Eva Noger, seit den letzten Wahlen sitzt keine Vertretung der Grüne prowil im Wiler Stadtrat. Was hat dies für Folgen für die Anliegen der Partei?

Wir alle wissen, Klimaschutz gehört ganz oben auf die politische Agenda. Auch wenn das gerne verdrängt wird, es zeigt sich in jedem Jahr deutlicher. Dass wir als Partei, die für Wege zu einem besseren Klimaschutz einsteht, nicht mehr im Stadtrat vertreten sind, bremst die Innovationskraft in diesem Bereich. Da unsere Positionen nicht von Anfang an in die Planung einfliessen können, werden Prozesse verzögert. Bei den Entscheiden des Stadtrats fehlt die ökologische Stimme, so müssen wir nach neuen Wegen suchen, die Themen von Nachhaltigkeit und Klimaschutz einzubringen, was den Aufwand von Fraktion und Vorstand vergrössert. Das Fehlen eines Stadtratssitzes ist zudem mit finanziellen Einbussen für die Partei verbunden.

Welches sind die vorrangigen Anliegen Ihrer Partei in Bezug auf Wil?

Unser Engagement gilt einer hohen Wohn- und Lebensqualität in einem nachhaltig ausgerichteten Wil. Dafür sind Massnahmen in ganz unterschiedlichen Bereichen zu planen und umzusetzen. Stichworte dazu sind: Klimaneutralität bis 2030, Energieautarkie bis 2035, Stadtparkerweiterung bis Rossrüti, attraktive und gleichberechtigte Oberstufenschulen, ein vielfältiges Kulturangebot. Eine nachhaltige Verkehrsplanung, welche sichere und direkte Wege für Fussgänger*innen- und die Velofahrenden priorisiert, ein gutes ÖV Angebot sowie Tempo 30 auf dem ganzen Stadtgebiet, gehören ebenso dazu, wie die Förderung der Biodiversität und die Unterstützung des lokalen Gewerbes. Politik ist nachhaltig zu planen, Entscheide so zu treffen, dass sie die zu Grunde liegenden Probleme anpacken- dafür stehen wir ein.

Grüne prowil sind ohne Stadtratssitz keine direkten Mitgestalter in der Exekutive, hat sich damit die Rolle der Partei in der Wiler Politik verändert?

Wir haben dadurch keinen direkten Einfluss mehr im Stadtrat, zudem fehlen uns die Informationen, zu denen die anderen Parteien, die im Stadtrat sind, Zugang haben. Dies ist sehr bedauerlich. Unsere Rolle bleibt dieselbe – wir stehen konsequent für Umwelt- und Klimaschutz in allen Lebensbereichen.

Früher galt Ihre Organisation als Oppositionspartei im bürgerlich dominierten Parlament, kehrt sie nun in diese Rolle zurück?

Opposition darf nie Selbstzweck sein, ist manchmal jedoch unumgänglich. Wir sehen uns nicht nur als kritische Kraft, sondern als kreative, konstruktive und lösungsorientierte Partei, die, wenn immer möglich in Zusammenarbeit mit anderen Gruppierungen und Parteien an Lösungen arbeitet, die unsere Stadt ökologisch und gesellschaftlich weiterbringen.

Versuchen die Grüne prowil nun auf eine andere Weise vermehrt ihren Einfluss geltend zu machen, etwa in Vorstössen im Parlament oder in Kommissionen?

In den Kommissionen waren wir stets sehr engagiert, daran wird sich nichts ändern. Ob wir mehr Vorstösse einreichen werden, hängt stark davon ab, ob wir den Stadtrat für unsere Ideen und Forderungen ausserparlamentarisch gewinnen können oder nicht.

Ist bei den nächsten Stadtratswahlen wieder mit einer Grüne prowil-Kandidatur zu rechnen?

Ja, wenn sich für uns eine Chance eröffnet, sind wir bereit und werden diese nutzen.