Die Gewerkschaft Syna Schweiz entstand 1998 aus dem Zusammenschluss des Christlichen Holz- und Bauarbeiterverbandes (CHB), der Christlichen Gewerkschaft für Industrie, Handel und Gewerbe (CMV), dem Landesverband freier Schweizer Arbeitnehmer (LFSA) und der Schweizerischen Grafischen Gewerkschaft (SGG) sowie des Verbandes des christlichen Staats- und Gemeindepersonals (VCHP). Syna vertritt landesweit rund 60'000 Arbeitnehmende und unterstützt ihre Mitglieder individuell mit zahlreichen Dienstleistungen. Sie setzt sich für eine lebenswerte Arbeitswelt mit guten Zukunftsaussichten ein und fördert die Weiterbildung ihrer Mitglieder. „Wir waren die erste Gewerkschaft der Schweiz, die Arbeitnehmende aus zahlreichen Branchen in den Sektoren Dienstleistung, Gewerbe und Industrie betreute. Eine wichtige Zielsetzung ist, Arbeit und Freizeit der Arbeitnehmenden ins Gleichgewicht zu bringen“, sagte Vincenzo Urso, Regionalsekretär gegenüber hallowil.ch. Er kennt die Sektion Region Wil bestens, weil er sie nach der Fusion interimistisch für ein Zwischenjahr geführt hat. Aktuell gehören ihr über 400 Mitglieder an.


Premiere für die neue Präsidentin

An der Hauptversammlung im Restaurant Rössli in Henau bestand die 32-jährige Nina Portmann ihre Feuertaufe als neue Präsidentin problemlos. Dabei blickte sie auf ihr erstes Amtsjahr zurück. Beeindruckt zeigte sie sich vom Syna-Kongress in Lausanne: „Es wurde mir bewusst, was wir als Gewerkschaft erreichen können oder bereits erreicht haben. Besonders die Regelung der Höchstarbeitszeiten und Mindestvorschriften für Pausen bleiben für die Syna weiterhin ein Thema.“ Dabei sei die Arbeitszeiterfassung ein Baustein, der Gratisarbeit verhindere.

Nina Portmann stellte fest, dass in den Sektionen junge Leute fehlen, die aktiv mitwirken oder sich im Vorstand engagieren. Sie forderte die Mitglieder auf, in der Gesellschaft mehr Präsenz zu zeigen und sich für gewerkschaftliche Anliegen einzusetzen. Dabei könnte man bei wirtschaftlichen, sozialen oder beruflichen Fragen auch auf die fachliche Unterstützung durch die Gewerkschaftssekretäre zählen. Im Gespräch mit hallowil.ch erläuterte Nina Portmann, dass sie vor etwa zehn Jahren aus Überzeugung in die Syna eingetreten sei und sich vor einem Jahr als Präsidentin zur Verfügung gestellt habe.


Ein aussergewöhnliches Jubiläum

Einen hohen Stellenwert hat jeweils die Ehrung langjähriger Mitglieder. Zehn der Jubilare nahmen an der Versammlung in Henau teil. Seit 25 Jahren halten Anton Hässig, Bruno Inauen und Markus Niedermann der Syna die Treue. Jakov Kovacevic kann auf eine 30-jährige Mitgliedschaft zurückblicken. Seit vier Jahrzehnten sind Cristof Störchli, Hans Scheiwiller und Roman Broder mit der Gewerkschaft verbunden. Sogar schon 60 Jahre sind Hans Schwizer und Rudolf Fitze treue Mitglieder. Ein aussergewöhnliches Jubiläum als Gewerkschafter durfte der 93-jährige Johann Truniger feiern. Vor 70 Jahren trat der gelernte Möbelschreiner aus Rickenbach dem damaligen CHB (Christlicher Holz- und Bauarbeiterverband) bei. Der geistig noch rüstige Senior lebt heute im Altersheim Tobel. Die Jubilare erhielten von der Sektion Region Wil und von der Sektion Ostschweiz in St.Gallen ein Präsent.


Erfolgreiche Verhandlungen

Informationen über die Arbeitswelt und die erreichten Ziele der Syna vermittelten die beiden Regionalsekretäre Vincenzo Urso und Ivan Tosti vom Sekretariat St.Gallen. Es seien in zähen Verhandlungen gute Abschlüsse zu Gesamtarbeitsverträgen erzielt worden. „Die meiste Energie brauchten die Verhandlungen zum Landesmantelvertrag (LMV) im Baugewerbe. Nach zwei Jahren und 19 Treffen konnte ein für beide Seiten endlich ein tragbarer Abschluss erreicht werden“, berichtete Enzo Urso. Er gelte für vier Jahre, die Frühpensionierung bleibe erhalten und eine Lohnerhöhung von 160 Franken sei zugestanden worden. Eine strukturelle Lohnerhöhung von 50 Franken bewilligte nach fünf Jahren auch das Autogewerbe.

Am 14. Juni finde in der Schweiz der nationale Frauenstreik statt. Auch die Syna wolle sich für die Gleichstellung einsetzen. Regionalsekretär Ivan Tosti, für den Fachbereich Industrie zuständig, wies darauf hin, dass die Syna massgeblich am Gesamtarbeitsvertrag der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM) beigetragen habe. Weil die Jahresversammlung immer auch ein gesellschaftlicher Anlass ist, organisierte der Vorstand auch diesmal zwei Runden Lotto.