Schwaden von Abgasen waberten noch über die Bühne, als schon wieder getanzt wurde. Gerade hatte der abtretende Hofnarr Bruno Jäger seinen Rückblick auf sein Jahr als oberster Wiler Fastnächtler gehalten. Auf- und abgetreten waren er und seine Tochter auf einer Harley Davidson – laut, schrill, schillernd, stinkend. Jägers Auftritt war irgendwie auch ein Sinnbild für die Fastnacht, die in der Freitagnacht am 31. Hofnarrenball im Stadtsaal ihren glamourösen Höhepunkt erreichte. Bezopfte Aristokraten und glitzernde Bonbons, Graf Dracula und die dunkle Fee Maleficent lauschten den letzten Worten des LARAG-Chefs und Wiler Tüüfels im Narrenkleid und auch das Urchige mischte sich in den Glitzer des Hofnarrenballs. Einer war als Schwinger verkleidet. Bei genauem Hinsehen stellte sich aber heraus: Das Edelweisshemd war gar keine Verkleidung, sondern Arbeitskleidung. Der mächtige Schwinger war nämlich wirklich einer: Unspunnen-Sieger Daniel Bösch.

Bösch kam dann nicht vor in Jägers Rückblick. Dafür flimmerten Karin Keller-Sutters Versuche als Lastwagen-Chauffeurin über die Leinwand, Barbara Gysi musste als Spielverderberin für eine Weier-Bar herhalten und auch die Stadträte Daniel Stutz und Jutta Röösli wurden nicht verschont. Noch einmal nutzte Jäger die ganze Macht des Hofnarrs und stellte kurzerhand Kandidaten fürs Rathaus auf: Garagist Hanspeter von Rotz vielleicht? Schauspielerin Monica Quinter? Oder doch Oli Baumgartner, der abtretende Präsident der Fastnachtsgesellschaft Wil (FGW) und Neu-Verwaltungsrat beim FC Wil?


Ein alter Hofnarr errät den neuen

Bevor die Wiler Fastnacht tatsächlich in die Politik eingreifen kann, braucht sie aber selber wieder ein Oberhaupt. Wen der Neunerrat der FGW zum neuen Hofnarr küren wird, war während des Gala-Dinners natürlich Gegenstand von Spekulationen und Gerüchten. «Stefan Frick oder Mike Holenstein wird es», legte sich Walter Dönni, seines Zeichens Hofnarr 2018 und Präsident von Wil-Tourismus schon bei der Vorspeise – Marroni-Suppe mit Wintergemüse – fest. Kurz vor der Verkündigung war sich Dönni dann sicher: «Nur einer trägt ein schwarzes T-Shirt unter dem Kostüm – ein sicheres Zeichen.» Erich und Elisabeth Grob hielten die Laudatio, in italienisch gefärbtem Deutsch als Pastor und kommunistischer Partisan. Eingeweihte und Mitglieder der Wiler High Society verstanden natürlich die Hinweise und durchschauten die falschen Fährten, für sie war klar, von wem hier die Rede war, schon bevor sein Gesicht auf der Leinwand erschien: Mike Holenstein. Dönni hatte Recht behalten.


Hofnarren-Pflichten: Besuche, Fürbitte, Umzug

Man war sich einig im Stadtsaal: Der ehemalige Präsident des KTV Wil Handball und «Tätschmeister» vieler Wiler Feste – darunter 22 Ausgaben der «Hofchilbi» – wird den Bakel, das Zepter des Hofnarrs, mit Würde tragen. Besonders in den Fastnachts-Tagen hat der Hofnarr ein straffes Programm zu bewältigen. «Am Samstag ins Altersheim auf Besuch, dann ans Monsterkonzert, am Sonntag im Fastnachtsgottesdienst die Fürbitte sprechen, Mittagessen im «Schwanen», auf dem FGW-Wagen an den Umzug», erinnerte sich Walter Dönni an die eng getakteten ersten Tage seiner Amtszeit. Bevor es für Mike Holenstein auf diesen Parcours geht, rief den frisch gekürten Hofnarren in der Freitagnacht aber nochmals die heiligste aller Amtspflichten: Festen, «dases chlöpft.»

 
Hofnarr Mike Holenstein im Interview. 

Hier finden Sie ein Porträt über Hofnarr Mike Holenstein.