Die Handlung passiert in einem einsamen Landhotel im einsamen Nordwesten Englands. Und einsamer könnte es hier nicht sein, besonders nicht in einer Nacht wie dieser. Draussen tobt ein fürchterlicher Schneesturm, drinnen freuen sich Olivia und Robert Chappell auf ein paar ruhige Tage. Doch, wie so oft, trügt die Idylle. Ein mysteriöser Telefonanruf trübt gleich zu Beginn des Stücks die heimelige Atmosphäre. Und plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Das Stück wird als „Thriller“ vorgestellt. Und tatsächlich, die Nerven werden beim Zuschauen wirklich mehr als nur einmal arg strapaziert.

Vierpersonenstück

Die Charaktere kennt man bald auseinander, es kommen nur vier Personen im Stück vor. Und doch muss man sich beim Mitfiebern im Stück immer wieder die Augen reiben, weil sich die Beziehungsgeflechte oft ändern. Was anfänglich wie die ultimative Liebesbeziehung aussieht, entpuppt sich im Laufe des Stücks genauso als Lüge wie die meisten Aussagen aller im Stück Involvierten. Wem soll man da noch glauben? Eigentlich dreht sich alles um Olivia. Ihr Mann Robert – gespielt von Stefan Rehberg -, den sie nach einem Monat bereits geehelicht hat, gesteht ihr fast etwas aufdringlich immer mal wieder seine Liebe. Sam Stone – Michel Guillaume – kreuzt irgendwann auf, spielt sich als Herr der Lage auf. Und da ist auch Ramsay – Marcus Widmann - , ein verirrter Bergsteiger, der nur für eine Nacht eine Unterkunft sucht. Alle haben irgendwie miteinander zu tun. Es scheint, wie wenn sich da ein Spinnennetz über die vier Menschen gelegt hätte. Doch wie dieses Netz zerrreissen? 

Alkohol als fünfter Mitspieler

Wenn man nicht mehr weiter weiss im Leben, scheint es für manche Menschen das Beste zu sein, sich erst einmal einen Drink zu genehmigen, bevor man sich den weiteren Stürmen des Lebens aussetzt. Dieses „Lebenswasser“ ist in diesem Stück in einem hölzernen Globus zu finden und wird häufig als Nothelfer benutzt. Da es für Olivia – Ursula Buschhorn – immer wieder zu angsteinflössenden Situationen kommt, braucht sie auch ständig einen Seelentröste flüssiger Art. Trinken möchte sie jedoch nur aus einem einzigen Glas, einem Erbstück aus dem Nachlass ihrer Mutter. Das gibt Anlass zu mancher Frotzelei. 

Das Hotel-Entree sieht wie ein Wohnzimmer aus, mit hübschen Lämpchen, altehrwürdigen Möbeln und schön assortierten Farben. Da lässt es sich gut aushalten, selbst wenn sich draussen die Elemente austoben. Während des ganzen Stücks wird kein einziges Möbelstück verschoben. Bei den Menschen dagegen verschiebt sich die Optik ständig. Das ergibt eine reizvolle Reibung zwischen Innerem und Äusserem. An der Wand hängt ein Porträt eines Hundes, was einen kleinen Hinweis auf die Tatsache gibt, dass hier verschiedene „falsche Hunde“ im Spiel sind.


Verzwickte Handlung

Vieles muss man sich vorstellen. So wird von einer Schlucht erzählt, die nicht weit vom Haus in die Tiefe geht. Aber es gibt auch einen hohen Berg, auf welchem eine Tragödie passiert sein muss. Sobald die Türe aufgeht, hört man den Sturm wüten. Olivia hat ein dunkles Geheimnis, welches sie ihrem Mann noch immer nicht gebeichtet hat. Es gibt mehrere Anläufe von Seiten des Ehemannes, aber da kommt wenig erstaunlicherweise immer wieder eine Störung im dümmsten Augenblick, das Wichtige bleibt ungesagt. Es gibt ungebetene Besucher, die alle ebenfalls nicht besonders vertrauenserweckend sind. Und dazwischen auch das eine oder andere böse Ende eines temporären Mitbewohners. Auch eine Pistole spielt da mit, es gibt mehr als einmal ein Gerangel und dieses Schiesseisen. Alles in allem eine wenig gemütliche Runde.


