Was ist schräg? Was gerade? Welche Sinnestäuschungen gibt es? Und wer sagt, was schräg und was gerade, was richtig und falsch ist? Schräg war am Samstagabend einerseits, dass nach Monaten wieder einmal ein Samstagabendgottesdienst in Niederuzwil stattfand. Schräg war, dass es verkleidete Menschen hatte, die zur Wortgottesfeier gekommen waren und schräg waren natürlich die lauten Töne zwischen Kirchengemäuer. Und alles war in diesem Moment richtig und passend.

Schräges gehört zum Leben

Die Glattburgfäger, eine Untergruppe der Musikgesellschaft Oberbüren mit OK-Präsident Lukas Niedermann und Obergugger Alex Wild, zogen mit ihren kakophonischen Klängen durch den Mittelgang in die Kirche ein. Die kirchliche Jugendarbeiterin Selina Mauchle bedankte sich bei ihnen, als wäre die Feier bereits zu Ende. «Wir wünschen einen guten Endspurt. Lasst es krachen. «Ziemlich schräg», befand Seelsorger Kari Bürgler. Das sei doch etwas zu früh und also begann er die Feierstunde in der ordentlichen Abfolge und mit dem Kreuzzeichen. «Rock My Soul» spielten die Gugger - und die Anwesenden sangen sich die Lunge aus der Brust. Und es gab doch nichts zu hören. Ganz schön schräg, zu singen und niemand hört etwas, nicht einmal die Singenden selber. Es gibt viel Schräges in der Gesellschaft. Selina Mauchle erinnerte daran: Menschen mit blauen Haaren, eine Conchita Wurst mit Frauennamen, langen Haaren und Bart, schräge Essgewohnheiten und: «Manchmal stehen wir selber schräg, weil es im Leben nicht immer so läuft, wie wir uns das vorstellen.»


Gugger sprechen Segensbitten

Die Besinnung sprach das an, was manchmal schräg, ungerecht, verletzend und negativ läuft. Und schräg war die Erkennungsmelodie des legendären «Schreckmümpfelis» und die dazu gehörende Geistergeschichte. Und Schräges hatte Kari Bürgler auch in der Bibel gefunden: «Die Letzten werden die Ersten sein und die Ersten die Letzten» etwa oder ein Retter, der als Kind zur Welt kommt und in Windeln gewickelt in einem Futtertrog liegt. Und dann gar die Forderung: «Wer bei euch gross sein will, der soll euer Diener sein.»

Die Glattburgfäger antworteten mit schrägen Tönen. Auch die Segensbitten waren für einmal aussergewöhnlich farbig und – nein, nicht schräg –, einfach anders. Und auch von Guggern selber gesprochen. Draussen im Pfarrgarten gab es schliesslich noch ein schräges Ständchen.