Mit einem riesigen Applaus empfängt Jutta Röösli, Wiler Stadträtin, die Teilnehmer des ersten «Giro Suisse» auf dem Wiler Lindenhof-Schulareal. Die Rollstuhl-Sportler sind am Donnerstag in der dritten Etappe des «Giro Suisse» von Schaffhausen bis nach Wil mit dem Handbike gefahren. «Ich bewundere Sie für Ihre sportliche Leistung», sagt Röösli beim Empfang. Sie wisse von was sie rede, denn sie sei selbst eine leidenschaftliche Sportlerin, die viel mit dem Bike unterwegs sei. «Ich stelle mir eine Tour mit dem Handbike um einiges anstrengender vor», erklärt Röösli, «gerade weil man hier eine ganz andere Muskelkraft als auf einem normalen Velo hat.» Sie freue sich, dass «Giro Suisse» einen Halt in Wil mache. «Sport ist für uns Wiler sehr wichtig», so die Departementsvorsteherin für Bildung und Sport. Denn Die Stadt arbeite eng mit den regionalen Vereinen zusammen, zu denen auch der Rollstuhlclub St. Gallen gehöre. Wil bezeichne sich nicht ohne Grund als Sportstadt. «Denn wir versuchen alle Sportarten zu fördern», betont Röösli. 

In Zusammenarbeit mit verschiedenen Rollstuhlclubs organisiert Rollstuhl Schweiz mit «Giro Suisse» eine Tour mit dem Handbike quer durch die Schweiz. Grund für diese Tour ist das 40-Jahr-Jubiläum der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV). Die Tour wurde in 13 verschiedenen Etappen zusammengestellt – in diesen dürfen die teilnehmenden Rollstuhlsportler 700 Kilometer und 6500 Höhenmeter zurücklegen. Dabei spielt es keine Rolle ob die Teilnehmer mit Elektrounterstützung die Strecke zurücklegen. Von den 13 Etappen können die Teilnehmer eine, mehrere oder alle zurücklegen. «Es spiel keine Rolle wie viele Kilometer man schafft», sagt Christian Betl vom Rollstuhlclub St. Gallen, «im Fokus steht die Freude an Bewegung.» Denn Rollstuhlsport sei für Querschnittsgelähmte von grosser Bedeutung. Regelmässiger Sport stärke nicht nur die Muskulatur, sondern auch den Kreislauf. Dies sei wiederum nicht nur für die körperliche Robustheit, sondern auch für die Psyche gesund. «Es geht aber auch um Gemeinschaft und Solidarität», so Betl. Ausserdem könne man sich bei einer solchen Tour austauschen und damit die Lebensqualität verbessern. «Rollstuhlsport Schweiz hat die Vision, dass sich jeder Rollstuhlfahrer in irgendeiner Form regelmässig und lebenslang sportlich bewegt. Der 'Giro Suisse' verleiht dieser Vision ein Gesicht», wird Thomas Hurni, OK-Chef des «Giro Suisse» über das Ziel des Anlasses, zitiert. 

 
(Video: Magdalena Ceak)

Drei Rollstuhlsportler machen die ganze Tour

Insgesamt nehmen 71 Rollstuhlsportler am «Giro Suisse» teil. Die dritte Etappe von Schaffhausen nach Wil haben sechs Sportler bewältigt. «Viele legen mehrere Etappen zurück», weiss Betl. Drei Sportler wagen sich sogar an die ganze Tour. Unter ihnen ist Pia Schmid, Tetraplegikerin und ehemalige Paralympics-Medaillengewinnerin. Warum sie die ganze Strecke schaffen möchte? «Ich sehe Orte, an die ich alleine erkunden könnte», sagt die 50-Jährige im hallowil.ch-Video-Interview. 

Gestartet ist die Tour in Kriens – dort wo die SPV im Jahr 1980 gegründet wurde. «In dieser Gemeinde hat eine Gruppe von Para- und Tetraplegikern schon im Jahr 1966 den ersten Rollstuhlclub gegründet, um sich gegenseitig zu helfen und den Austausch zu fördern», berichtet die SPV in einem Pressecommuniqué. Enden soll der «Giro Suisse», in Nottwil, wo die Vereinigung seit dem Jahr 1991 ihren Sitz hat.