«Als ich heute mit dem Bus 734 am Bahnhof Sirnach ankam, konnte ich kaum glauben, was ich da antraf», sagt ein Leserreporter gegenüber hallowil.ch. Der Mann regt sich über die Situation am Sirnacher Bahnhof nach einem Umbau auf. Denn auf der Zufahrtsstrasse zum Bahnhof konnte der entgegenkommende Bus 735 Richtung Eschlikon nicht an seinem Bus 734 vorbei- und damit nicht zur Hauptstrasse hinunterfahren. «Die umgebaute Zufahrtsstrasse auf der Höhe des Restaurants ‘Post’ wurde so eng gebaut, dass schlichtweg keine zwei Busse nebeneinander vorbeifahren können», schildert der Leserreporter. Er redet sogar vom Sirnacher «Bau-Wahnsinn».

Auch hallowil.ch hat einen Augenschein vor Ort genommen, um sich ein Bild von der Situation zu machen. Ja, die Zufahrtsstrasse ist an einigen Stellen eng. Und auf der Höhe des Bahnhofgebäudes können tatsächlich keine zwei Busse aneinander vorbeifahren. Aber kann man wirklich von einem Baufehler reden? Was sagt die Gemeinde dazu?

Bewusst so geplant

«Nein», sagt Sirnachs Gemeindepräsident Kurt Baumann, «dieses Problem ist uns nicht bekannt.» Die Zufahrtsstrasse zum Bahnhof sei genau nach Plan umgebaut worden und die Breite der Strasse ziemlich gleich wie vor dem 1,2 Millionen teuren Umbau. «Weder der Verkehr noch die Fussgänger haben weniger Platz zur Verfügung», erklärt Baumann. Er könne aber durchaus nachvollziehen, dass bei den Leuten der Eindruck entstehe, die sanierte Strasse sei bedeutend enger. Denn mit dem Umbau wurde ein neuer Trottoir-Bereich erstellt, der für die Verkehrssicherheit der Passanten sorgt. 

Fakt ist: Die engste Stelle der Zufahrtsstrasse befindet sich auf der Höhe des Restaurants «Post» und der Unterführung, die unter den Bahngleisen durchführt. «Diese Stelle ist aber so dimensioniert, dass zwei Busse aneinander vorbeifahren können», betont Baumann. Das Trottoir diene den Busfahrern bei Bedarf auch als Ausweichmöglichkeit. Komme es aber tatsächlich zur Kreuzung von zwei Bussen zur gleichen Zeit, dann müsse der eine Busfahrer entweder einen Augenblick warten oder auf das Trottoir – sofern dieses frei sei – ausweichen. «Zwei Busse können so ohne Probleme nebeneinander vorbeifahren.» Nach Angaben von Baumann ist es bisher zu keinen Bus-Verspätungen wegen der Zufahrtsstrasse gekommen. «Ausserdem wurde das Bus-Unternehmen Wil Mobil in die ganze Umbauplanung miteinbezogen» so Baumann. 

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So sieht die neu umgebaute Zufahrtsstrasse zum Sirnacher Bahnhof aus. (Bilder Magdalena Ceak)Die neue Zufahrtsstrasse mit Blick zur Hauptstrasse. 

Umbau auch aus Sicherheitsgründen

Aus unterschiedlichen Gründen betont Gemeindepräsident Baumann mehrmals, dass die neue Zufahrtsstrasse «alles andere als ein Baupfusch» sei. Es müssten keine Fehler behoben werden, welche die Gemeinde in naher Zukunft zusätzliches Geld kosten würden. So wurde beispielsweise die Bus-Durchfahrtsbreite bei der neuen Wartehalle gegenüber des Bahnhofgebäudes bewusst so gewählt, dass auch wirklich nur ein Bus an dieser Stelle vorbeifahren könne. «Das wurde aus Sicherheitsgründen bewusst so geplant», erzählt Baumann. Im Verkehrsalltag geschehe es oft, dass Passanten vor und hinter den stehenden Bussen vorbeilaufen, um schnell eine Strasse zu überqueren. Das wiederum werde gefährlich, wenn ein Personenwagen das stehende Fahrzeug überholt. Aus dieser Perspektive sieht Gemeindepräsident den Umbau weiterhin positiv. «Wenn etwas neu ist, gibt es viele Menschen, die ausrufen bis sie sich an die Veränderung gewöhnt haben», ist er überzeugt.