156 Eingaben erhielt der Kanton zum Fahrplanentwurf. Über 60 davon betrafen den Bahnhalt in Algetshausen-Henau. Für die Gemeinde Uzwil ist klar: «Das Engagement für den Bahnhalt geht weit über das Gemeindehaus hinaus.» Die Antwort des Kantons auf die Anliegen ist uniform: «Gemäss kantonalem Raumkonzept sind die Ortsteile Algetshausen und Henau dem Raumtyp «Landschaft mit kompakten Siedlungen» zugeordnet. Die Siedlungsentwicklung hingegen muss gemäss Konzept primär im urbanen Verdichtungsraum, zu welchem Uzwil, Oberuzwil und Niederuzwil gehören, stattfinden. Damit wird die Zersiedelung wirksam gebremst. Die Wiederaufnahme des Bahnhalts in Algetshausen-Henau widerspricht diesen raumplanerischen Grundsätzen und wird daher nicht angestrebt.»

Einem Brief der Regierung an den Uzwiler Gemeinderat könne entnommen werden, dass ein zusätzlicher Bahnhalt aus Sicht des öV-Gesamtsystems nur dann einen positiven Nutzen erzeuge, wenn 500 Ein- und Aussteiger je Wochentag den Halt nutzten. Algetshausen habe vor der Schliessung lediglich 283 Ein- und Aussteiger täglich verzeichnet. Es sei nicht realistisch, die erforderlichen Nutzerzahlen zu erreichen.

Fix geschlossen statt vorübergehend eingeschränkt

Im aktuellen Mitteilungsblatt der Gemeinde Uzwil blickt Gemeindepräsident Lucas Keel zurück. Es sei 2008 gewesen, als Regierungsrat Joe Keller öffentlich zur Bevölkerung von Algetshausen und Henau gesprochen habe. Er hätte von einer «vorübergehenden, zeitweisen Einschränkung in der Bedienung ihres Bahnhofs» gesprochen. 2014 habe dann Regierungsrat Benedikt Würth geschrieben, dass sich die Regierung für die Wiedereröffnung der Haltestellen Schwarzenbach und Algetshausen-Henau einsetze, natürlich mit dem Vorbehalt übergeordneter Ziele.

Für die Uzwiler Exekutive ist so manches nicht nachvollziehbar: «An der Situation in der Raumplanung hat sich seit Jahren nichts verändert. Sie war schon so, als anderslautende regierungsrätliche Versprechen abgegeben wurden. Und auch an den Passagierzahlen in Algetshausen-Henau hat sich – gezwungenermassen – seit den damaligen Versprechen nichts geändert», so die Gemeinde. Sauer stosse nebst der Schliessung bei dieser Ausgangslage vor allem auf, dass der Lebensraum Algetshausen-Henau in den vergangenen Jahren vom Kanton mit leeren Versprechen vertröstet wurde. «Warum hatte man nicht früher den Mut, hinzustehen», fragt die Gemeinde. (gk/red)

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Regierung plant keine Wiedereröffnung (14.9.20)

In Algetshausen werden in näherer Zukunft weiterhin keine Züge halten. Am Montagvormittag hat das Kantonale Amt für öffentlichen Verkehr die Antworten auf die Eingaben zum Fahrplanentwurf 2021 veröffentlicht. Ein Blick in das 25-seitige Dokument zeigt: Die kantonale Vernehmlassung wird von Fragen zur von 1927 bis 2013 betriebenen Haltestelle im 600-Seelen-Dorf dominiert. Über 60 der insgesamt 156 beantworteten Begehren aus dem ganzen Kanton verlangen, dass S-Bahn-Züge in Algetshausen-Henau wieder halten sollen. Unter den Absendern befinden sich neben Privaten auch die Gemeinde Uzwil oder der Verein «Regio Wil», der sich mit Planungsfragen für die Region befasst.

Kanton: Bevölkerungswachstum im Gebiet der Haltestelle unerwünscht

Gemäss der Antwort des Kantons zur Fahrplanvernehmlassung spielen nun auch raumplanerische Aspekte eine Rolle bei der Abwägung pro und contra Haltestelle Algetshausen. Das ist neu. Bisher hatten SBB, der St. Galler Regierungsrat und das kantonale Amt für öffentlichen Verkehr vor allem mit der Auslastung der Gleise durch Intercity-Züge und aufgrund der nationalen Priorisierung des Güterverkehrs gegen einen S-Bahn-Halt in Algetshausen argumentiert. Die ausführliche jüngere Geschichte des politisch umkämpften Bahnhofs lesen Sie weiter unten im Artikelarchiv. 

