Kürzlich hat die CVP Schweiz eine Urabstimmung unter allen Mitgliedern durchgeführt. In dieser ging es um eine Namensänderung von CVP zu «Die Mitte». Und genau diese Namensänderung bekam viel Zuspruch. Denn über 60 Prozent der Parteimitglieder stimmten für den neuen Namen. Das letzte Wort zum Namenswechsel haben aber die Delegierten. Sie werden an der Delegiertenversammlung – die nächste Woche, genauer gesagt am 28. November stattfinden soll – darüber entscheiden.

Allerdings können die Kantonalparteien beim alten Namen bleiben – sofern dies gewünscht ist. Die Kantonalparteien haben dann bis 2025 Zeit, sich zu entscheiden, ob sie den Parteinamen «Die Mitte» ebenfalls annehmen wollen. Wie sieht das in der Region Wil aus? hallowil.ch hat bei drei in der Region bekannten CVP-Politikern nachgefragt, wie sie zu einem Namenswechsel stehen.

Für den St. Galler Kantonsratspräsidenten Bruno Cozzio aus Henau macht die Namensentwicklung Sinn: «Dies würde ich auch im Kanton St. Gallen so machen.» Und weiter: «Wenn ich alleine entscheiden könnte, würde ich den Namen ,Die Mitte-CVP St. Gallen’.» Die Partei werde ihre Werte und die Werte der Schweiz auch weiterhin ins Zentrum, eben in die Mitte, stellen. Damit hält der höchste St. Galler fest, dass sich am Gedankengut seiner Partei durch den Namenswechsel nichts ändert – Begriffe wie Freiheit, Solidarität und Verantwortung stehen weiterhin im Zentrum. «Unser Wertekompass für und mit den Menschen bleibt gleich – mit oder ohne neuen Namen.» Die CVP oder die Mitte oder die Mitte-CVP St. Gallen wolle für alle Frauen, Männer und Kinder im Kanton St. Gallen Lösungen für ein gutes Miteinander. «Da erscheint mir die Namensnennung dann zweitrangig», meint Cozzio, «solange wir zusammen mit und für uns alle gute Lösungen erreichen wollen sowie können.»

Ein grosser Befürworter der Namensänderung

Hans Mäder, amtierender Gemeindepräsident Eschlikons und Wiler Stadtpräsidiumskandidat, sagt offen, dass er für den Namenswechsel gestimmt hat. Damit entpuppt er sich als grosser Befürworter der Namensänderung. «Die CVP als Verfechterin einer sozialen Marktwirtschaft ist eine Volkspartei», sagt Mäder, «ob mit oder ohne ,C’.» Christliche Politik stehe zwischen den Polen der totalen Eigenverantwortung (Liberalismus) und der totalen Delegation der Verantwortung an den Staat (Sozialismus). Und an dieser Stelle liege der grösste Teil des neuen Namens: «Die ,Mitte’ definiert sich nicht mehr als Abgrenzung zwischen Links und Rechts.» Die Namensänderung gebe der CVP eine eigenständige Position, die als solche nicht mehr begründet werden müsse. Mäder ist sich sicher, dass «Die Mitte» auch als Name mit der Zeit geläufig wird. «’Die junge Mitte’ als Nachfolgerin der jungen CVP klingt für mich schon ganz dynamnisch», so Mäder.

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Hans Mäder, amtierender Gemeindepräsident Eschlikons und Wiler Stadtpräsidiumskandidat, findet den Namenswechsel in seiner Partei gut. (Archivbild Mykhailo Zinchenko)


«Bin nicht für diesen nichtssagenden Namen»

Franklin Munishi, Präsident der CVP Wil, hat grosses Verständnis für die Neuausrichtung. Aber: «Meine persönliche Meinung ist, das ‘C’ beizubehalten.» Er ist davon überzeugt, dass man mit Farben, Logo und Namen keine Neumitglieder oder Wahlen gewinne. «Sondern mit einem klaren Programm und kompteten Persönlichkeiten», meint Munishi. Die Streichung des «C» sei vielleicht gutes Marketing – entscheidender Inhalt, erkennbares Profil und klare Ziele seien dadurch aber nicht gegeben. «Daher wäre ich für eine Profilschärfung und nicht für eine Umbenennung und schon gar nicht für diesen nichtssagenden Namen.» Die christliche Wertehaltung, für die das C stehe, sei zeitlos und habe die Schweiz geprägt. «So weiss man bei der CVP, für welche Werte sie politisch steht, dass sie verbindet und eine Politik Miteinander und Füreinander macht», erklärt Munishi weiter. Gerade auch in der aktuellen schwierigen Zeit ist das C eine Chance für die Gesellschaft. Er vertritt aber auch die Meinung, dass solche Diskussionen sowie strategischen Überlegungen geführt werden müssten. «Wir haben einen transparenter und demokratischen Prozess eingeleitet», so Munishi. Die Mehrheit entscheide nun einmal über den Namen. Und wieder betont er: «Mit oder ohne ,C’ ist schlussendlich nicht massgeben, viel wichtiger sind der Inhalt und die Menschen.»

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Für Franklin Munishi, Präsident der CVP Wil, denkt, dass es mehr als nur ein neues Logo und einen Namenswechsel braucht. (Archivbild Mykhailo Zinchenko)