanton sei das Toggenburg nicht an eine Schnellstrasse angeschlossen. Somit ist die rasche Versorgung im Notfall für ihn fraglich. «In der selben Frist, in der man in einer anderen Region 50 Kilometer weit kommt, fährt man im Toggenburg 30 Kilometer weit.»

Zurückgehaltene Zahlen

Gunzenreiner kritisierte im Weiteren die Intransparenz bei den Erhebungen zur angeblich mangelnden Wirtschaftlichkeit des Spitals Wattwil von Seiten der Verantwortlichen. Damit ist die Überprüfung der Berechnungen kaum möglich. Seit 2019 bemühe man sich vergeblich um das Datenmaterial. «Der Verwaltungsrat und nachgeordnete Stellen verweigern bisher die Herausgabe mit formalistischen Begründungen.»

Wirtschaftliche Nachteile

Geschäftsinhaberin Kathrin Ott ist Präsidentin des Verein Zentrum Wattwil. Sie vertrat die Argumente des Gewerbes. Das Spital Wattwil bietet gemäss ihren Angaben insgesamt 250 Arbeits- und Ausbildungsplätze. Damit sei es ein bedeutender Arbeitgeber in einem Einzugsgebiet von rund 45 000 Personen. «Es ist wichtig für die Wertschöpfung auf dem Land.» Seine Schliessung würde die wirtschaftliche Entwicklung der Region erheblich behindern.

Wenig Ärztenachwuchs

Dr. med. Laurenz Gossweiler aus Wattwil sprach für die Hausärzte. In der aktuellen Pandemie habe sich gezeigt, dass dezentrale Strukturen für die Versorgung der Bevölkerung wichtig seien. Im Weiteren wies er auf den hohen Altersdurchschnitt der Hausärzte im Toggenburg hin. Viele von ihnen müssten sich nach Nachfolgern umsehen. Dass es in der Nähe ein Spital gebe, sei für Mediziner ein wichtiges Argument beim Niederlassungsentscheid. Fehle dieses, sei es schwierig, junge Ärzte in der Region zu locken. «Das Spital Wattwil ist ein wichtiger Ankerbetrieb für die medizinische Versorgung des Toggenburgs.»

Grosser Bedarf an Pflegenden 

Alexandra Akeret, Gewerkschaftssekretärin des VPOD, stellte die Wichtigkeit der Ausbildung von Nachwuchs für die Pflegeberufe in den Vordergrund. Mit der zunehmenden Überalterung der Wohnbevölkerung werde der Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal weiter zunehmen. Schon jetzt bestehe ein Mangel, wie die Pandemie gezeigt habe. Mit der Schliessung des Spital Wattwil fällt für Akeret ein dringend benötigter Ausbildungsbetrieb für den Pflegenachwuchs weg.

Drohen weitere Schliessungen?

Für Max Lemmenmeier, Präsident der SP Kanton St.Gallen, geht es bei der anstehenden Abstimmung um einen Grundsatzentscheid. Obwohl von offizieller Stelle anderes behauptet werde, sei kein Spital im Kanton vor der Schliessung sicher. «Es geht an der Urne auch um die Solidarität im Kanton.» 

Ab dem 24.April startet die Abstimmungskampagne vor allem mit Plakaten und auf den sozialen Medien. Das Budget beträgt gemäss Lemmenmeier Fr. 50 000.-. Es stammt vor allem aus Kleinspenden.