Peter Nüesch, Präsident des SGBV, betonte in seinen Ausführungen, dass die Bauern sich den Herausforderungen keineswegs verschliessen. In der Öffentlichkeit werde dies leider immer so dargestellt. Seit drei Jahrzehenten nehme die Ökologisierung in der Landwirtschaft zu. Die Bäuerinnen würden diesen Weg konsequent mitgestalten. Die aktuellen Herausforderungen Nahrungsmittelproduktion, Biodiversität, Nährstoffflüsse, Pflanzenschutz, Tierwohl und nicht zuletzt das Gentech-Moratorium brächten grosse Herausforderungen. «Sie sind als Chance zu nutzen. Es werde aber immer wichtiger, als Bauer die Leistungen zu verkaufen und für eine positive Wahrnehmung zu sorgen», meinte Nüesch.

Bauernverbandspräsident Markus Ritter informierte über die aktuellen Beschlüsse von National- und Ständerat. Die AP22+ sei nicht vom Tisch, die Botschaft sei jedoch zu ergänzen und die wichtigsten Fragen zu klären. Die parlamentarische Initiative zu den Pflanzenschutzmitteln und der Nährstoffüberschüsse seien kontrovers diskutiert worden. Die Umsetzung des getroffenen Entscheides sei ambitiös. Die Verminderung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes um die Hälfte bis 2027 sei nun im Gesetz verankert. «Die Beschlüsse der eidgenössischen Räte sind eine klare Antwort auf die beiden Initiativen vom 13. Juni» betonte Ritter. Er bedauert es jedoch, dass die Frage des Schleppschlauchobligatorium erst in der Juni-Session behandelt wird. Es herrsche dadurch eine grosse Unsicherheit, meinte er.

Das Kantonsparlament hat die Regierung beauftragt, die Perspektiven der St.Galler Landwirtschaft zu erarbeiten. Unter dem Titel «Leistungsumfang und Umsetzung der kantonalen Landwirtschafts-politik 2023+» wurde das Projekt gestartet. «Es wird abgeklärt, was der Kanton künftig selber erbringen werde, was durch andere Leistungserbringer oder überkantonal angeboten werden soll», erklärte Regierungsrat Beat Tinner. Der Kanton wird demnächst auch die Zuständigkeiten beim GAöL neu regeln und ebenso die Digitalisierung bei den Vollzugsaufgaben für die Landwirtschaft gezielt nutzen.

In seinem Rückblick auf das Verbands- und Landwirtschaftsjahr erwähnte Geschäftsführer Andreas Widmer die wichtigsten Eckwerte des Jahres. «Der Verband hat infolge Corona seine Kommunikation neu ausgerichtet und den Fokus stärker auf die sozialen Medien gelegt», sagte Widmer und fügte an: «Die Nähe zur Bevölkerung, der Austausch mit den Konsumenten und die Publikumsanlässe fehlen dem SGBV sehr».

Die St.Galler Landwirtschaft darf sich insgesamt an einem guten Jahr freuen. Mit ganz wenigen Ausnahmen konnten gute Marktpreise erzielt werden. Die Nachfrage nach regionalen Produkten nahm zu, die Wertschätzung für die Arbeit der Landwirtschaft war zu spüren. Die Konsumentinnen bestimmen den Markt. Entsprechend haben die St.Galler Bauernbetriebe weiter diversifiziert. Der Anbau von Gemüse und Beeren nahm weiter zu. Ebenso die Produktion von einheimischen Geflügel und Eiern. Der laufende Strukturwandel in der Landwirtschaft ist bei den Betrieben sichtbar. 38 Landwirte gaben im vergangenen Jahr ihren Betrieb definitiv auf. 18 Betriebe stellten ihren Betrieb auf Bio um. Insgesamt wirtschaften im Kanton St.Gallen 489 Betriebe (14.3 Prozent) nach biologischen Richtlinien.