Die Thematik Grünaustrasse ist schon so alt, dass man kaum mehr an die Umsetzung glauben mag. Kein Wunder, denn die Stimmbürger haben im Jahr 2003 ein klares Urteil gefällt und an der Urne mit 57 Prozent Neinstimmen die Errichtung der Wiler Entlastungsstrasse zwischen dem Gamma-Kreisel und der Konstanzerstrasse verworfen. Das Problem dabei: Eine bessere Variante wurde seither nicht gefunden und das Wiler Verkehrsproblem ist weiterhin ungelöst.

So verwundert es nicht, dass die Grünaustrasse weiterhin in den Köpfen der Politiker und Planer herumgeistert. Sie ist auch Teil des aktuellen Agglomerationsprogramm, bei welchem Bundesgelder für Infrastrukturbauten abgeholt werden können. Trotzdem spricht SVP-Stadtparlamentarier Benjamin Büsser von einem «Tabu-Thema», wenn er auf die Grünaustrasse zu reden kommt. Er will dies ändern und hat ein Postulat eingereicht. In diesem geht es nicht um die Strasse per se, sondern um eine Tunnel-Variante. «Diese könnte eine Alternative sein. Denn es ist unbestritten, dass sie ökologisch nachhaltiger und hinsichtlich Lärmemissionen für die Anwohner schonender wäre», schreibt Büsser im Postulat, das 16 weitere Parlamentarier unterschrieben haben.

Bereits einmal geprüft
Büsser fordert nicht den Bau eines Tunnels, sondern die vertiefte Prüfung eines solchen, um Aussagen betreffend Machbarkeit und Kostenfolge für Stadt und Kanton machen zu können. «Wenn es zu einer Volksabstimmung kommt, dann will ich die genaue Ausgangslage kennen», sagt Büsser.

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Sascha Bundi vom kantonalen Tiefbauamt sagt: "Im Groben wurde ein Grünau-Tunnel schon einmal geprüft."

Die Idee «Tunnel statt Grünaustrasse» ist in Wil nicht neu. Immer wieder haben einzelne Personen und auch politische Personen darüber diskutiert. Sascha Bundi, Leiter Mobilität und Planung beim Tiefbauamt des Kantons St. Gallen, sagt: «Im Groben wurde ein solcher Tunnel schon einmal geprüft. Als man dann gesehen hat, was das bedeuten würde, hat man die Idee nicht weiterverfolgt. Wenn der Wunsch kommt, kann das nochmals betrachtet werden. Es ist dann eine politische Abwägung in Anbetracht der Investitionskosten nötig. Zuerst muss geklärt werden, ob ein Tunnel technisch überhaupt machbar ist.» Ganz grundsätzlich besteht laut Bundi unter Ingenieuren folgende Faustregel: «Eine Brücke ist dreimal so teuer wie eine offene Strecke, ein Tunnel ist zehnmal teurer.»

Viele wollen einen Tunnel
Der zuständige St. Galler Regierungsrat, Marc Mächler, sagt zu einem möglichen Grünau-Tunnel: «Die Alternative steht schon länger im Raum und müsste geprüft werden. Es bräuchte eine Kosten-Nutzen-Analyse. Tunnels sind ein x-faches teurer.» Der kantonale Bauchef gibt zu bedenken, dass derzeit kantonsweit vielerorts ein Tunnel gewünscht würde, zum Beispiel in St. Gallen, Rorschach oder selbst in Diepoldsau. «Wir sind nicht gegen Tunnels, haben aber die Aufgabe, die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel effizient einzusetzen. Wenn alle einen Tunnel wollen, dann vermögen wir das nicht.»

Betreffend Motion Büsser ist nun der Wiler Stadtrat am Zug. Er hat zu entscheiden, ob er – wie gefordert – in einem Bericht dem Parlament aufzeigt, wie eine Tunnelvariante ausgestaltet werden könnte, was sie kostete und wie der Nutzen wäre. Lehnt die Wiler Regierung eine Prüfung ab, kann diese vom 40-köpfigen Parlament mittels Mehrheitsentscheid eingefordert werden.