Städte wie Basel, London oder Vancouver haben den Klimanotstand bereits erklärt. Am Montag zog der Kanton Zürich nach. Der neuerdings links-grün dominierte Kantonsrat entschied sich nach einem dreistündigen Schlagabtausch mit 90:84 Stimmen dafür, den CO2-Ausstoss verringern zu wollen. Damit wird dem Kampf gegen den Klimawandel symbolische Priorität eingeräumt. Am Donnerstag befinden nun die Wiler Stadtparlamentarier, ob gleiches auch in der Äbtestadt passiert. Auslöser ist die Resolution «Klimanotstand», welche Guido Wick von den Grünen Prowil eingereicht hat. Die beiden Forderungen: Erstens soll die Stadt Wil bis 2030 klimaneutral werden. Zweitens soll der Stadtrat jene Geschäfte prioritär behandeln, welche den Klimawandel und dessen Folgen abschwächen. Für Wick geht es in erster Linie um eine «menschlich, gesellschaftliche Haltung», die mit dieser Resolution zum Ausdruck gebracht werden soll.

Allerdings haben das Papier «nur» 16 der 40 Parlamentarier unterzeichnet, nämlich jene der Grünen Prowil, der SP, Roman Rutz von der EVP und die drei CVP-Vertreter Brigitte Gübeli, Christoph Hürsch und Roland Bosshart. Es braucht also fünf weitere Stimmen, um im Parlament eine Mehrheit zu bekommen. Wick rechnet mit dem Zuspruch von Erika Häusermann (GLP), die an der letzten Parlamentssitzung fehlte, womit noch vier Stimmen fehlten. «Ich gehe davon aus, dass es aufgrund der aktuellen Bewegungen durchaus möglich ist, eine Mehrheit zu finden», sagt Wick.

Keine Verlängerung nötig

Doch wird das Thema am Donnerstag überhaupt behandelt? Es ist das achte und letzte auf der Traktandenliste. Aus dem Parlamentspräsidium ist zu vernehmen, man wolle die Resolution besprechen. Statt wie üblich drei Stunden für die Sitzung anzuberaumen, soll dieses Mal die ganze Traktandenliste abgearbeitet werden. Wer damit nicht einverstanden ist, muss einen Antrag stellen und dafür eine Mehrheit finden. Laut Wick und auch Parlamentspräsident Marc Flückiger besteht im Präsidium aber Konsens, die Klima-Resolution beraten zu wollen. «Die Sitzung könnte allenfalls etwas länger dauern», sagt Wick.

Der Politiker der Grünen ist auch auf kantonaler Ebene aktiv geworden in der Klima-Thematik. Er hat im Kantonsrat eine Motion eingereicht, die es in sich hat: Alle Hausdächer im Kanton St. Galler sollen Kraftwerke werden und Strom oder Wärme produzieren. «Wenn wir das schweizweit durchziehen würden, könnten wir mehr Strom herstellen als benötigt wird. Und dann kommt ja noch die Wasserkraft dazu. Das macht uns viel unabhängiger. Die Zeiten, in denen ein Dach nur vor Regen geschützt hat, sind vorbei», sagt Wick.

Wer keinen Strom produziert, zahlt

Konkret fordert der grüne Politiker, dass künftig Dächer ohne Energieproduktion mit einer jährlichen Abgabe belastet werden. Der Abgabesatz pro Quadratmeter soll sich je nach Eignungsstufe des Dachs unterscheiden. Je höher die Eignungsstufe, desto höher soll der zu zahlende Betrag sein, wenn man keine Photovoltaik- oder Warmwasser-Kollektoren installiert hat. Nun gibt es aber auch Dächer, die sich nicht zur Stromproduktion eigenen. Dabei handelt es sich laut Wick um Ausnahmen, die nur rund fünf oder zehn Prozent ausmachen. Die Regierung soll diese Ausnahmen regeln.