Die Galerie zur alten Bank in Niederuzwil ist 40 Jahre alt. Der Höhepunkt im Jubiläumsjahr ist der Skulpturenweg, bei dem Werke von einem Dutzend Kunstschaffenden «ausser Haus», auf das Gemeindegebiet verteilt, gezeigt werden. Den Abschluss im Jubiläumsjahr macht nun die Ausstellung von Schülerarbeiten der Oberstufe «im Haus». In Räumen, deren künftige Benutzbarkeit in Frage gestellt ist.Das Haus zur alten Bank ist im Besitz der Gemeinde. Diese beabsichtigt das Gebäude nach dem Bezug des neuen Gemeindehauses zu veräussern. Ob die Galerie neue bezahlbare Räume finden würde, ist unsicher. Einen Lichtblick sehen die Verantwortlichen nun im Vorstoss, der auf die kommende Bürgerversammlung angekündigt ist. Die Gemeinde soll auf den Verkauf der Liegenschaft verzichten.

Ein gelungenes Experiment
Gemeinderätin Dora Hadorn, zuständig für den Kulturbereich, gestand in ihrer Begrüssung an der Vernissage, dass sich die Galerie mit der Ausstellung von Schülerarbeiten auf ein Experiment mit ungewissem Ausgang eingelassen habe. Das Experiment sei geglückt, und das Ergebnis erfülle sie mit grosser Freude. Die gezeigten Arbeiten zeugten von erstaunlicher Kreativität. Das Schaffen, das hinter geschlossenen Türen von Schulzimmern erfolge, könne so der Öffentlichkeit gezeigt werden.

Keine Originale und kein Verkauf
In der Ausstellung sind keine originalen Schülerzeichnungen zu sehen. Die Arbeiten sind kopiert, zum Teil vergrössert, als Ausdrucke grafisch attraktiv präsentiert und thematisch gruppiert. Die Werke stammen nicht nur aus dem Fach bildnerisches Gestalten, sondern auch aus den Fächern digitales Gestalten Fotografie, Deutsch und textiles Gestalten.

Die Originale bleiben bei den Lernenden und sind der individuelle Ausweis für einen erfolgreichen Lernprozess, wie es Urs Feierabend in seiner Laudatio formulierte. Weil die Schule keine kommerziellen Interessen verfolge, werde auf einen Verkauf verzichtet.

Präsentiert die Schule Kunst?
Urs Feierabend stellte Überlegungen zum Kunstbegriff an und stellte primär die Frage, ob Schüler Kunst produzierten. Der Kunstbegriff sei extrem wandelbar und habe im Lauf der Geschichte einiges an Kapriolen miterlebt. Nach der Definition von Joseph Beuys sei jede Person eine Künstlerin. Auch wenn eine der häufigsten Definitionen angewandt werde, dass Kunst von Können komme, seien die ausgestellten Arbeiten definitiv Kunst, folgerte der Laudator.

Schulsicht und Weltsicht
Seine Aufgabe, das kulturelle Schaffen junger Uzwiler in einer Ausstellung zu präsentieren, bezeichnete Urs Feierabend als Reiseleitung. Es sei darum gegangen, die Reise zwischen Schulsicht und Weltsicht zu planen und zu begleiten. Was im Schulzimmer passiert sei, werde ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit getragen. Es sei nicht einfach gewesen, den Strauss an Ideen und Möglichkeiten dem Machbaren unterzuordnen. Als Ergebnis habe keine umfassende kulturelle Sicht erwartet werden dürfen. Die Galerieräumlichkeiten hätten eine grösstenteils wandbezogene Ausstellung erlaubt.