Die Ortsteile Algetshausen und Henau sind gemäss kantonalem Raumkonzept «Landschaften mit kompakten Siedlungen», sprich Gebiete, in denen Bevölkerungswachstum und Zersiedlung nicht weiter gefördert werden sollen. «Ein S-Bahn-Halt würde zu einem grossen Druck auf die bestehenden, unbebauten Grünflächen führen», heisst es in der Argumentation des Amts für öffentlichen Verkehr, mit der alle Eingaben zum Bahnhof Algetshausen-Henau beantwortet wurden. (rop)

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Bahnhof Algetshausen: Lucas Keel platzt der Kragen (16.6.20)

«Da platzt mir der Kragen», sagt der Lucas Keel in der aktuellen «Uzwiler Blatt»-Ausgabe. Doch worüber regt sich der Uzwiler Gemeindepräsident genau auf? «Aktuell läuft das Vernehmlassungsverfahren zum neuen Bahn-Fahrplan 2021», führt Keel weiter aus, «Und dieser sieht Inakzeptables vor.» Statt Algetshausen solle Bruggen von der S1 bedient werden. «Ob wenigstens der dritte Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor Versprechen einhält?», fragt er sich im aktuellen Gemeindeblatt. Und weiter: «Lange hatte ich Geduld, trug in verschiedenen Funktionen – auch in regionalen, übergeordnete Zielsetzungen mit –, hatte Verständnis für die Zugzwänge im öV-Netz und dass nicht alles möglich ist.» Aber so gehe das nicht. 

Doch hier die ganze Geschichte des Bahnhofs Algetshausen noch einmal von vorne: Es war im Jahr 2008 als Regierungsrat Joe Keller öffentlich zur Bevölkerung von Algetshausen und Henau sprach. «Er redete von einer vorübergehenden, zeitweisen Einschränkung in der Bedienung ihres Bahnhofs», lässt das «Uzwiler Blatt» die Geschehnisse der Vergangenheit noch einmal Revue passieren. Im Jahr 2013 wurde der Bahnhalt in Algetshausen-Henau dann tatsächlich eingestellt. Im Jahr 2014 schrieb dann Regierungsrat Benedikt Würth, dass sich die Regierung für die Wiedereröffnung der Haltestellen Schwarzenbach und Algetshausen einsetze, «natürlich mit dem Vorbehalt übergeordneter Ziele». Das Bundesamt für Verkehr schrieb im gleichen Jahr, die Haltestelle werde nur bis 2018 temporär geschlossen. Fortan wurde der Gemeinderat bei jeder Erinnerung ans regierungsrätliche Versprechen vertröstet. «SBB, Regierungsrat und Amt erklärten, dass aufgrund der Intercity-Züge und wegen der nationalen Priorisierung des Güterverkehrs keine Fahrplan-Minute für einen Halt in Algetshausen frei sei, selbst bei bestem Bemühen», so Gemeindepräsident Keel. Die SBB lieferte in einem separaten Papier den formalen «Beweis» dafür.

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Jetzt werden die Stimmen für eine Wiedereröffnung des Bahnhofs Algetshausen-Henau immer lauter. (Bild pd)


Halt, zuerst in Algetshausen-Henau

Nun steht im Fahrplanentwurf 2021, der vom Kanton in die Vernehmlassung gegeben wurde, dass die S1 «Wil – St. Gallen» der S-Bahn künftig zusätzlich in St. Gallen-Bruggen halten, in Algetshausen-Henau aber vorbeifahren soll. «Bei allem Verständnis für die übergeordneten Zwänge in der Planung des öffentlichen Verkehrs: Das geht nicht», findet Keel klare Worte. Wenn die S-Bahn auf der Strecke zwischen Wil und St. Gallen irgendwo zusätzlich halten könne, dann zuerst in Algetshausen-Henau. 

Keel ist der Meinung, dass es genug Gründe für den Halt in Algetshausen-Henau statt Bruggen gibt und damit meint er nicht nur «die beiden regierungsrätlichen Versprechen». «St. Gallen-Bruggen hatte zum letzten Zeitpunkt, als Algetshausen-Henau noch geöffnet war, die tiefere Zahl an Fahrgästen – das mag erstaunen, ist aber Fakt», nennt er einen ersten Grund. Die S5 mache in St. Gallen-Bruggen einen Halbstundentakt, fahre alle 30 Minuten vom Thurgau her über Gossau nach St. Gallen und zurück. Die S1 würde in Bruggen genau fünf Minuten vor der S5 fahren. Das öV-Angebot für Bruggen würde deshalb mit dem S1-Halt gar nicht verbessert, während der Halt in Algetshausen-Henau eine deutliche Erhöhung der Erschliessungsqualität bedeuten würde. Zudem sei St. Gallen-Bruggen auch über das Busnetz perfekt ans Stadtnetz angebunden, habe heute bereits in einer Stunde mit Bus und Zug acht Verbindungen ins Stadtzentrum. «Der Bahnhof St. Gallen-Bruggen ist nicht barrierefrei, nicht behindertenkonform», ist der Uzwiler Gemeindepräsident überzeugt. Mit diesem Argument könne man den Bahnhof Algetshausen-Henau nicht tiefer priorisieren. 


