Oliver Wiedendanger ist er überzeugt: «Der Gare des Lion gehört einfach zu Wil.» Es ist die ganz besondere Atmosphäre, die zahlreichen Erlebnisse und ein sehr guter Teamgeist, der ihn seit knapp zehn Jahren motivieren. «Natürlich gibt es Momente, in denen ich mich frage, was ich hier eigentlich tue», sagt er. Beispielweise dann, wenn das Publikum die Infrastruktur beschädigt. Oder wenn die Künstleragenturen die vereinbarten Unterlagen nicht fristgerecht senden. Doch diese Momente des Zweifels sind sehr selten und von kurzer Dauer.

Baufälliges Gebäude

Die Tätigkeit von Wiesendanger ist sehr herausfordernd: «Man merkt, dass das Gebäude in die Jahre gekommen ist.» Bei Regen dringt durch einzelne Ritzen Wasser ein. Und die Platzverhältnisse sind in den Nebenräumen sehr beengt.

Einzelne Räume sind in den Wintermonaten kaum geheizt und zum Teil nicht isoliert. Zum Bespiel besteht der Aufenthaltsraum der Künstler direkt neben der Bühne aus einem dem Gebäude angebauten Container. Er wurde mit Spanplatten ausgekleidet. Ein Heizstrahler sorgt für ein klein wenig Behaglichkeit. Die erheblichen Temperaturunterschiede bekommen den zahlreich vorhandenen technischen Geräten in der Liegenschaft nicht.


Nicht klagen

Es könne schnell wie Klagelied klingen, wenn er all die besonderen Handicaps des Gebäudes aufzähle, sagt der Betriebsleiter. Jammern ist jedoch nicht sein Ding. Auch über die langen Phase von Corona, die den Betrieb im Gare de Lion zweitweise zum Erliegen brachte und für finanzielle Ausfälle sorgte, klagt er nicht. «Sie hat dem Team eine Reihe von Zusatzherausforderungen beschert.» So mussten einzelne Konzerte immer wieder verschoben werden.

Allmähliche Erholung

Mittlerweile treten wieder Musikerinnen und Musiker in unterschiedlichen Stilrichtungen auf. Und Comedyabende, Lesungen und weiteres mehr lockt das Publikum an. «Ganz auf dem Niveau von vor der Pandemie sind wir noch nicht angekommen», sagt Wiesendanger. Vor allem Künstleragenturen in Übersee sind noch immer sehr vorsichtig. Mit der Konsequenz, dass das eine oder andere Konzert kurzfristig abgesagt werden muss.

Sechzig bis neunzig Anlässe finden pro Jahr statt. Pro Event stehen rund ein Dutzend Helferinnen und Helfer im Einsatz. «Die einen Veranstaltungen sind personalintensiver, andere weniger», sagt Oliver Wiesendanger.


Viele Freiwillige

Rund 60 Personen arbeiten vor und hinter den Kulissen im Gare de Lion mit. Sie stehen hinter der Bar oder am Mischpult, betreuen die Garderobe, sorgen für die Sicherheit, halten den Event mit der Fotokamera fest oder reinigen die Räume.

Die Mitarbeitenden werden sorgfältig in ihre Aufgaben eingeführt und nach ihren spezifischen Kenntnissen und Erfahrungen eingesetzt. «Wir legen viel Wert auf eine familiäre Atmosphäre», betont der Betriebsleiter. Das Lokal bietet viel Entfaltungsraum. Zudem kann man in ihm bezüglich Veranstaltungsmanagement einiges lernen und entsprechende Erfahrungen sammeln.

Einmalige Ambiance

Oliver Wiesendanger ist überzeugt, kaum jemand arbeitet ausschliesslich wegen der Entlöhnung im Gare de Lion. Wie er aus Erfahrung weiss, legen die Helferinnen und Helfer auch mal eine Zusatzstunde ein, wenn Not an der Frau oder am Mann ist. Es scheint diese besondere Atmosphäre im Lokal zu sein, die die Mitarbeitenden motiviert