Was waren das nur für turbulente Tage für die beiden Eishockey-Vereine der Region Wil. Nachdem im Verlauf der Woche bekannt geworden war, dass sowohl der EC Wil als auch der EHC Uzwil in finanziellen Schwierigkeiten stecken, gibt es nun bei den Wilern eine Wende zum Guten. Denn der designierte neue Präsident, Roger Dietschweiler, konnte am Samstag an einer Medienkonferenz verkünden, dass der Verein schuldenfrei ist.

Wie bitte? Erst am Mittwoch hatte hallowil.ch publik gemacht, dass der Klub die Amortisationskosten für die Eishalle Bergholz für die Jahre 2017 und 2018 nicht bezahlt hat und darum bei der Stadt Wil mit 64'000 Franken in den Miesen steht. Doch just am Donnerstag wurden die Rechnungen beglichen. «Die Schuld wurde durch Eigenmittel finanziert. Des Weiteren hat der EC Wil derzeit keine ausserplanmässigen Verpflichtungen», sagte Dietschweiler. Wer genau das Geld eingeschossen hat, blieb unbeantwortet. Es seien dem Verein nahestehende Personen. «Es war eine Teamleistung», so Dietschweiler.

Bekenntnis zur Frauenmannschaft

Zudem liess das neue Vereinsoberhaupt ad interim verlauten, dass der Verlust für diese Saison, welcher an der Hauptversammlung im vergangenen Sommer mit 60'000 Franken veranschlagt worden war, tiefer ausfallen werde als befürchtet. Wie hoch er sein wird, werde sich in den nächsten Tagen und Wochen weisen, sagte Dietschweiler. Nachdem zuvor angekündet worden war, dass der Rotstift vor allem bei der 1. Mannschaft und dem Frauenteam angesetzt wird, wurde am Samstag vermeldet, dass die Einsparungen weniger gross sein würden als zuerst erwartet. Zudem gab Dietschweiler ein deutliches Bekenntnis zur in der zweithöchsten Liga spielenden Frauenmannschaft ab. Eine Loslösung vom Gesamtverein, wie gemunkelt worden war, sei kein Thema und im Vorstand nie diskutiert worden.

Zudem wurde bekannt, warum der Verein in Liquiditätsprobleme geraten war. Es sei ein hoher Wert der Handelswährung WIR vorhanden gewesen, die man lange nicht wegbrachte. In den vergangenen Tagen seien aber Abnehmer gefunden worden, so dass der WIR-Bestand nun auf einem «mehr als erträglichen Mass» sei. Zudem seien Einnahmen ausgeblieben und gewisse Kosten aus dem Ruder gelaufen. Die Verbindlichkeiten für die 1. Mannschaft seien hingegen nicht das Hauptproblem gewesen und kaum höher gewesen als in der Saison davor.

 
Im Video: Darum übernimmt Roger Dietschweiler das Ruder beim EC Wil.

Ein ganzes Fussballteam bleibt – zwei gehen

Der neue Präsident hatte noch weitere gute Neuigkeiten parat. Mit mehreren Leistungsträgern der 1. Mannschaft sind die Verträge in den vergangenen Tagen verlängert worden. Zum Beispiel mit den beiden besten Torschützen dieser Saison, Andreas Ambühl und Elia-Marius Mettler. Auch Captain Lars-Kevin Spillmann bleibt den Wilern treu. Weiter verlängert haben Mauris Herberger, Collin Swart, Rico Hungenbühler, Andrej Maraffio, Fabio Högger, Matteo Schärrer, Matteo Torino und Tommy-Lee Kälin. Den Verein verlassen und bei den Pikes Oberthurgau anheuern werden Remo Heitzmann und Gian-Andri Gegenschatz. Noch offen ist die Frage, wer in der kommenden Saison Goalie des EC Wil sein wird.

Der Vorstand, welcher an der nächsten Hauptversammlung des Vereins offiziell gewählt wird, ist wieder komplett. Das Präsidium soll wie erwähnt Dietschweiler übernehmen. Der im Thurgau aufgewachsene Unternehmer, der am kommenden Dienstag seien 46. Geburtstag feiert, wohnt seit über 20 Jahren in der Region Wil, derzeit in Rickenbach. Er führt in Oberbüren zwei Firmen. Vor Jahren war er einst Teil der EC-Wil-Donatorenvereinigung Club 22. Zuletzt ist er über den im Sommer stattfindenden Anlass «Weltklasse Eishockey» wieder näher an den EC Wil gerückt. Trotzdem ist er eine Art Quereinsteiger – genau wie der Ur-Wiler Daniel Knecht, der sich ebenfalls für den Vorstand zur Verfügung stellt. Knecht, der seit 16 Jahren selbständig ist, hat eine Vergangenheit beim FC Wil, wo er viele Jahre Schiedsrichter war.

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Haben beim EC Wil künftig das Sagen: Vizepräsident Peter Wittwer, der designierte Präsident Roger Dietschweiler und Vorstandsmitglied Daniel Knecht (von links).


Frühe Entscheidung

Das Ziel der neuen Vereinsführung ist, den Verein auf eine solide Basis zu stellen und an der Spitze der 1. Liga zu etablieren. In dieser Saison sollen es laut Dietschweiler noch «möglichst viele Heimspiele» sein, um Einnahmen generieren zu können. Zudem soll die Gönnervereinigung «1881» wieder aktiviert werden. Dort ist Mitglied, wer 500 Franken pro Jahr bezahlt. Der Club 22, wo die Mitgliedschaft 2000 Franken im Jahr kostet, bleibt bestehen.

Sportlich schien die Meldung der finanziellen Genesung – die Spieler wurden am Freitagabend informiert – beflügelnd zu wirken. Gegen Schlusslicht Reinach führten die Wiler bereits nach knapp 150 Sekunden mit 3:0. Nach nicht einmal 50 Minuten war das «Stängeli» voll und am Ende resultierte mit 11:0 der höchste Saisonsieg.