Seit Mitte Dezember 2019 hatte sich ein Wolf im Grenzgebiet der Kantone Thurgau und St. Gallen vor den Toren Wils bemerkbar gemacht und bei verschiedenen Ereignissen mehrere Schafe gerissen. Aufgrund von mehreren Fotofallenbildern erhärtete sich der Verdacht, dass der Wolf krank war. Daher entschlossen sich die zuständigen Behörden zu einem Abschuss. Dieser wurde am 18. Februar durch die Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau in Zusammenarbeit mit der St. Galler Wildhut in der Region Bischofszell ausgeführt. Bereits vor Ort konnte festgestellt werden, dass der männliche Wolf auf beiden Körperflanken und am Schwanz praktisch keine Haare mehr aufwies.

Untersuchungen des Zentrums für Fisch- und Wildtiermedizin der Universität Bern bestätigen nun, dass der Wolf an Räude erkrankt war. Zudem litt er an Entzündungen der Nieren, des Dickdarms und des Herzens. Für die Entzündungen verantwortliche Krankheitserreger konnten jedoch nicht nachgewiesen werden. Der Krankheitsbefund bestätigt damit die Notwendigkeit des behördlich verordneten Abschusses. Dies Teilt der Kanton Thurgau am Montagvormittag mit.

Herkunft noch offen

Der abgeschossene Wolf konnte durch das Laboratoire de Biologie de la Conservation der Universität Lausanne genetisch identifiziert werden. Es handelt sich um einen männlichen Wolf mit der Bezeichnung M109. Alle in den vergangenen Wochen erfolgten Risse im Grenzgebiet der Kantone Thurgau und St. Gallen sind auf dieses Individuum zurückzuführen. Dieser Wolfsrüde wurde bereits im August 2019 im Bereich des Oberalppasses und beim Lukmanierpass erstmals nachgewiesen. Im November 2019 riss er Schafe bei Appenzell und Urnäsch. Ob es sich bei diesem Wolf um einen Nachfahren der Schweizer Wolfspopulation handelt oder ob er von Italien her direkt zugewandert ist, ist derzeit noch ungeklärt. (pd/red)

_______________________________________________________________________________

Der Wolf war krank (18.2.20)

Der Wolf, der in den vergangenen Wochen im Grenzgebiet der Kantone Thurgau und St. Gallen bei verschiedenen Angriffen mehrere Schafe getötet hatte – letztmals am 17. Februar in der Region Bischofszell, wo er ein weiteres Schaf in einem offenen Laufstall riss – war krank. Der Verdacht bestand von Beginn weg aufgrund fehlender Haare an der hinteren Körperhälfte, wie die Bilder von Fotofallen zeigten. Der Wolf kehrte bereits vergangene Woche mehrmals zum Hof im Kanton St. Gallen zurück, wo er mehrere Schafe gerissen hatte. Dort gelangen zahlreiche Fotos und Direktbeobachtungen, welche belegen, dass sich der Gesundheitszustand in den letzten Wochen massiv verschlechterte. Zudem deutete auch der immer kleiner werdende Radius seiner Raumnutzung auf ein atypisches Verhalten hin.

Nachdem der kranke Wolf in der vergangenen Nacht wieder zu seinem Riss im Raum Bischofszell zurückgekehrt war, wurde er durch die Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau in Zusammenarbeit mit der St. Galler Wildhut von seinem Leid erlöst. Dies teilt der Kanton Thurgau am Dienstagvormittag mit. Der Abschussentscheid ist mit der St. Galler Jagdbehörde vorgängig abgesprochen worden. Der Wolf wird nun veterinärmedizinisch untersucht und genetisch identifiziert. (pd/red)

Post inside
Der Wolf im Grenzgebiet der Kantone Thurgau und St. Gallen war offensichtlich krank, wie die fehlenden Haare am Schwanz und Körper beweisen.


_______________________________________________________________________________

Droht dem Wolf der Abschuss? (10.2.20)

Der Wolf drang erneut in einen gedeckten Offenstall direkt auf dem Hof neben einer Strasse ein. Drei Schafe tötete er, drei weitere mussten aufgrund ihrer schweren Verletzungen später getötet werden, zwei weitere wiesen Bisswunden auf. Eine montierte Fotofalle vor dem Hof lichtete am Sonntagmorgen um 7 Uhr einen ausgewachsenen Wolf ab.

Seit dem 22. Dezember 2019 ist dies der sechste Angriff eines Wolfes im Grenzgebiet der Kantone St.Gallen und Thurgau. Das letzte Mal griff der Wolf vor einer Woche bei Rossrüti an und tötete ein Lamm. Die Distanz zwischen den beiden Angriffen liegt bei 8,5 Kilometern. Aufgrund des Schadenbilds und der geringen Distanz der Fälle geht man von demselben Wolf aus.

