Die Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) St.Gallen-Appenzell und der IHK Thurgau vermittelt ein erstes systematisches Bild über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Ostschweizer Wirtschaft. In der Region Wil dürfte es nicht grundsätzlich anders aussehen. An der Umfrage teilgenommen haben über 1200 Unternehmen aus den Kantonen St.Gallen, beide Appenzell sowie Thurgau. «Alle Unternehmensgrössen, Branchen und Sektoren sind gut abgedeckt», schreibt IHK St.Gallen-Appenzell.

Die Unternehmen in der Ostschweiz sind mehrheitlich zufrieden mit dem Geschäftsgang in den ersten beiden Monaten des Jahres 2020. Über 90 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen ihre Geschäftsentwicklung zu Beginn dieses Jahres als befriedigend bis gut. 78,9 Prozent geben zudem an, bis Ende Februar keine besonderen Erschwernisse aufgrund des Coronavirus gehabt zu haben. So gut die Ostschweizer Wirtschaft ins Jahr gestartet ist, so unerwartet und mit voller Wucht trifft sie nun die Corona-Pandemie. 95 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten in den kommenden Wochen Erschwernisse in ihrem Geschäftsgang. Die Mehrheit geht von deutlich weniger Bestellungseingängen und generell einer tieferen Nachfrage nach ihren Dienstleistungen aus. Dabei spielt die Unsicherheit über den künftigen Verlauf eine zentrale Rolle. Die grössten Schwierigkeiten sind bei Unternehmen im Gastgewerbe und im Detailhandel, bei den elektrischen Ausrüstungen sowie in verschiedenen Dienstleistungssektoren zu orten.

Befürchtung: Die Krise hält an

Die strikten, behördlich verordneten Massnahmen bis hin zu Betriebsschliessungen führen zu drastischen Umsatzeinbussen. Doch auch noch geöffnete Betriebe rechnen mit deutlichen Umsatzeinbussen in den kommenden Monaten, da als Folgewirkung die Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen stark zurückgeht. Rund die Hälfte der Unternehmen rechnet im ersten Halbjahr mit Umsatzeinbussen von 20 Prozent bis 40 Prozent, ein Drittel geht gar von Umsatzeinbussen von 50 Prozent und mehr aus.

57,5 Prozent der Umfrageteilnehmer rechnen aufgrund der Erschwernisse durch die Corona-Pandemie in den nächsten Wochen mit Liquiditätsproblemen. Dabei zeigt sich: Je kleiner ein Unternehmen ist, desto akuter ist das Problem. Fast die Hälfte der Unternehmen erwartet, dass die Krise noch sechs Monate andauern wird. Nur gerade 8,2 Prozent meinen, die Krise sei in weniger als drei Monaten gemeistert. (pd/red)