Mit viel Herzblut und grossem finanziellen Aufwand lässt die Besitzerfamilie das während Jahren leer stehende Schloss Zuckenriet restaurieren und wieder bewohnbar machen. Mit dem Kauf des Schlosses im Jahr 2011 erfüllte sich der jetzige Besitzer einen alten Traum. „Schon als Kind interessierten mich alte Burgen und Schlösser. Bereits damals beschäftigte ich mich auch mit dem Studium der Archäologie. Dass ich gemeinsam mit meiner Frau das lange vernachlässigte Wahrzeichen von Zuckenriet erwerben konnte, war ein Glücksfall“, erzählte er bei einem Besuch dem wissbegierigen Zeitungskorrespondenten.

Damit haben wir die Gelegenheit bekommen, den Gebäudekomplex nach historisch fundierten Grundsätzen und unseren persönlichen Ideen umzubauen. Mit Martin Häberli von der Firma Hausschmied wurde ein grundlegendes Sanierungsprojekt erstellt. Weil das Wahrzeichen der Gemeinde Niederhelfenschwil unter dem Kulturgüterschutz steht, hatte auch die kantonale Denkmalpflege ein gewichtiges Wort mitzureden. Sie akzeptierte nach vielen Besprechungen das gut durchdachte Konzept und die Pläne.

Fachmann für historische Bauten
Martin Häberli, ein ausgewiesener Spezialist für Sanierungen historischer Gebäude, bezeichnet das Verhältnis mit der St.Galler Denkmalpflege als zielführend und wohlwollend. Bei der Restauration seien auch archäologische Erkenntnisse erworben worden. Von der Denkmalpflege sei sogar die visionäre Idee an die Projektleitung heran getragen worden, eine Unternehmung nach dem Muster der mittelalterlichen Bauhütten zu gründen. Diese befassten sich damals mit ihren Fachspezialisten mit der Restaurierung und dem Unterhalt historischer Gebäude und Kirchen.

Aufgrund der langjährigen Erfahrung und den Erkenntnissen aus der langjährigen Zuckenrieter Schlosssanierung könnte sich der Bauleiter die Realisierung solcher Gedanken gut vorstellen. „Eine entsprechende Spezialfirma könnte in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege sicher genügend Objekte für solche interessante Aufgaben finden“, ist Martin Häberli überzeugt. Er arbeitet ebenfalls mit dem Schweizerischen Verein Historischer Wohnbauten zusammen.

Temporärer Lagerplatz für Material
Die Schlossbesitzer schätzen das kooperative Verhältnis mit den Behörden der Gemeinde Niederhelfenschwil und des Kantons sehr. Auch die persönlichen Beziehungen zu den benachbarten Landwirten seien ausserordentlich gut. Aufgrund der langen Bauzeit sei es unumgänglich, dass in der Umgebung seines Grundstücks viel Material gelagert werden müsse.

Das habe offenbar in gewissen Kreisen zu Fragen und Unverständnis geführt. Er appelliert an die Bevölkerung, noch etwas Geduld und Nachsicht zu zeigen. Die Bauzeit gehe dem Ende entgegen und nachher sei auch die Umgebung des Schlosses wieder in Ordnung. Dann werden die Besitzer ihr Schmuckstück an einem Besuchstag für die interessierte Bevölkerung öffnen.

Bald freie Ansicht
Vor bald sechs Jahren begannen die Bauarbeiten beim markanten Schloss oberhalb des Dorfes Zuckenriet. Die Aussenrestaurierung geht nun langsam dem Ende entgegen. In nächster Zeit wird noch eine verschüttete Zisterne freigelegt, um weitere archäologische Erkenntnisse zu bekommen. Ausserdem werden auch noch der Burggraben und die Burgmauern erstellt.

Dafür ist im Einverständnis mit Fritz Arn und der Bauverwaltung Niederhelfenschwil das gehortete Tuffsteinmaterial auf dem Nachbargrundstück zwischengelagert. Das Gerüst rund um das Gebäude würde bis Mitte 2018 entfernt und somit den Blick auf das historisch wertvolle Wahrzeichen wieder freigeben, gibt der Projekt- und Bauleiter bekannt.

Historische Innenausstattung
Die Innenausstattung nach den Vorstellungen der Bauherrschaft nehme dann noch einige Monate in Anspruch, sagt Bauleiter Häberli. Der Projektplanung gingen intensive Recherchen bei vergleichbaren historischen Bauten voraus. Schon jetzt befassen sich Fachleute teilweise mit der Gestaltung der Räumlichkeiten.

So steht in der grossen Bohlenstube im ersten Geschoss bereits ein prächtiger Schrank, der in der Ostschweiz erworben wurde. Die Einrichtungen entsprechen vergleichsweise jener der Spätgotik, in der das heute sichtbare Schloss entstand. Weil es nach Abschluss der Restaurierung durch die Besitzerfamilie bewohnt wird, sind entsprechende zeitgemässe Geräte einzubauen. Laut Martin Häberli werden sie so gut wie möglich diskret in die Räume integriert.

Umgestaltung der Fassade
Martin Häberli erklärte bei einem Gespräch mit unserer Zeitung die Gründe für die neue Gestaltung der Fensterfronten an der Südfassade. Sie verändern das Bild der bisherigen Ansicht wesentlich. „Bei gotischen Profanbauten wurde die Fassade so gestaltet, dass die Funktion des dahinter liegenden Raumes sichtbar oder zu erahnen war. Erst in späteren Epochen kam die einheitliche Anordnung der Fenster, wie sie seit geraumer Zeit sichtbar war“.

So deutet nun die breite Fensterfront mit den Butzenscheiben auf den grössten Wohnraum, die Bohlenstube hin. Ein weiteres Zimmer ist mit einer gewölbten gotischen Decke ausgestattet. Von einem gedeckten Aussenbereich über der Kapelle aus eröffnet sich eine herrliche Aussicht auf das Dorf und das Alpsteinpanorama. Jedem Raum sei im Endausbau eine besondere Aufgabe zugeteilt, erläuterte der Projektleiter weiter.