Challenge League statt Champions League. Stade Lausanne-Ouchy und Kriens statt Bayern München und Real Madrid. GC ist angekommen – und will scheinbar nicht so schnell wieder weg. Und das völlig zurecht. Weit über die Landesgrenzen hinaus ist die zweithöchste Schweizer Liga bekannt als die beste und einzige Herausforderer-Liga dieses Planeten. Der FC Wil gehört seit 15 Jahren ununterbrochen dieser erlauchten Gesellschaft an – und ist somit das, was GC in den kommenden Jahren anscheinend werden möchte: Dauergast. Als Wiler Medium zeigen wir von hallowil.ch dem Ankömmling gerne auf, worauf er sich im Unterhaus freuen darf in den nächsten 70 Jahren.

- Packende Derbys: Obwohl Stadtrivale FCZ den Mit-Abstieg knapp verpasst hat, kommt es für die Hoppers zu vier lukrativen Zürcher Derbys – gegen den FC Winterthur. Und für die Fussball-Gourmets aus Niederhasli sei hinzugefügt, dass man sich auch vier prickelnde Lausanner-Derbys zu Gemüte führen kann als geneigter Fan dieser Liga. Es sind die Knaller-Partien FC Lausanne-Sport gegen FC Stade Lausanne-Ouchy, wobei zwei der vier Lausanner-Derbys im Ouchy-Heim-Exil-Stadion zu Nyon gespielt werden. Einzigartig.

- Apropos Nyon: Da hat sich GC in der vergangenen Saison bis auf die Knochen blamiert und ist im Cup schon in der zweiten Hauptrunde ausgeschieden. Eine ähnliche Schmach droht dieses Mal in Nyon nicht. Denn nun handelt es sich um Meisterschaftsspiele.

- Internationale Auftritte: Davon haben sie auf dem GC-Campus zuletzt geträumt: Et voilà: GC spielt in der kommenden Saison international. Und dann erst noch mehr als zwei Spiele. Auf die vier Fussball-Leckerbissen gegen den FC Vaduz dürfen sich die Anhänger jetzt schon freuen.

- Auch unbedingt freizuhalten sind die Spieldaten für die Matches gegen den FC Aarau. Wobei das Brügglifeld-Team nicht ein ernsthafter Konkurrent sein sollte. Jahrelang als «Die Unabsteigbaren» bekannt, haben die Rüebliländer vergangene Woche wacker an ihrem neuen Image als «Die Unaufsteigbaren» gearbeitet. Interessant wird zu beobachten sein, welcher dieser beiden Klubs zuerst ein neues Stadion hat. Prognose: Nicht möglich.

- Auch einzigartige Höhepunkte werden die vier Spiele gegen den FC Chiasso sein. Die Altherren-Veranstaltungen an der südlichen Landesgrenze sind ein Phänomen. Obwohl in der vergangenen Saison nur mathematisch beglaubigte 637 Zuschauer an ein Heimspiel kamen, ist die Stimmung so ziemlich jedes Mal aggressiv. Das Stadio Riva IV ist jener Ort, wo der Stadionspeaker per Lautsprecher den Schiedsrichter verunglimpft, der Generaldirektor wiederholt von der Liga für sein ungebührliches Verhalten gebüsst wird und die Fans – so wenige es auch sein mögen – auf die eigene Mannschaft losgehen. Das alles seit März dieses Jahres. Für Unterhaltung ist auf jeden Fall gesorgt.

- Noch deutlich sympathischer ist da der SC Kriens. Der ist zwar wie GC seit Ende März sieglos, blieb aber souverän in der Liga. Und das neu umgebaute Stadion Kleinfeld ist ganz schmuck geworden. Stichwort Kleinfeld: Das passt wunderbar zu den Brötchen, die sie bei GC nun backen wollen.

- Und selbstverständlich ist da auch der FC Wil, der sich in diesem Jahrhundert schon zweimal an ausländische Investoren verkauft hat, ohne auch nur ein einziges Mal bankrott zu gehen. Auch das ist eine Leistung. FC Wil gegen GC: Da war doch mal was, am Ostermontag 2004 in Basel St. Jakob. Für GC kommt nun endlich die Zeit, um Revanche zu nehmen.

- Eingefleischte Challenge-League-Fans – davon gibt es im ganzen Land gefühlte fünf – schliessen vor der Saison jeweils Wetten ab, ob es einen sportlichen Absteiger geben wird oder nicht. Nur in seltenen Fällen ist die Wette zu gewinnen, wenn man mit sportlichen Aspekten argumentiert.

- In der Super League wird in der kommenden Saison der Video-Beweis eingeführt. In der Challenge League darf man sich weiterhin frisch von der Leber weg über die Entscheidungen der Unparteiischen enervieren. Aber seien wir mal ehrlich: Wenn GC in der kommenden Challenge-League-Saison ähnlich torgefährlich ist wie in der abgelaufenen Super-League-Spielzeit, braucht es keine Torlinien-Technik.

- Ungeliebter Letzigrund hin oder her: Als GC-Fan wird man künftig wieder mehr im Stadion sein, um überhaupt noch Bescheid zu wissen über den eigenen Klub. Unweigerlich. Denn nur ein Spiel pro Runde wird direkt im TV übertragen. Sonst gibt es keine Live-Bilder. Das Medieninteresse ist äusserst überschaubar.

Willkommen, Grasshopperclub Zürich. Das ist deine neue, wunderbare Heimat. Bleibt zu hoffen, dass deine Anhängerschaft das auch mit einem passenden Auftritt zu würdigen weiss.