«Bei offenem Fenster kann ich schon jetzt nicht schlafen. In heissen Sommernächten ist es besonders schlimm und manchmal muss ich bis 4 Uhr morgens Fernseh schauen, um dann einschlafen zu können.» Das sagt Apollonia Albert, die seit mittlerweile 23 Jahren an der Georg-Renner-Strasse, also dem Autobahnzubringer, wohnt. An den Verkehr hat sie sich bis heute nicht gewöhnt. Der Lärm ist das eine, die Vibrationen der schweren Lastwagen das andere.

Doch nun droht neues Ungemach. Denn der Kanton St. Gallen plant, einen Fussgängerstreifen 30 Meter gegen Norden zu verschieben, womit er direkt vor dem Schlafzimmer von Apollonia Albert zu liegen käme. Sie sagt: «Es kann nicht sein, dass der Zebrastreifen ausgerechnet vor das älteste aller Häuser bei dieser Kreuzung verlegt wird.» Ihr Unverständnis ist auch darum gross, weil ihr Haus jenes ist, welches der Strasse am nächsten steht. Alle anderen Häuser in der unmittelbaren Umgebung sind etwas zurückversetzt und somit mehrere Meter von der Strasse entfernt. Apollonia Albert befürchtet, dass es in ihrer Liegenschaft noch lauter wird, wenn die Autos vor dem Fussgängerstreifen anhalten und wieder losfahren – und wenn Jugendliche nach dem Ausgang nicht eben leise die gelben Streifen überqueren. Das Haus, welches früher zu einem mittlerweile nicht mehr existierenden Bauernhof gehört hat, ist in die Jahre gekommen. Dass auf Kosten des Kantons schalldichte Fenster eingebaut worden sind, ist für die Wilerin nur ein schwacher Trost.

Verlegung aus Sicherheitsründen

Doch warum wird der Fussgängerstreifen überhaupt verschoben? «Im Rahmen der Gesamtüberprüfung aller Fussgängerstreifen im Kanton St.Gallen wurden am entsprechenden Fussgängerstreifen erhebliche Sicherheitsmängel festgestellt: Es fehlt eine Fussgängerschutzinsel, die verhindert, dass Autofahrer auf Höhe des Fussgängerstreifens überholen können», sagt Claudia Eugster vom St. Galler Baudepartement, welches für den Autobahnzubringer verantwortlich ist. Darum soll die Problematik nun behoben werden. Das Projekt sieht den Einbau einer Fussgängerschutzinsel vor. Die Fahrbahn wird dafür auf einer Seite verbreitert. «Der Standort des neuen Fussgängerstreifens wird um rund 30 Meter verschoben, sodass dieser auf den bestehenden Routen des Fuss- und Veloverkehrs zu liegen kommt. Dies verbessert die Nutzung der Veloverbindung und macht die Route sicherer», sagt Claudia Eugster.

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Um diesen Fussgängerstreifen geht es. Er soll neu ungefähr dort zu liegen kommen, wo auf dem Bild das rote Auto gerade durchfährt.

Doch mit der Umgestaltung kann noch nicht begonnen werden. Denn Apollonia Albert hat Einsprache dagegen erhoben. Sie ist sich bewusst, dass die Strasse schon länger an jenem Ort ist als sie, befürchtet aber einen Wertverlust der Liegenschaft, wenn es noch lauter wird. «Wenn der Fussgängerstreifen verlegt wird, werde ich mir wohl oder übel einen Verkauf des Hauses überlegen müssen», sagt sie. Ob und wann der Umbau der Kreuzung beginnt, ist noch offen – und hängt auch damit zusammen, wann andere Unterhaltsmassnahmen auf der Georg-Renner-Strasse rechtskräftig werden. Die Arbeiten sollen koordiniert erfolgen.

Fussgängerstreifen auf Autobahnzubringer als Gefahr?

Eine Frage aber bleibt: Ist ein Fussgängerstreifen auf einem Autobahn-Zubringer nicht ganz grundsätzlich zu gefährlich? Claudia Eugster vom Baudepartement sagt dazu: «Ein Fussgängerstreifen ist dann gefährlich, wenn die sicherheitsrelevanten Aspekte nicht eingehalten werden können. Das ist heute der Fall. Mit dem vorliegenden Projekt nicht mehr.»

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So soll die beschriebene Kreuzung bei der Waldeggstrsse umgestaltet werden. Das Haus von Apollonia Albert ist jenes rechts unten direkt bei der Kreuzung und liegt so nahe an den Strassen wie keine andere Liegenschaft. (Skizze: Baudepartement Kanton St. Gallen)