Objekt der Begierde

Irgendwann kommt doch etwas Licht ins Dunkel. Scheinbar geht es um eine spezielle Halskette, einen Tricolore-Schmuck aus Napoleons Schatulle. Und um englische Adlige, denen das gute Stück mal gehört haben soll. Wie sang doch schon Marilyn Monroe? „Diamants Are A Girl’s Best Friend“, also „Diamanten sind eines Mädchens bester Freund“. Dafür wird schon mal schnell ein Mord begangen, natürlich so, dass niemandem etwas nachgewiesen werden kann. Und an dieses Motto halten sich im Stück „Brillanter Mord“ - oder in der englischen Urfassung von Autor James Cawood „Stone Cold Murder“ - alle Beteiligten. 


Nicht die erste Münchner Produktion

Die Uzwiler Zuschauer durften schon früher eine Produktion aus dem Hause a.gon München erleben. Auch damals stand eine Frau im Mittelpunkt, Diana Körner als Oma Paulette, die sich selber aus dem Schlamassel – Altersarmut, Einsamkeit – retten wollte und dies auch mit allerdings nicht völlig legalen Mitteln tat. Diesmal boten vier unterschiedliche Persönlichkeiten hohe Schauspielkunst. Ursula Buschhorn ist auf verschiedenen Feldern tätig. Wer beispielsweise gerne Filme aus dem Sektor „Herzkino“ schaut, hat sie bestimmt in ganz verschiedenen Geschichten schon erlebt. In einem Krimi spielt sie allerdings zum ersten Mal. Ihre männlichen Mitdarsteller Stefan Rehberg, Marcus Widmann und Michel Guillaume sind jedoch alle schon in Kriminalfilmen aufgetreten. Die vier Persönlichkeiten erreichten das Publikum mit ihrer professionellen Darstellungs- und Sprechkunst, was sich in einem langanhaltenden Applaus am Schluss der Vorstellung deutlich zeigte. Nur selten stehen auf den hiesigen Bühnenbrettern solche weitherum bekannte Persönlichkeiten. 

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Schlussbild nach einer spannenden Aufführung: v.l. Marcus Widmann als Ramsay; Ursula Buschhorn, Olivia; Michel Guillaume, Sam und Stefan Rehberg als Robert. 


Abstand vom Alltag

Krimis erleben einen eigentlichen Höhenflug. Was früher gerade auch von Pädagogen noch gerne als „Schund“ bezeichnet wurde, gilt heute oft als Hochliteratur. Donna Leon ist für viele ein Begriff, in den skandinavischen Ländern, ganz besonders in Schweden, hat sich eine richtige Krimikultur entwickelt. Lange Abende können da inspirierend sein, um sich gruselige Geschichten auszudenken. Alles was im bürgerlichen Leben verboten ist, heizt die Fantasie an. Einem kriminellen Akt auf der Bühne zuzuschauen lässt die eigenen Sorgen vergessen. So eine Geschichte baut Spannungen ab und lässt den grauen Alltag für einen Augenblick farbiger werden. Was für ein Glück jedoch, dass nach dem Film oder Theater die eigene Welt dann doch noch nicht so aus den Fugen ist wie im eben Gesehenen oder Gelesenen.

Letzte Vorstellung der Saison 2018/2019: Am Sonntag 10. März 2019 um 15:00 Uhr dürfen sich die kleinen – und natürlich auch alle junggebliebenen – Gäste auf ein Märchen freuen. Die Musikbühne Mannheim spielt dann das Märchenmusical „Schneewittchen“. Als untere Altersgrenze wird fünf Jahre angegeben, könnte es doch im Stück den einen oder anderen furchteinflössenden Moment geben.