Referendum gegen Jagdgesetz

«Obwohl das Verhalten eines Wolfes, der mehrfach Schafe in geschützten Laufställen reisst, aussergewöhnlich und problematisch ist, lässt das gültige eidgenössische Jagdgesetz im Moment keinen Abschuss zu», schreibt der Kanton St. Gallen am Montag in einer Mitteilung. Dieser kann eine Abschussbewilligung gegen einzelne Wölfe erteilen, wenn die Schadensschwelle bezüglich der Anzahl gerissener Nutztiere überschritten wurde. Diese liegt bei 25 Schafen pro Monat. Das revidierte Bundesjagdgesetz sieht einen Abschuss solcher Schaden stiftenden Wölfe vor, die ein problematisches und auffälliges Verhalten aufweisen. Gegen dieses Jagdgesetz wurde das Referendum ergriffen. (pd/red)

Post inside
In der Fotofalle: Der Wolf taucht bei Vollmond bei einem Hof in Zuckenriet auf. (Bild: pd)

_______________________________________________________________________________

Der Wolf packt auch inn Zuckenriet zu (9.2.20)

Dem Wolf scheint es im Raum Wil zu gefallen. Die toten Tiere wegen eines Wolfsbisses in der Region häufen sich. Nachdem er zuerst binnen wenigen Tagen in Tägerschen und Rossrüti Tiere getötet haben dürfte, packte er nun die Zuckenriet zu. Dies berichtet das Online-Portal «Die Ostschweiz» am Samstag. Der Wolf soll fünf Schafe direkt aus einem Gatter bei einem Bauerhaus gepackt haben. Damit aber noch nicht genug. Schon am Freitagmittag war ein Wolf in Rossrüti im Gebiet Himmelreich gesichtet worden. «Die Ostschweiz» zeigt ein Video, wie sich der Wolf einem Wohnhaus nähert und dann von der Bewohnerin vertrieben wird. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei allen Vorfällen um ein und denselben Wolf handelt. Es ist auch gut vorstellbar, dass er in den nächsten Tagen wieder auftaucht und weiteren Tieren den Garaus machen wird. Der Wolf bewegt sich verhältnismässig nahe an urbanem Gebiet.

Mit jedem Biss wird die Fragestellung konkreter, ob ein Abschuss des Wolfes legitim und angezeigt ist. Fakt ist, dass er mindestens 25 Tiere innerhalb eines Monats töten muss, damit er überhaupt zum Abschuss freigegeben werden kann.

Post inside
In Zuckenriet: Hierbei dürfte es ich um einen nächsten Wolfsriss handeln. (Bild: Die Ostschweiz)


_______________________________________________________________________________

Was es für den Abschuss braucht (3.2.20)

Dass der Wolf auf seinen Wanderungen in Siedlungsgebiet vorbeikommt, sei nicht ungewöhnlich, sagt Dominik Thiel, Leiter Amt für Natur, Jagd und Fischerei beim Kanton St. Gallen zu hallowil.ch. So sei auch das Calanda-Rudel immer wieder in Dörfern gesichtet worden. Das Calanda-Rudel hat seinen Namen von einem Gebirgsmassiv zwischen Churer Rheintal und St. Galler Taminatal. Dort ist seit 2012 ein Wolfsrudel unterwegs, auch auf St. Galler Boden. Die Wölfin F7, die vergangenes Jahr altersbedingt gestorben ist, bekam bis 2018 jedes Jahr Welpen, insgesamt rund 40 junge Wölfe.

«Der Wolf ist nicht wählerisch»

Auch das Auftauchen in Stadtnähe ist laut Thiel nicht ungewöhnlich für Wölfe. Die Raubtiere würden grosse Distanzen zurücklegen und dabei auch weniger abgelegene Gebiete durchstreifen. «Der Wolf fühlt sich überall wohl, wo er Nahrung findet. Er ist nicht wählerisch», so Thiel. Die 100 Wolfsrudel in Deutschland zum Beispiel seien alle im Flachland unterwegs, Ähnliches gelte für Italien.

Ob es sich beim aktuell in der Gegend aktiven Wolf um einen Sprössling des Calanda-Rudels handelt, sei nicht undenkbar, jedoch derzeit völlig unklar. «Aber die Distanz wäre nichts für einen Wolf», so Thiel. Aktuell werden DNA-Proben von den jüngsten Rissen mit denen von bekannten Wölfen verglichen. Wahrscheinlich sei, dass es sich beim Wolf um ein einzelnes Männchen auf der Suche nach neuem Gebiet handle, so Thiel. Mithilfe von Sichtungsmeldungen und Fotofallen versuche man, den Weg des Wolfs nachzuvollziehen.

Zum Abschuss braucht es 25 gerissene Tiere pro Monat 

Ungewöhnlich am Schafsriss in Rossrüti sei hingegen, dass der Wolf in einen Laufstall eingedrungen ist. Dies lege nahe, dass der Wolf dies wieder tun könnte. Auch beim Schafsriss in Thundorf bei Frauenfeld von Anfang Januar war der Wolf in einen Stall eingedrungen. Für einen möglichen Abschuss habe dieser Umstand aber «keine Relevanz», so Thiel. Für die Entscheidung, ob ein Wolf abgeschossen werde oder nicht, seien zwei Kriterien massgebend: Zum einen die Gefährdung von Menschen, worauf es in diesem Fall keine Hinweise gebe. Das andere ist die Anzahl gerissener Tiere in einem bestimmten Zeitraum. Sie liegt bei 25 gerissenen Tieren in einem Monat, respektive 35 Tieren in zwei Monaten. Ob der Wolf abgeschossen wird, entscheidet die kantonale Jagdverwaltung in Absprache mit den Nachbarkantonen.

