Regelmässig organisiert das Forum CVP60plus Vorträge und spezielle Anlässe. Sie sind vor allem auf die Interessen und Fähigkeiten der Altersgruppe im Pensionsalter abgestimmt und für alle offen, ungeachtet der Parteizugehörigkeit. Während neun Jahren trat Fredy Rüegg als Kapitän des Forums auf. Nun löst ihn Hanspeter Tobler ab. „Fredy Rüegg hat unsere Organisation sehr engagiert und ehrenamtlich geführt. Ihm gebührt ein grosser Dank“, sagte Hermann Fässler am Schluss des Anlasses im Namen des Vorstandes.


Komplexes und heikles Thema

Mit dem Thema „Liegenschaften und Erbfolge“ trafen die Organisatoren voll ins Schwarze. Mit der Rekordzahl von über 200 Personen war der Gewölbekeller im Hof zu Wil bis zur Treppe hinauf voll besetzt. Der Wiler Rechtsanwalt und öffentliche Notar, Jürg Grämiger, kennt aus seiner beruflichen Tätigkeit die Thematik bestens. Interessierte Seniorinnen und Senioren aus der ganzen Region Wil und dem Hinterthurgau liessen sich durch den Fachexperten informieren. „Es ist mir bewusst, dass dies ein heikles, komplexes und kein einfaches Thema ist. Es ist nicht möglich, vertieft auf alle Punkte einzugehen“, sagte Jürg Grämiger zu Beginn seines Vortrags. Nachdem 2015 das Schweizervolk an der Urne die Einführung einer Erbschaftssteuer ablehnte, haben weiterhin die Kantone das Sagen über die Besteuerung von Erbschaften und Schenkungen. Die Informationen über die steuerlichen Verhältnisse flossen in den Vortrag ein.


Ehegüter- und Erbrecht

Der Referent behandelte die Themen Ehegüterrecht, Erbrecht und Lösungen bei Übertragung von Grundeigentum oder Vermögen. Er stellte die gesetzlichen Grundlagen vor. Bei den Güterständen kann eine Gütergemeinschaft oder Gütertrennung vertraglich geregelt werden. Die Errungenschaftsbeteiligung ist hingegen gesetzlich geregelt. „Das Eigengut ist das Vermögen bei der Heirat, die Errungenschaft der Zuwachs während der Ehe. Bei der güterrechtlichen Aufteilung geht das Eigengut zurück in den Nachlass und die Errungenschaft ohne vertragliche Änderung je zur Hälfte an die Partner“, stellte der Experte fest. Das Erbrecht regle die Vermögensnachfolge aufgrund des ZGB oder einer letztwilligen Verfügung. Zum Nachlass gehörten die Hälfte der Errungenschaft, das Eigengut sowie allfällige Vorbezüge oder Schenkungen an Erben. Pflichteilberechtigte seien Nachkommen, Eltern, der überlebende Ehegatte. In einem Erb- oder Ehevertrag könnten spezielle Verfügungen festgelegt werden.


Gesetzliche Erbfolge

Bei einem Erbgang ohne Testament oder Erbvertrag gilt gemäss Gesetz folgende Regel: 1. Nachkommen / Ehepartner sind erste Erben; 2. Wenn keine Nachkommen: Ehepartner / Eltern; 3. Wenn keine Ehepartner / Eltern: Geschwister, Neffen, Nichten; 4. Wenn 1 – 3 nicht zutreffen: Grosselterlicher Stamm; 5. Wenn keine: Staat erbt alles. Mit einem Testament oder Erbvertrag können die gesetzlichen Erbquoten geändert, andere Erben eingesetzt oder Erben auf den Pflichtteil gesetzt werden. Dieser kann mit einer vorgängigen Regelung (Erbvertrag, Testament) auf 3/8 geändert werden, sodass der Ehegatte 5/8 bekommt. In einer weiteren Betrachtung sprach Jürg Grämiger die Übertragung von Liegenschaften an: „Bei einer Übertragung zu Lebzeiten gilt es verschiedene Punkte wie die Tragbarkeit, die Steuern, Gebühren und die allgemeinen Kosten zu betrachten. Es bestehen auch die Risiken Ausgleichspflicht im Erbgang oder die Verwandtenunterstützung“. Grundstückübertragungen zu Lebzeiten können durch Verkauf, Schenkung, Erbvorbezug oder Erbvertrag vorgenommen werden. Mit Berechnungsbeispielen erklärte er die Grundstückgewinnsteuer, für die allenfalls ein Aufschub möglich ist.


Tipps für Erbfolgen von Liegenschaften

In seinen Ausführungen machte der Referent auch auf die verschiedenen Vertragsmöglichkeiten aufmerksam. Ein Ehevertrag sei eine amtlich beurkundete Vereinbarung. Ein persönliches Testament müsse handschriftlich verfasst, datiert und unterschrieben sein. Bei einem Erbvertrag mit allen Erbberechtigten könnten Änderungen nur mit dem Einverständnis aller Beteiligten gemacht werden. Eine frühe Planung der Erbfolge und des Begünstigtenkreises könne selber an die Hand genommen werden, betonte der Referent. „Machen Sie sich über die Absicherung des Lebenspartners und über das Vererben frühzeitig Gedanken“, riet er. Er empfehle, eine aktualisierte amtliche Schätzung und eine Marktwertschätzung bei Spezialisten einzuholen. Es gelte ausserdem eine Zusammenstellung aller wertvermehrenden Investitionen zu machen und die Anlagekosten beim kantonalen Steueramt berechnen zu lassen. „Den letzten Willen kann man in einem Testament oder in einem Erb- oder Ehevertrag festhalten sowie Ausgleichungen berücksichtigen“.