«Das Inserat, das ich kurz vor meiner Reise nach Taizé entdeckte, war wie ein Ruf», erinnert sich Katharina Piljic. Die neugegründete Lebensmittel-Abgabestelle in Niederuzwil suchte freiwillige Helfer. Mich haben der einfache Lebensstil der Mönchsgemeinschaft und ihr Einsatz für Benachteiligte geprägt. Es ist mir wichtig, etwas für Menschen an meinem Wohnort zu tun.»auft.Schon als Jugendliche hatte sie Taizé im Burgund kennengelernt. «Aber erst als ich viele Jahre später als Erwachsene mit einer Gruppe nach Taizé reiste, realisierte ich, wie bewusst sich die Gemeinschaft von Taizé für einen einfachen Lebensstil entschieden hat und dass die Solidarität mit Benachteiligten ein zentraler Aspekt ihrer Spiritualität ist.» Das hat die gelernte Gärtnerin sehr beeindruckt.

Lebensmittel-Abgabe für Benachteiligte
Inzwischen engagiert sie sich seit zehn Jahren beim Verein Markthalle. Woche für Woche profitieren achtzig Haushalte von der Lebensmittel-Abgabe. An jedem Dienstag bereitet Katharina Piljic zusammen mit einem Team von Ehrenamtlichen die Abgabe vor. Die meisten Lebensmittel stammen von der «Schweizer Tafel». Einige werden bei Landwirten in der Region und beim Caritas-Markt in Wil eingekauft.

Lebensmittelverschwendung verringern
«Unser Angebot erfüllt gleich zwei Ziele: Wir verringern die Lebensmittelverschwendung und ermöglichen Menschen mit einem bescheidenen Budget eine ausgewogene Ernährung», erklärt Katharina Piljic. Weil die Betroffenen manche Gemüsesorten nicht kennen oder nicht wissen, welche Gerichte sie daraus kochen können, ist eine weitere Idee herangereift und umgesetzt worden.

Ein Mittagstisch für jedermann
«Um bei der Abgabe Rezepte und Zubereitungsarten zu erklären, fehlte die Zeit. Weil uns auch ein Kochkurs zu wenig zielführend erschien, lancierten wir einen Mittagstisch.» Dieser steht allen offen. Auch dieses Projekt stösst auf grosse Nachfrage. Vierzig bis fünfzig Personen nehmen jeweils daran teil. Es wird ganz bewusst auf saisonale Gerichte gesetzt. Bei der Zubereitung helfen Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit.

Spontanes kreatives Engagement
«Mich motiviert, dass ich etwas Konkretes bewirken kann, ohne lange Konzepte zu entwickeln oder an Sitzungen endlose Diskussionen führen zu müssen», sagt Katharina Piljic. Ihr Engagement erfordert Kreativität und immer neue Ideen. Diese bekomme sie meistens, wenn sie im Garten arbeite. Der Impuls aus Taizé prägt sie bis heute. «Aber es ist nicht so, dass ich ständig das Bedürfnis habe, wieder dorthin zu reisen oder Taizé-Gebete zu besuchen». Trotzdem freut sie sich, dass sich auch in Niederuzwil eine kleine Gemeinschaft regelmässig zum Taizé-Gebet tritt. Initiiert worden ist es von ihrer erwachsenen Tochter. Auch in ihr hat ein Taizé-Reise einen Funken entfacht.