Dieses Urteil hat grossen präjudizialen Charakter. Es geht um die Frage, ob man als Amateursportler befürchten muss, nach einem Foul wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht zu landen. Rückblende: Bei einem 4.-Liga-Spiel im Jahr 2016 zwischen dem FC Henau und der besten Breitensportmannschaft des FC Wil stürmte der Wiler Torhüter aus seinem Tor. Er traf dabei aber den Stürmer, so dass sich dieser schwer verletzte und danach drei Monate nicht mehr arbeiten konnte.

Der Fall nahm seinen juristischen Weg. Vor dem Kreisgericht Wil wurde Goalie schuldig gesprochen und erhielt eine Geldstrafe aufgebrummt. Jedoch zog er den Fall vor das Kantonsgericht weiter, der die Sache anders beurteilte und den Torhüter freisprach. Der Fall landete schliesslich vor dem Bundesgericht, welches diese Woche sein Urteil publizierte, wie das St. Galler Tagblatt am Donnerstag online vermeldet. Das höchste Schweizer Gericht stützt den Freispruch der Vorinstanz. Es habe kein gewolltes, unfaires oder gefährliches Fehlverhalten festgestellt werden können. Der Vorfall sei noch zum «sportspezifischen Risiko» zu zählen, schreibt die Zeitung.

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Das Kantonsgericht hat entschieden (3.6.19)

Dieser Fall hat wegweisenden Charakter, weil es je nach Ausgang künftig Anzeigen hageln könnte. Was ist passiert? Vor ziemlich genau drei Jahren treffen sich die zweite Mannschaft des FC Henau und das damals beste Breitensport-Team des FC Wil auf dem Sportplatz Lohäcker in Henau zu einem Meisterschaftsspiel der 4. Liga. Es läuft ein Henauer Konter, als der FC-Wil-Goalie aus seinem Kasten kommt und ein grobes Foul begeht. Es gibt Penalty und eine Verwarnung für den Wiler, nicht aber Platzverweis. Der Angreifer musste auf direktem Weg ins Spital und war danach für drei Monate arbeitsunfähig.

Die Verlängerung dieses Spiels findet vor Gericht statt. Ein erstes Mal trifft man sich im Oktober 2017 vor dem Kreisgericht Wil in Flawil. Es sei eine «krasse Verletzung der Spielregeln» gewesen, begründet der Kreisgerichtspräsident damals und verurteilt den Torhüter zu einer bedingten Geldstrafe.

Ballberührung hilft dem Goalie

Die Entscheidung war somit aber noch nicht gefallen. Denn der Wil-Keeper liess das Urteil nicht auf sich sitzen und zog den Fall vor das Kantonsgericht weiter, welches sich vergangene Woche damit befasst hat. Nun liegt das Urteil vor. Und siehe da: Dieses Mal kommt der Goalie mit einem Freispruch davon, wie der «Blick» in seiner Online-Ausgabe am Montagabend vermeldet. In besagtem Artikel begründet Gerichtspräsident Walter Würzer, der Goalie habe in der entscheidenden Szene noch leicht den Ball gespielt. Das stelle keine Regelverletzung dar, die eine Verurteilung im strafrechtlichen Sinne rechtfertigen würde.

Der Schlusspfiff ist damit aber immer noch nicht ertönt und das Urteil weiterhin nicht rechtskräftig. Laut «Blick Online» kann es binnen 30 Tagen an des Bundesgericht weitergezogen werden.