Der Hinscheid von René Akeret von vergangenem Sonntag löst grosse Betroffenheit aus, zumal er völlig überraschend kam. Noch vier Tage davor wohnte er letzte Woche am Mittwoch im Stadtparlament der Budget-Debatte bei. «Er war ein grossartiger Fachmann. Nicht nur in Wil, sondern auch in der Schweiz und weltweit war er gefragt. Ein sozialer Mensch, verständnisvoll und mit einem klaren Blick für die wesentlichen Sachen», sagt der zuständige Wiler Stadtrat Dario Sulzer. Und weiter: «Er ist immer nahe bei den Leuten geblieben und nie in ein Büro geflüchtet. Er war aber auch ein wichtiges Kadermitglied im Departement. Sein Wort hatte Gewicht. Es wird uns fehlen.»

René Akeret arbeitete fast drei Jahrzehnte für die Stadt Wil. 1990 kam er als Gassenarbeiter und schickte sich an, das Projekt «Wiler Integrations- und Präventionsprojekte» (Wipp) zu lancieren. Aushängeschild war die Anlaufstelle Kaktus, welche jeden Tag geöffnet hat. Dieser war zuerst an der Weststrasse beheimatet, zog dann aber schon Mitte der 1990er-Jahre in den heutigen Standort an der Toggenburgerstrasse. Bei den Wipp geht es um die Schadensminderung von suchtmittelabhängigen Menschen. Betroffene werden durch verschiedene Phasen begleitet und betreut. Dies mit dem Ziel, ihr Überleben zu sichern sowie Risiken und Schäden zu minimieren.

Eine grosse Herausforderung

Am Anfang brandete der Wipp und dem Kaktus im Speziellen viel Skepsis entgegen. Es bildete sich gar eine Bügerwehr. Die Angst war gross, dass Kinder auf dem Schulweg von Junkies und Drogenabhängigen angegangen werden. «Die Situation hat sich zum Positiven entwickelt. Der Kaktus ist heute schon fast unscheinbar und kein grosses Thema mehr», sagt Stadtrat Sulzer. «Das ist einerseits gut. Andererseits muss aber auch heute noch Öffentlichkeitsarbeit gemacht werden. Denn das Problem ist nicht verschwunden. Wenn wir diese Institution nicht mehr hätten, gäbe es grosse Probleme», so Sulzer weiter.

Der überraschende Tod von René Akeret trifft neben den Angehörigen auch die Mitarbeiter der Wipp. Denn deren Leiter war viel vor Ort. Gerade auch, wenn es Krisen gab. «Es ist nun eine schwierige Situation. Nach diesem Schock funktionieren alle irgendwie. Es ist aber eine grosse Herausforderung, den Betrieb aufrecht zu erhalten und die Ressourcen entsprechend zu verteilen. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit ist es wichtig, dass es weitergeht», sagt Sulzer. Eine Schliessung ist nicht geplant.

Mann der ersten Stunde

Betreffend Nachfolgeregelung können noch keine Aussagen gemacht werden, da Akerets Tod für alle überraschend kommt und somit auf dem falschen Fuss erwischt werden. Somit ist auch noch unklar, ob es eine interne oder externe Lösung geben wird. Akeret bekleidete eine 70-Prozent-Stelle. Da er bei den Wipp Mann der ersten Stunde ist, hinterlässt er grosse Fussstapfen.

Die Urnenbeisetzung findet am Freitag, 28. Dezember, um 14.30 Uhr auf dem Friedhof Rosenberg in Winterthur statt. Die Abdankungsfeier beginnt um 15.30 Uhr. (red)

Das steht in der Traueranzeige für René Akeret