Schon im Vorjahr war der Iddaburg-Pfarrer Walter Strassmann der Einladung nach Zuzwil gefolgt. Festrednerin im Jahr 2017 war FDP-Ständerätin Karin Keller Sutter. Für Rolf Tihanyi, Pfarreibeauftragter für Zuzwil-Züberwangen, ist es genau ein Jahr her, als er zum Stellenantritt am 1. August 2017 erstmals öffentlich auftrat.

Musikalisch startete der Festgottesdienst mit Blasmusik seitens der Ferienmusik Lenggenwil. Für viel Freude für die zahlreich Anwesenden sorgten die Vorträge des Jodlerklub Säntisgruess Gossau.

«Reden und Handeln im Namen Gottes»
Pfarrer Walter Strassmann nahm das Thema des Nationalfeiertages gleich in seinen Wortgottesdienst auf. So stellte er die Frage an den Anfang, ob wir immer im Namen Gottes redeten und handeln. Es gelte sich zu erinnern, dass die Schweizer Fahne ein Kreuz zum Inhalt habe und mit «Betet freie Schweizer betet» im Psalm seien auch wir gemeint. 

Dass der Glaube nicht allein eine persönliche Angelegenheit sein kann, dazu äusserte sich Pfarreibeauftragter Rolf Tihanyi in seiner Predigt. Glaube werde zwar begrüsst, aber eher für Menschen in einer Notlage gedacht. Ein heilsames Klima wachse erst im Umfeld, wo sich Christen für ihre Mitmenschen engagierten. Nach Tihanyi hat die christliche Gemeinschaft zusätzlich einen besonderen Auftrag, für Menschen in Amt und Würde zu beten. Schon mit der Inschrift auf der Kuppel des Bundehauses, übersetzt «Das Heil des Volkes ist oberstes Gesetz», sei darauf hingewiesen, dass Politik sehr wohl mit Religion zu tun habe.

Heutzutage ist vieles nicht mehr selbstverständlich
Nach Festredner Gerhard Pfister, Präsident der CVP Schweiz, gehören die Nationalhymne und Schweizer Fahnen selbstverständlich zum Nationalfeiertag, aber längst nicht mehr für alle. Vielen Leuten sei der Text der Hymne nicht mehr zeitgemäss und Fahnen brauche es am 1. August auch nicht mehr. Zumeist seien es die gleichen, welche auch die Armee abschaffen wollten. Allerdings dürfe man in unserer demokratischen Gesellschaft alles sagen was man denkt, auch mal ohne vorher zu denken. Hingegen dürfe man nicht alles tun was man denkt.

Pfister findet es total daneben, nicht mehr zur Tradition der Schweiz zu stehen. Im Glauben, in der globalisierten Welt keine Heimat mehr zu brauchen, kämen Zeichen des übermässig wirkenden Wohlstandes zum Vorschein. Er hoffe, dass wir auch in kommenden Jahren den Schweizer Psalm singen. Der 1. August gelte schliesslich auch der Erinnerung an 1291, der Gründung der Eidgenossenschaft. Auch wenn Rütli und Morgarten geschichtlich nicht eindeutig gesichert seien, Tatsache sei, dass wir gegen die Österreicher gewonnen haben, meinte Pfister humorvoll.

Die Schweiz ist auch ein Sonderfall
Die Schweiz zeige sich aus dem Grund als Sonderfall, weil kaum ein anderes Land so gut dasteht. In vielen Ländern der Welt herrschten Konflikte, nehme der Wille zu Kompromissen ab, Migrations- und Währungskrise drohten und auch der Terrorismus sei in Europa zurück. Die Schweiz habe es bisher noch immer geschafft, sich in Unabhängigkeit daraus zu halten. Das Erfolgsrezept heisse «Direkte Demokratie».

Der Blick von aussen bestätige dies vielfach. In der englischen Wirtschaftszeitung «Economist» sei die Schweiz als hoffnungsvolles Modell für die EU beschrieben worden. Besonders lobend seien die Schuldenbremse, der Föderalismus und die Eindämmung des Zentralstaates zu Gunsten von Kantonen und Gemeinden beschrieben worden. Die Eurozone wäre besser dran, wenn sie etwas helvetischer wäre. Die Freiheit und Unabhängigkeit der Schweiz gelte es zu behalten. Unabhängig schliesst nach Pfister Beziehungen mit dem Ausland nicht aus, sondern, dass wir selber wählen und entscheiden. Selbstbewusstes Handeln sei wieder mehr gefordert. Neben der Freiheit gehöre auch das solidarische Handeln dazu.

Dankbar sein
Nach Pfister gilt es auch dafür dankbar zu sein, dass wir in einer der besten, freiheitlichsten, sichersten und friedlichsten Gesellschaft leben dürfen. Neben dem Geleisteten hätten wir allerdings auch viel Glück gehabt. In anderen Ländern werde vielmals auf kriegerische Zeiten hingewiesen, wie zwei Weltkriege Verwüstungen angerichtet hätten.

Abschliessend kritisierte Gerhard Pfister die falsche Migrationspolitik der EU, vor allem Deutschland und Frankreich, so auch die falsche Währungspolitik des Euroraums. Es kämen Werte unter Druck, die einst Europa stark gemacht haben. Aktuell seien Europa und die Schweiz herausgefordert, weil wir durch Leute gefährdet werden, welche sich gegen unsere Werte und unsere Gesellschaft wenden. Sie profitierten von unserer Freiheit und Toleranz, um ihren Kampf gegen die westliche Kultur und alles was uns wichtig ist, voranzutreiben.

Die Sicherheit, Grundlage um Freiheit leben zu können, ist nach Pfister durch Fundamentalisten momentan gefährdet, in der EU wie in der Schweiz, welche im Namen der Religionsfreiheit eine Toleranz für Intoleranz einfordern. Auch wir in der Schweiz seien zu lange tolerant gewesen gegen jene, die Intoleranz wollen. Wer Schutz braucht, wird diesen weiterhin erhalten, nicht aber jene, welche unsere Werte nicht anerkennen wollten.

Musikalisch und mit abschliessendem Singen der Landeshymne konnte das Fest zum 1. August ausklingen. Für geselligen Austausch war mit ansprechender Festwirtschaft noch bis in die späteren Nachmittagsstunden gesorgt.

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Ein CVP-Bundesrat für die Ostschweiz

Mit dem CVP-Schweiz-Präsidenten war jene Persönlichkeit zugegen, welche bei der nächsten Bundesratsvakanz durchaus ein Wort mitreden wird. Auf die Frage, ob beim Rücktritt von Doris Leuthard auch die Ostschweiz wieder einmal profitieren könnte, wollte Pfister nicht grundsätzlich verneinen. Es gebe in der Ostschweiz durchaus fähige Frauen- wie Männer aus der CVP, welche als Bundesrat grosse politische Erfahrung einbringen könnten.

Die Frage stelle sich, wann es zum Rücktritt von Leuthard kommt. Offensichtlich finde sie noch immer Gefallen im Amt. Fähige Kandidaten und Kandidatinnen müssten allerdings auch Bereitschaft für das Amt anzeigen.