Bei Ausgaben von 172 Millionen Franken budgetiert die Stadt Wil für das Jahr 2022 «einen Aufwandsüberschuss», also ein Defizit von 8,5 Millionen Franken. Der Stadtrat möchte den Steuerfuss dennoch bei 118 Prozent belassen. Dies erklärten Vertreter der Stadt anlässlich einer Medienorientierung vom Donnerstagnachmittag.

Im Vergleich zum Vorjahresbudget rechnet die Stadt mit leicht höheren Steuereinnahmen, derzeit sähe es so aus, als hätten die staatlichen Corona-Hilfsprogramme negative Auswirkungen abgefangen oder mindestens abgeschwächt. «Die Konjunktur-Schwächung kann aber noch ankommen, wenn die Massnahmen wie etwa die Kurzarbeit wegfallen», gibt sich Stadtpräsident Hans Mäder an der Medienorientierung vorsichtig. Im Moment sei aber zu beobachten, dass Unternehmen die vor der Pandemie «gut Steuern» gezahlt hätten, dies auch weiterhin tun.

Die budgetierten Nettoinvestitionen betragen im kommenden Jahr 32 Millionen Franken. Darin eingerechnet seien etwa Investitionen am und um den Bahnhof Wil. Bei einem Realisierungsgrad von 70 Prozent würden Nettoinvestitionen von 22 Millionen Franken resultieren. Ende 2022 verbleibe ein Eigenkapital von voraussichtlich 70 Millionen Franken.

Kaum beeinflussbare Ausgaben belasten Haushalt

Der Gesamtaufwand erhöhe sich gegenüber dem Vorjahresbudget um 4,6 Millionen Franken. Während der Sachaufwand weniger würde, würden besonders die Transferaufwände weiter ansteigen. Die zusätzlichen Ausgaben seien mehrheitlich auf Lastenverschiebungen von Seiten des Kantons und auf Kantonsratsbeschlüsse zurückzuführen. Hans Mäder versichert, man werde sich gegen weitere Sparpakete des Kantons mit «Händen und Füssen» wehren. Dabei setze man vornehmlich auf Gespräche und das Bewusstmachen, dass in den einzelnen Städten, aber auch Landgemeinden des Kantons verschiedene Bedürfnisse gäbe und sich kantonale Sparpakete nicht überall gleich auswirkten. Weiter käme ein coronabedingter Unterstützungsbeitrag an die Wiler Sportanlagen AG (WISPAG) zum Tragen sowie die kürzlich durch das Stadtparlament beschlossenen Leistungsausbauten bei den Kindertagesstätten.

Steuerfusserhöhung ab 2023 möglich

Im Finanzplan sei mit Defiziten und einer ansteigenden Verschuldung zu rechnen. Der Steuerfuss solle mittelfristig auf 123 Prozent erhöht werden. Ohne zusätzliche Erträge könnten die Ausgaben nur durch Abbau bestehender Leistungen oder durch eine anhaltend hohe Neuverschuldung aufgefangen werden. Beide Optionen sind in den Augen des Stadtrats weder «gangbar noch nachhaltig». Die Steuerfusserhöhung ab 2023 sei angesichts der anstehenden Investitionen und der Defizite in der Erfolgsrechnung moderat und notwendig. Noch ist diese aber nicht definitiv beschlossen.

TBW: Erneuerung und Effizienz

Das Budget der Technischen Betriebe Wil (TBW) weist bei einem Aufwand von 77,5 Millionen Franken einen Ertragsüberschuss von 1,8 Millionen Franken aus, und zwar nach vorgängigem Abzug des Abgeltungsbetrags an die Stadt Wil. Dies erläuterte Goar Schweizer, kaufmännischer Leiter, anlässlich der Medienorientierung. Damit liege das prognostizierte Ergebnis 0,6 Millionen Franken unter dem Vorjahresbudget. Man habe im letzten Jahr allerdings auch «sehr, sehr positiv budgetiert» und anschliessend «nicht ganz so gut abgeschlossen». Dies sei den TBW angelastet worden, so habe man es dieses Jahr besser machen wollen. Die momentane wirtschaftliche Entwicklung habe ausserdem insgesamt nur einen unwesentlichen Einfluss auf die Ertragszahlen.

Bei den Absatzprognosen und den Umsatzzahlen für das Jahr 2022 gehen die TBW von mehrheitlich konstanten Werten aus. Die Marktpreise für Strom und Gas seien in den vergangenen Monaten massiv angestiegen; die Auswirkungen auf die Energiepreise 2022 der TBW würden sich aber dennoch in Grenzen halten. Für das Jahr 2022 seien über 2,5 Millionen Franken für den Ersatz von fossiler Energie, für Effizienzmassnahmen sowie für diverse ökologische Fördermassnahmen vorgesehen. Für die Erneuerung der Netze und Anlagen seien insgesamt 11,5 Millionen Franken vorgesehen. 5,3 Millionen Franken wurden für die Abgeltung an die Stadt budgetiert.

Für die Zukunft gerüstet

Man wolle auch für die Zukunft gerüstet sein, für die bevorstehenden Marktöffnungen in den Bereichen Strom und Gas beispielsweise. Auch im volatilen, schnelllebigen Telekommunikationsmarkt nähmen die Herausforderungen markant zu. Vor diesem Hintergrund diene die stabile Finanzstruktur als Basis für eine kontinuierliche, zukunftsgerichtete Weiterentwicklung der TBW.

Anwesend an der Medienorientierung waren neben Stadpräsident Hans Mäder auch Stephan Schüle (Leiter Finanzverwaltung), Goar Schweizer (kaufmännischer Leiter TBW) sowie Andreas Breitenmoser (Stadtrat und Vorsteher Dept. Versorgung und Energie).

Die Unterlagen stehen für die Öffentlichkeit zum Download bereit: