„Oh, wie ich das Café Berlinger vermisse!“ diese mit einem Beiklang von Nostalgie geprägte Klage hört man in Wil immer wieder mal. Die Wehmut zeigt anschaulich, dass Cafés weit mehr sind als lediglich Gaststätten, in denen man sich verpflegt: sie sind Lokale der zwischenmenschlichen Begegnung, des Genusses sowie des Zeitvertreibs. Sie haben ihre ganz eigene Atmosphäre. Für manche Stammgäste mögen sie so etwas wie ihr zweites Wohnzimmer sein. 

Ursprünge im Orient 
Die ersten Kaffeehäuser entstanden im ehemals ausgedehnten osmanischen Reich. Reisende Kaufleute hatten diese Einrichtungen schätzen gelernt und brachten die Idee nach Europa. Von Konstantinopel und von Venedig breiteten sich diese Lokale über den Kontinent aus. Sie begründeten einen Gastronomiezweig, der viele Anhängerinnen und Anhänger fand und noch immer findet.

Neben dem vielfältigen Kaffee-Angebot, sind kleine Tische, Süssigkeiten, eine kleine Speisekarte sowie aufliegende Zeitungen und Zeitungen typisch für ein Café. Sie sind für eine kleine Stärkung in einer Arbeitspause, aber auch für ein verliebtes Stelldichein bei einem `Coupes für zwei` der passende Ort.

Im Laufe der gesellschaftlichen und der gastronomischen Entwicklung haben sich unterschiedliche Formen von Cafés entwickelt. Manche wirken eher nostalgisch-plüschig, andere sind Meisterwerke an Innenarchitektur. Einige sprechen eher ein gesetzteres Publikum an, andere werden zum Treffpunkt der Jugendlichen.

Caféecken findet man heute in Tankstellen- und Bahnhofshops, aber auch in Bibliotheken, Buchhandlungen und Bäckereien. Und auch genormte Lokale von internationalen Gastronomiekonzernen prägen mittlerweile Cafélandschaft.

Meinungsbildung in Cafés 
Während sich in früheren Jahrhunderten die gebildeten und vermögenden Bevölkerungsschichten in ihren Salons zu Debatten und kulturellen Darbietungen trafen, hatte das Bürgertum weniger vergleichbare Treffpunkte. Mit der Ausbreitung der Cafés änderte sich dies, in ihnen waren eine Auswahl an Zeitungen jedermann zugänglich, dadurch entstanden Meinungsdebatten über Politik, Kultur und Gesellschaftsentwicklung. So auch in Wil, beispielsweise traf sich das Wiler Frauenform regelmässig im ehemaligen Café Berlinger. 

Cafés übernahmen und übernehmen eine wichtige gesellschaftliche Funktion, sie sind Orte der Information, der Diskussion, der Besprechungen im kleinen Rahmen sowie des Anknüpfen von Kontakten. In ihnen werden Freundschaften gepflegt. Gelegentlich sind sie auch ein Umschlagplatz für Tratsch, immerhin kennt man ja den Ausdruck `Kaffeeklatsch`. 

Sie waren und sind im Weiteren auch beliebte Treffpunkte und Verpflegungsstätten für berufstätige Frauen, etwa aus Büros oder dem Detailhandel, die in der Mittagspause einen kleinen Imbiss zu sich nehmen wollen.

Spuren des Zeitenwandels
Während ursprünglich Cafés eher einen Touch von französischer Lebensart hatten, machen sich mittlerweile auch italienische Einflüsse deutlich bemerkbar. Ihr inneres und äusseres Erscheinungsbild wandelt sich mit dem Zeitgeschmack, aber das Bedürfnis nach dieser Art von Gastronomielokalen scheint auch in Wil zeitlos.