Es sind bewusst zwei Künstlerinnen ausgewählt worden, deren Thematik sich in die Vorweihnachtszeit einordnen lässt: anmutige Struktur- und Pigmentbilder von Milly Broder sowie berührende Figuren aus Holz und Ton von Ursi Vincenz. Dora Hadorn, Präsidentin der Kulturkommission des Gemeinderates, wies auf die Bedeutung von Harmonie und Ruhe in der bevorstehenden Adventszeit hin. Harmonie komme auch in den Bildern von Milly Broder und in den Figuren von Ursi Vincenz zum Ausdruck. Gar derart, dass der Eindruck entstehen könnte, die Werke seien aufeinander abgestimmt geschaffen worden. Das sei aber schon wegen der räumlichen Distanz zwischen den Wohnorten der Künstlerinnen nicht möglich gewesen.


Liebe in Schönheit gehüllt

«Kunst ist Liebe in Schönheit gehüllt». Mit diesem Prädikat, einem Zitat von Giovanni Segantini, zeichnete Dora Hadorn das Schaffen der beiden Künstlerinnen aus. Grosses Lob durften die beiden auch von der Laudatorin Anja Nützi, Mitglied der Kulturkommission, entgegennehmen. Gemeinsam seien nicht nur Harmonie und die Natur, sondern auch die Elemente als Grundlage ihres Schaffens. Erde, Wasser, Feuer und Wind spielten in den Entstehungsprozessen eine wichtige Rolle.


Verbindung von Holz und Ton

Ursi Vinzens Figuren entstehen in wochenlangen Prozessen. Holzstücke, die sie in der Surselva findet, begutachtet sie. Mit Tonelementen ergänzt sollen sie zu beschwingten Engeln, Tänzern oder einander zugewandten Figuren werden. Der Ton muss getrocknet, beobachtet, neu angepasst und schliesslich gebrannt werden muss. Diese Arbeit braucht nicht nur Kunstverstand, sondern auch sehr viel Geduld. Farben und Feinheiten entstehen erst beim Rakubrand, was eine Kunst für sich ist.

Figuren im Gleichgewicht

Die Figuren von Ursi Vinzens erinnerten sie an die «figura serpentina» aus der Renaissance, stellte Anja Nützi fest. Wie diese drehten sich auch die gewundenen Holz-Ton-Figuren um eine Achse. Alles bleibe harmonisch, im Gleichgewicht, trotz der Windungen und Drehungen. Ursi Vinzens brauche als Ausgangspunkte Holzstücke, die sie dann mit Ton raffiniert ergänze, so dass eine Figur im Gleichgewicht entstehe. Die Laudatorin machte auch darauf aufmerksam, wie liebevoll und harmonisch die Figuren sich einander zuwendeten.


Eingriff in Trocknungsprozess

Bei den Bildern von Milly Broder sei der Begriff Erde weit zu fassen, sagte Anja Nützi. Sie arbeite begeistert mit natürlichen Materialien, wobei der Trocknungsprozess eine wichtige Rolle spiele. Diesen beobachte sie, lasse ihm zum Teil freien Lauf, greife aber auch immer wieder ein. Dann trage sie zusätzliche Schichten auf. Experimentierfreudigkeit sei ein wesentliches Merkmal ihres Schaffens und ihrer Werke.

Bei ihrer letzten Ausstellung in der Galerie zur alten Bank habe sie Milly Broders Arbeiten als morphologische – erdgeschichtliche – Werke bezeichnet. In diesem Sinn sei die aktuelle Ausstellung eine logische Fortsetzung. Dazugekommen seien unterschiedliche Untergründe, zusätzlich zur Leinwand etwa Himalaya-Papier.


Alte Bank noch bis Mitte 2019

Die Galerie zur alten Bank ist zu den üblichen Zeiten bis am Sonntag, 16. Dezember geöffnet: Donnerstag von 18 bis 20 Uhr, Samstag von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr sowie Sonntag von 14 bis 17 Uhr.

Die Künstlerinnen werden an der Finissage anwesend sein, Milly Broder auch während sämtlichen Öffnungszeiten der Ausstellung.

Die Galerie bleibt bis Mitte 2019 an der Henauerstrasse 20. An der Bürgerversammlung vom 26. November wird über den Kredit zur Einrichtung neuer Galerieräume an der Bahnhofstrasse 77 (ehemals Jeamona Mode) entschieden.

Die Galerie zur alten Bank ist neu auch auf Instagram und Facebook vertreten.