In den Vorjahren hatte die CVP Uzwil jeweils in eines der sieben Uzwiler Dörfer eingeladen und den Teilnehmern die Besonderheiten der Orte aufgezeigt. Am diesjährigen Sommeranlass wurden die Bauten von Max Gianini in den Mittelpunkt gerückt. Sie gehören zwar nicht zu den denkmalgeschützten Objekten, sind aber Zeugen aus der Nachkriegszeit und der beginnenden Hochkonjunktur. Armin Benz als Organisator des Anlasses zeigte sich erfreut über die Teilnahme von rund drei Dutzend baugeschichtlich interessierten Uzwilern. Der Start zum Rundgang erfolgte an der Lindenstrasse. Hier stand man vor zwei markanten Bauten, die zwar nicht von Gianini stammen, aber prägend sind. Das Polybau-Gebäude, 1949 als Dachdeckerschule gebaut, und das neue Gemeindehaus, das noch im Lauf dieses Jahres bezogen werden kann.

Arbeiterhäuser ohne Garage
Armin Benz schlug den Bogen zurück in die Vergangenheit. So erwähnte er bei der Dachdeckerhalle, dass hier seinerzeit auch Bürgerversammlungen und Vereinsanlässe stattgefunden hätten. Bei den zwölf durch die Firma Bühler vor gut hundert Jahren errichteten Häusern im Neuheim wie auch bei den Einfamilienhäusern an der Dammhalde sind die Strassen eng bemessen und es fehlen Garagen und Parkplätze, weil man zur Bauzeit davon ausging, dass sich deren Bewohner sowieso kein Auto leisten könnten.

Prägender Bauunternehmer
In seinem Buch «Menschen wie du und ich» schreibt Armin Benz über Max Gianini: «Kaum ein Mann hat das Dorfbild Uzwils so geprägt, wie der Bauunternehmer Max Gianini in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Vor allem an der Dammhalde, im Waldhof und an der Bahnhofstrasse hat er zahlreiche Einzelbauten und Überbauungen realisiert.» Zugute kam ihm dabei der wirtschaftliche Aufschwung der Nachkriegszeit.

In Uzwil aufgewachsen
Antonio Gianini, der Vater von Max, war um die Jahrhundertwende von Morcote im Tessin nach Uzwil zugezogen. Max Gianini wurde 1907 geboren und wuchs an der Birkenstrasse in Uzwil auf, wo sein Vater 1908 ein Gipsergeschäft eröffnete.

Die Schulen besuchte Max in Uzwil. Sein Sekundarlehrer hätte ihn gern in die Kantonsschule geschickt, aber der Vater brauchte ihn im Geschäft. Er absolvierte die Maurerlehre beim Vater, studierte anschliessend am Technikum in Winterthur und schloss mit dem Architektur-Diplom ab. 1930 trat er ins väterliche Geschäft ein, 1939 übernahm er es und führte es unter dem Namen Max Gianini, Hoch- und Tiefbauten, Uzwil.

Geschickter Geschäftsmann
Max Gianini war nicht nur im Bau vom Fach, sondern erwies sich auch als geschickter Geschäftsmann. Im Erwerb von Grundstücken bewies er eine glückliche Hand. So konnte er zahlreiche Bauprojekte entwickeln und bewilligen lassen. Durch deren Realisierung wurde sein Baugeschäft zum grössten in der Region.

Zum Erfolg beigetragen hat auch sein Bruder Walter. Dieser lebte in Mailand. Als tüchtiger Kaufmann in Mailand hat er gut verdient und Max immer wieder Aufträge in Uzwil und Umgebung erteilt.

Bauten auf eigene Initiative
Max Gianini war risikofreudig. Auf dem Rundgang wies Armin Benz auf zahlreiche Bauten hin, welche Gianini auf eigenes Risiko verwirklichte. Im Dammhalde-Quartier sind es Doppel-Einfamilienhäuser an der Fichten-, der Föhren- und der Lärchenstrasse. Von ihm gebaute Mehrfamilienhäuser stehen an der Waldhofstrasse, an der oberen Waldhofstrasse, im Steinacker, an der Säntisstrasse und auf dem Sonnenbüel.

Durch verschiedene Bauten gab Gianini auch der Uzwiler Bahnhofstrasse ein besonderes Gepräge. Am Dammweg 2 entstand 1966 das höchste Gebäude, ein Hochhaus mit zehn Stockwerken.

Viele Auftragsbauten
Die Firma führte ausserdem bei zahlreichen grossen Bauten die Baumeisterarbeiten aus. Zum Teil lagen sie an der Route des Rundganges, zum grösseren Teil nicht. Erwähnt wurden beispielsweise der Bahnhof Uzwil mit der Güterexpedition, der Anbau des Hotels Uzwil, die Kantonalbank, die ehemalige Credit Suisse, die ehemalige Post, der Blaue Engel, das Harzenmoser-Hochhaus mit Werkhalle, die Sekundarschule, das evangelische Kirchgemeindehaus, das Postgebäude an der Marktstrasse, die ehemalige Bank in Niederuzwil, das Altersheim Sonnmatt und diverse Fabrikhallen der Firma Bühler.

Aus der «guten alten Zeit»
Armin Benz als Führer des Dorfrundgangs ist historisch versiert und wartete mit interessanten Einzelheiten auf. Dadurch wurden in manchen Teilnehmern Erinnerung wach und sie ergänzten die Ausführungen mit Anekdoten.

Einen diesbezüglich besonders reichen Schatz besitzt Toni Frei. Er hat überdies die Gabe, die Geschichten spannend zu erzählen. An der Bahnhofstrasse beim Unia-Gebäude stand ursprünglich das Restaurant Schweizerhof. Eindrücklich schilderte er dessen Bedeutung als gesellschaftlicher Treffpunkt. Wo heute das Hochhaus am Dammweg 2 steht, war er bei einem Bubenstreich dabei. Ein Schienenfahrzeug der Schreinerei Frei sei ausser Kontrolle geraten. Später hat ihn der nächtliche Vollbrand dieser Schreinerei aus dem Schlaf gerissen.

Von Sägesser, der unter anderem auch das Auto von Max Gianini entwendet hat, gibt es offensichtlich viele Geschichten. Man bewundert ihn und seine Taten, obwohl er seine Intelligenz oft für Unerlaubtes eingesetzt hat. Aber er hat halt nicht einfach Autos geklaut, sondern wenn schon, dann neue und kostbare. Und weil er flink war, hatte der Dorfpolizist bei der Verfolgungsjagd das Nachsehen. Ausserdem besass er ein Generalabonnement und setzte sich, wo es möglich war, mit einem Zug ab.