Selfie-Aktion für den Bahnhof Algetshausen-Henau

«Für die raumplanerische Entwicklung von Uzwil ist die Wiedereröffnung des Bahnhofs Algetshausen-Henau von grosser Bedeutung», betont Gemeindepräsident Keel im aktuellen «Unwiler Blatt». Dieses Gebiet habe als fast einziges der Gemeinde Uzwil noch Wachstumspotenzial, das nicht durch Fruchtfolgeflächen begrenzt sei. Das Vernehmlassungsverfahren zum Fahrplan 2021 läuft noch bis 26. Juni, also nur noch kurze Zeit. «Auch deshalb braucht es zur Reaktion aus dem Gemeindehaus auch noch Stimmen und Bilder, um den Fahrplan 2021 zurückzurücken: Auf, Algetshausen, auf!», fordert Keel von der Bevölkerung.  

Um den Halt in Algetshausen-Henau zu unterstützen, lancieren der Einwohnerverein Algetshausen, Pro Henau und die Gemeinde Uzwil eine gemeinsame Selfie-Aktion: Einige bekannte Persönlichkeiten aus der Region haben bereits  eine Selfie-Reihe gestartet. Nun soll die Bevölkerung diese Reihe fortsetzen und ein Selfie von sich am Bahnhof Algetshausen-Henau schiessen und es bis zum 25. Juni an eine der folgenden E-Mail-Adressen senden: presi@algetshausen.ch, bhf-algetshausen@prohenau.ch oder algetshausenhenau@uzwil.ch. (pd)

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Bahnhof Algetshausen vor Comeback? (1.6.):

Man pflegt zu sagen: Ist ein Bahnhof erst einmal zu, wird er nicht wiedereröffnet. Etwas anders ist dies im Fall von Algetshausen-Henau. Obschon der Bahnhof im Dezember 2013 aus dem Verkehr gezogen wurde, ranken sich seither Gerüchte einer Wiedereröffnung. Oder sind es gar mehr als Gerüchte? Fakt ist: Verschiedene Akteure arbeiten derzeit am S-Bahn-Konzept für den Zeitraum 2040. Die Regio Wil hat dem Amt für Öffentlichen Verkehr des Kantons St. Gallen im Hinblick darauf verschiedene Begehren eingereicht. Dazu gehört auch die Wiedereröffnung des Bahnhofs Algetshausen-Henau.

Dass zusammen mit Schwarzenbach grad zwei Bahnhöfe geschlossen wurden, bezeichnet man in Uzwil als «eine Art Lastensymmetrie». Vielleicht wäre es möglich gewesen, einen der beiden zu betreiben, schreibt die Gemeinde Uzwil in einer Mitteilung. Aber welchen? Jedenfalls habe der frühere kantonale Volkswirtschaftsdirektor Joe Keller einst versprochen, den Bahnhof Algetshausen-Henau wieder zu öffnen, wenn das möglich sei. An dieses Versprechen erinnert man sich in Uzwil. Und man erinnert die Kantonsregierung wiederholt daran. So letztmals im Herbst 2018. Die Frage ist: Generieren die zur Gemeinde Uzwil gehörenden Dörfer Algetshausen und Henau genug Traffic, um eine längere Fahrdauer der S-Bahn auf dem Abschnitt Wil-St. Gallen zu rechtfertigen?

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Derzeit deutet nichts auf eine Wiedereröffnung des Bahnhofes Algetshausen-Henau hin.


Wiedereröffnung im Jahr 2035?

Regierungsrat Bruno Damann, damals Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartementes, liess sich einst zitieren: «Das Anliegen, die Haltestelle Algetshausen-Henau wieder zu eröffnen, ist uns bekannt. Mein Departement und das Amt für öffentlichen Verkehr setzen sich sehr dafür ein, dass im Ausbauschritt 2035 der Bahnhalt Algetshausen-Henau wieder möglich wird.»

Per Montag hat der neu gewählte Regierungsrat Beat Tinner das Volkswirtschaftsdepartement übernommen. «Auch er wird das Vergnügen haben, sich um die Wiedereröffnung des Bahnhofs Algetshausen-Henau zu kümmern. Und auch er wird merken, wie hartnäckig sich Uzwil für seinen zweiten Bahnhof einsetzt», lässt die Gemeinde im aktuellen Mitteilungsblatt verlauten.

Und was finden Sie? Soll der Bahnhof Algetshausen-Henau wiedereröffnet werden? Machen Sie mit bei der untenstehenden Abstimmung. (gk/red)