Am 8. Juni sollen die Sporthallen und Aussenanlagen der Stadt Wil voraussichtlich wieder für Sportvereine zugänglich werden. Gemäss Weisung des Bundesrats dürften Sporttrainings zwar unter strengen Hygiene-Auflagen zwar schon seit dem 11. Mai wieder stattfinden. Nicht so in Wil. Die  Stadt hatte am 7. Mai mitgeteilt, dass die Anlagen für Sportvereine geschlossen bleiben – ausgenommen waren die Berufssportler wie die Läuferin Selina Büchel.

Eine Umfrage von hallowil.ch bei Vereinen verschiedener Sportarten zeigt, dass manche Wiler Clubs auch nach zwei Wochen noch mit dem Entscheid der Stadt hadern. Insbesondere das Unverständnis darüber, dass nicht zwischen Kontaktsportarten und nicht-Kontaktsportarten unterschieden wurde, ist geblieben. «Ich finde es schade, dass die Stadt geblockt hat», sagt Daniel Schläpfer, Präsident des Kletterclubs Wil. Klettern sei eine Einzelsportart und in sehr kleinen Grupppen möglich – jemand klettert, jemand sichert. Er könne nicht verstehen, warum die Kletterer aus Prinzip gleich wie zum Beispiel die Fussballer behandelt werden. Die Mitglieder des Kletterclubs Wil klettern normalerweise in der Turnhalle der Kantonsschule und auf der Outdoor-Boulder-Anlage beim Bergholz. Letztere vergleicht Schläpfer mit einem Spielplatz, die ja auch wieder offen seien. Ob sich alle Kletterer an das Boulder-Verbot halten, wisse er nicht. Manche würden es wohl einfach mal probieren, bis sie von einem Securitas-Mitarbeiter weggeschickt werden.

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Dass die Boulder-Anlage beim Bergholz gesperrt ist, versteht Kletterer-Präsident Daniel Schläpfer nicht. (Archivbild: Andrina Singenberger)


KTV-Präsident übt Kritik

Ähnliche Töne schlägt Roger Wild, Präsident des KTV Wil, an. Wild ist auch der Leiter der Leichtathletik-Abteilung des Vereins. «Das Einzige, was im Moment stattfinden kann, ist Grundlagen-Training zu Hause», sagt er. Technisch ginge hingegen gar nichts, niemand habe Hürden, eine Weitsprung-Grube oder eine Hochsprung-Anlage zu Hause. Er rechne mit acht bis zehn Wochen ab der Wiederöffnung der Lindenhof-Anlage, bis die Athleten wieder bereit für Wettkämpfe seien.

Wild stört, dass die Leichtathleten trotz wasserdichtem Schutzkonzept – inklusive gestaffeltem Training und der ausschliesslichen Benutzung von persönlichem Material – nicht trainieren durften. Hinzu komme, dass 80 Prozent der Leichtathleten Einzelsportler seien. Wild will seine Kritik aber nicht als Affront gegen die Stadt verstanden wissen. Er und der KTV Wil stünden voll hinter den Massnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus. Gleichwohl sei er der Meinung, dass für die über 16-jährigen Sportler im Fall seines Vereins «die Vorgaben des Bundes gut zu erfüllen gewesen wären.»

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Um die Lindenhof-Anlage stehen die Absperrgitter noch. (Archivbild: Simon Dudle)

Und was sagt die Stadt Wil zur Kritik der Kletterer und Leichtathleten? Auf Nachfrage verweist Phlipp Gemperle, Leiter Kommunikation nochmals auf die Medienmitteilung vom 7. Mai. Er schreibt aber auch: «Wir analysieren die Situation laufend und werden nach dem Bundesratsentscheid am Mittwoch sicher nochmals über die Thematik diskutieren.»

Stadtturnverein entspannt

Die verschiedenen Riegen des Stadtturnvereins Wil trainieren normalerweise in den meisten Hallen der Stadt; Sonnenhof, Klosterhof, Mattschulhaus, Lindenhof, Kantonsschule. Nachdem einem Aufschrei im Verein zu Beginn sähen er und viele Mitglieder die trainingsfreie Zeit inzwischen entspannter, sagt Ralph Wüthrich, Co-Präsident des Stadtturnverein Wil. «Wir haben bis im Herbst keine Wettkämpfe, von daher ist das Training nicht zwingend nötig», so Wüthrich.  Auch sie hätten gerne trainiert und ein Schutzkonzept bereit gehabt. Wüthrich sagt aber auch: «Ich verstehe, dass die Stadt vor dem Aufwand zurückgeschreckt ist, welchen Unterhalt und Reinigung der Anlagen mit sich gebracht hätte.»

