Der Theaterautor und Schauspieler Simon Keller wird Nachfolger von Willy Hollenstein als Leiter der «Bühne Thurtal». Sein neues Amt tritt der 25-Jährige nach Abschluss seines Schau-spielstudiums an der European Film Actor School (EFAS) im Sommer 2019 an. Willy Hollen-stein sagt zurückblickend: «Wir haben viel mehr erreicht, als wir uns vorgestellt hatten.» Insgesamt sechs Inszenierungen habe er bei der «Bühne Thurtal» begleitet, darunter die auf die Gegend bezogenen Stücke «Ueli Bräker – der arme Mann im Tockenburg» und «Idda von Tockenburg». Das Konzept war bis anhin darauf ausgerichtet gewesen, Laiendarstellern aus der Ostschweiz eine Chance zu geben, ihr Hobby unter professioneller Regie auszuüben. Mehrere zehntausend Zuschauer haben die bisherigen Produktionen der «Bühne Thurtal» besucht.

Willy Hollenstein sagt, dass Simon Keller für ihn ein «Glücksfall» sei: «Er bringt alle Voraus-setzungen mit, um die Bühne Thurtal weiterzuentwickeln. Er hat mich im vergangenen Jahr derart überzeugt mit seiner Inszenierung ‹Krabat›, dass ich absolut keine Zweifel habe, ihm das Ganze anzuvertrauen.» Seinem jungen Nachfolger werde er keine Vorgaben machen, sagt Hollenstein. «Ich wünsche mir, dass er seine eigenen Ideen umsetzt. Wenn er der Mei-nung ist, dass ich ihn noch in gewissen Aufgaben unterstützen kann, dann bin ich gerne dazu bereit. Ganz sicher werde ich mit grossem Interesse verfolgen, wie sich die ‹Bühne Thurtal› weiterentwickelt.»

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Willy Hollenstein war fast zehn Jahre lang Präsident der "Bühne Thurtal".


Vermehrt mit Profis

Der personelle Wechsel in der Führungsebene der «Bühne Thurtal» bringt weitere Verände-rungen mit sich. Früher war die «Bühne Thurtal» in der Region Wil ansässig. Neu ist sie in Uzwil eingetragen. Die Geschäftsräume mit Büro, Sitzungszimmers sowie Probe- und Lager-raum, die diesen Sommer umgebaut werden, befinden sich in Herisau. Für Oktober 2019 ist ein Einweihungsfest des neuen Standorts geplant.

Während früher mehrheitlich Laiendarsteller aus der Region zum Einsatz kamen, beabsich-tigt Simon Keller, vor allem bei Kammerspielen und Märchen vermehrt auf Profis zu setzen. Damit möchte er ausgebildeten Schauspielern aus der ganzen Deutschschweiz regelmässige Engagements in ihrer Heimat ermöglichen. Bei Freilichtspielen bekommen traditionsgemäss nach wie vor Laiendarsteller die Chance, Bühnenluft zu schnuppern und ihre Leidenschaft fürs Theater in professioneller Umgebung auszuleben.

Drei Produktionen in einem Jahr

Für die organisatorischen Aufgaben, die mit der neuen Struktur der «Bühne Thurtal» anfal-len, hat Simon Keller ein junges Team zusammengestellt. Es besteht aus Fachpersonen für verschiedene Sparten wie Informatik, Gestaltung, Text, Koordination und Fotografie. Die meisten Mitglieder werden sich auf Projektbasis für die «Bühne Thurtal» engagieren. Im künstlerischen Bereich werden erfahrene Leute in Bereich Ausstattung, Maske, Kostüm, Mu-sik, Tanz und Gesang eingesetzt.

Das Programm der «Bühne Thurtal» für 2020, das derzeit vorbereitet wird, umfasst drei Produktionen an verschiedenen Orten in der Deutschschweiz. Es umfasst eine Komödie, ein Freilichtspiel und ein Märchen für Kinder. Unter anderem schreiben vier junge Schauspieler zusammen mit Simon Keller an einem Stück zum Thema «Mann sein und was ein Mann heu-te noch darf». Das detaillierte Jahresprogramm 2020 wird im Oktober vorgestellt.

Anerkennungspreis für Keller

Simon Keller erhielt am Montagabend im Rahmen der Uzwiler Bürgerversammlung eine Auszeichnung von seiner Wohngemeinde. Der sogenannte «Mittelpunkt» geht seit 2013 jähr-lich an Persönlichkeiten aus dem Dorf, welche sich durch besondere Leistungen in ihrem Fachbereich auszeichnen. Er dient dazu, diese Talente in der Öffentlichkeit noch bekannter zu machen.

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Das ist Simon Keller:

Simon Keller wusste schon früh, dass er am liebsten vor Publikum stehen möchte. Schon im Kindergartenalter führte er Theater- und Zirkusaufführungen in seinem Heimatdorf Hem-berg im Toggenburg durch. Später schnupperte er bei den verschiedenen Theatervereinen, bis er schliesslich während seiner Automatikerlehre begann, eigene Stücke zu schreiben und auf die Bühne zu bringen.

Mit «AK Was?!», «Endstation» sowie «Wo ist Walter?» tingelte der junge Mann mit Ensem-ble und Crew durch die Ostschweiz. Im vergangenen Sommer präsentierte Simon Keller sein selbst verfasstes Freilichtspiel «Krabat» in Krinau, dies in Zusammenarbeit mit «Ueli Bräker – der arme Mann im Tockenburg», einer Produktion der «Bühne Thurtal» unter der Leitung von Willy Hollenstein. Im Herbst 2018 tourte Simon Keller mit seinem derzeit aktuellsten Stück «Social Reality» durch verschiedene Orte in der Deutschschweiz. Ausserdem ist Simon Keller als Regisseur oder Autor für verschiedene Projekte tätig, leiht seine Stimme für Sprecherjobs und steht für Komödien, Tragödien und Märchen auf der Bühne und ab und zu auch vor der Kamera. Derzeit studiert der 25-Jährige an der European Film Actor School (E-FAS) in Zürich, die er noch 2019 abschliessen wird.

Simon Keller hat schon vor dem «Mittelpunkt 2019» mehrere Auszeichnungen erhalten. Zu seinen früheren Auszeichnungen gehören der Wanderpreis von Kultur Toggenburg von 2017 und der «Stein des Anstosses» des Rotary Clubs Neckertal von 2016. Im Jahr 2009 gewann er mit seinem Team den ersten Platz beim Jugendprojektwettbewerb St.Gallen und den zweiten Platz beim interregionalen Jugendprojektwettbewerb. (pd)

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Simon Keller ist zwar erst 25-jährig, hat aber schon mehrere Auszeichnungen erhalten.