Die Anlaufstelle Herdenschutz des Kantons St. Gallen hilft Tierhaltern bei der Planung von Schutzmassnahmen. Sie empfiehlt, Elektrozäune mit mindestens 90cm Höhe. Bauern kritisieren, dass der Wolf in der Lage sei, Elektrozäune zu überspringen.

_______________________________________________________________________________

Wolf tappt in die Fotofalle (3.2.20):

Innert kurzer Zeit erreichten den kantonalen Wildhüter am Samstag zwei Meldungen aus Rossrüti. Zwei Tierkadaver waren gefunden worden. Ein toter Rehbock und ein totes Lamm wiesen die für einen Wolfsriss charakteristischen Bissverletzungen auf, wie die St. Galler Staatskanzlei mitteilt. Die in der darauffolgenden Nacht beim Rehbock installierte Fotofalle habe den Verdacht des Wildhüters bestätigt: Ein Wolf kehrte zum Kadaver zurück. Bereits im Lauf des Samstags seien die Schafhalter in der Gegend um Wil mittels SMS-Alarmdienst informiert worden.

Es ist nicht der erste Angriff in der Region: Am 22. Dezember 2019 wurden bei Oberrindal zwei Lämmer vom Wolf gerissen. Auch im Kanton Thurgau, unter anderem in der Wiler Nachbargemeinde Tobel-Tägerschen, kam es in den vergangenen Wochen zu Rissen.

Toter Luchs bei Kirchberg

Am Freitag letzter Woche fand ein Passant bei Kirchberg einen toten Luchs. In diesem Fall scheint der Wolf nicht beteiligt zu sein. Alles deutet darauf hin, dass der Luchs krank war. Er wird im Tierspital Bern untersucht.

______________________________________________________________________________

Wolf reisst Schaf in Tägerschen (1.2.20)

Ganz sicher ist es noch nicht. Aber alles deutet darauf hin, dass dieser Tage ein Wolf in der Wiler Nachbargemeinde Tobel-Tägerschen aufgetaucht ist und ein Schaf gerissen hat. «Aufgrund der Rissspuren ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es ein Wolf war», sagt Roman Kistler, Leiter Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau. Definitiv Klarheit soll nun eine DNA-Probe schaffen, welche an der Universität Lausanne genommen wird.

Der Wolf löst nicht erst dieser Tage viele Emotionen aus. Denn seit dem Jahr 2017 wurden gleich mehrere Wölfe gesichtet im Kanton Thurgau. «Das führt unweigerlich zu gewissen Konflikten. Allerdings muss man es in den Relationen sehen und es werden schweizweit pro Jahr lediglich ein paar Dutzend Nutztiere gerissen. Die toten Tiere werden den Landwirten finanziell entschädigt», sagt Kistler. Er geht davon aus, dass es sich beim Thurgauer Wolf um ein Einzeltier handelt. Woher es genau stammt, ist genau so unbestimmt wie das Geschlecht und die weitere Laufbahn. Bei den «Thurgauer Wölfen» des Jahres 2017 und 2018 hat sich die Spur hernach verloren.

«Lernen, mit dem Wolf umzugehen»

Die Frage ist nun: Gehört der Wolf in den Kanton Thurgau oder soll er vertrieben beziehungsweise gar geschossen werden? Für Jagd-Vorsteher Kistler ist klar: «Ja, er gehört in den Thurgau. Im Mittelalter war der Wolf im Thurgau verbreitet. Danach hat man 200 Jahre lang keine Wölfe mehr gesehen, ehe sie seit 2017 wieder vereinzelt auftauchen. Die Gesellschaft muss sich mit dieser Situation auseinandersetzen. Wir haben verlernt, mit dem Wolf umzugehen», sagt Kistler. Der Wolf sei grundsätzlich ein scheuer Zeitgenosse, welcher die Zivilisation meidet. Ihn zum Abschuss freizugeben, ist aus Kistlers Sicht kein Thema. Es gebe gesetzliche Vorgaben, wann man den Wolf schiessen dürfte. Im Thurgau sei man weit davon entfernt, diese Vorgaben zu erfüllen. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn ein zweiter Wolf dazu käme. Bauern hatten unlängst gefordert, diese Vorgaben zu lockern.

Und was passiert, wenn sich dereinst ein Wolfsrudel im Kanton Thurgau ansiedelt? «Ein Rudel braucht ein Jagdgebiet von mehreren Dutzend Quadratkilometern», sagt Kistler und deutet damit an, dass es sich höchstwahrscheinlich kein Rudel im Mittelland heimisch macht.