Seit Anfang Mai trainieren unter den gebotenen Schutzvorkehrungen rund 20 Geräteturnerinnen des Stadtturnvereins Wil, von denen manche dem nationalen Turnkader angehören, im Regionalen Leistungszentrum Ostschweiz (RLZO) neben der Lindenhof-Anlage. Insgesamt hat der Stadtturnverein Wil 520 Aktivmitglieder, wovon gemäss Wüthrich rund 150 der Risikogruppe der über 65-Jährigen angehören.

Regionale NLA-Vereine trainieren – ausser die Baseballer

Eine IC-Station weiter läuft zumindest der Spitzensport wieder: Der Bandmintonclub (BC) Uzwil trainiert wieder in der Halle – zumindest die rund 20 Elite- und Junioren-Nationalspieler. «Wir sind der Gemeinde Uzwil dankbar, dass sie es ermöglicht, dass die Spieler wieder mit Rackets und Shuttles trainieren können», sagt Präsident Jürg Schadegg. Ungewissheit herrsche hingegen noch in der Frage, ob die jeweils extra für die Spieltage von ihren nationalen Stützpunkten anreisenden Ausländer zum Beginn der Meisterschaft im Herbst wieder dabei sein können. Und was der BC Uzwil unternimmt, falls nicht. Das NLA-Team des BC Uzwil stand auf dem Weg zur Verteidigung des Schweizer-Meister-Titels bereits wieder im Playoff-Halbfinal, als die Saison abgebrochen wurde.

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Die Elitespieler des Badmintonclubs Uzwil trainiert wieder. Hier im Bild: Julien Scheiwiller. (Archivbild:  pd)

Auch die Spitzen-Faustballer der Region sind wieder dran. Beim Ägelseeschulhaus in Wilen trainiert das NLA-Kader der Faustball-Gemeinschaft Rickenbach-Wilen (RiWi ) seit dem 12. Mai wieder auf der Wiese. Mit drei Gruppen pro Abend auf zwei Faustballfeldern à 20 mal 50 Meter können die zehn Quadratmeter Feld pro Person genauso eingehalten werden wie die zwei Meter Abstand, sagt Trainer Simon Forrer. Zudem müssten die Spieler bei der Ankunft immer an einer Desinfektionsstation vorbei. «Dadurch, dass wir keine Kontaktsportart sind und nur Bälle, eine Leine und zwei Stangen benötigen, ist schon wieder relativ viel möglich», so Forrer.

Noch nicht zurück auf den heimischen Rasen, ebenfalls die Aussenanlage des Lindenhof, können hingegen die Baseballer der Wil Devils. Auch ihr Gesuch für die Durchführung von Trainings samt Schutzkonzept des Baseball-Verbands wurde von der Stadt abgelehnt. Von den Teams der obersten Schweizer Liga seien sie die Einzigen, die nicht auf ihrer Anlage trainieren dürfen, sagt Präsident Sandro Nussberger. Die Devils weichen deshalb derzeit nach Wittenbach aus, wo sie auf der Anlage der befreundeten Vikings in 5er-Gruppen trainieren dürfen. Werfen und Fangen gehe gut und auch ein paar spielerische Dinge könnten sie schon üben, so Nussberger. Schon am 15. Juni soll die Meisterschaft wieder losgehen. Dank der Trainings in Wittenbach werde der anfangs befürchtete Trainingsrückstand auf die anderen Teams nicht so gross sein, sagt Nussberger.

Auch die Armbrüste ruhen noch

Grosszügige Platzverhälntisse für wenig Sportler: Die Armbrustschützen Wil hätten eigentlich ideale  Voraussetzungen, um den Betrieb wieder aufzunehmen. Dennoch verzichten die Schützen vorerst noch auf Trainings. Der Schiesstand in der Thurau ist sehr gross, «es wäre kein Problem, die Distanzen einzuhalten», sagt Präsident Stefan Haag. Auch habe das Armbrustschiessen den Vorteil, dass lärmfrei sei und zu jeder Tageszeit praktiziert werden könne. Die Trainings der etwas mehr als zehn aktiven Schützen zu staffeln wäre also gut gegangen. Trotzdem hätten sie den Aufwand – unter anderem hätten die Scheibenbleie individualisiert werden müssen – als zu gross empfunden. Ausserdem mache Training im Armbrustschiessen wenig Sinn, wenn die Trainer keine Hilfestellungen geben dürften, sagt Haag.