Im Abschlusstraining vor dem Länderspiel zwischen den U19-Nachwuchsinternationalen der Schweiz und Slowenien bricht sich Yuri-Gino Klein im September die Kniescheibe – ohne Fremdeinwirkung. «Am Morgen vor dem Spiel trainierten wir in Slowenien. Bei einer Schussbewegung spürte ich, dass etwas in meinem Knie brach», beschreibt Yuri-Gino Klein den Moment des Geschehens. Schmerzen hat er keine verspürt. Er begann später sogar mit dem Einlaufprogramm kurz vor dem Spiel. Doch es ging nicht. Noch am selben Tag flog der 18-Jährige zurück in die Schweiz, um sich untersuchen zu lassen. Bitter – denn er wäre beim Spiel zwischen den Pfosten gestanden.

Schockdiagnose: Kniescheiben-Bruch

Diagnostiziert wir bei ihm ein Durchbruch der Kniescheibe. Das unterste Viertel des Knochens war abgebrochen und wurde während einer Operation aus dem Knie entfernt. Kaum vorstellbar, dass eine Kniescheibe bei einer normalen Bewegung eines Fussballers brechen kann. Doch der Jungprofi vom FC Wil bringt eine Vorgeschichte mit. Geplagt von Schmerzen im Knie wendet sich Yuri-Gino Klein im Alter von 15 Jahren an die Physio-Abteilung des Förderprogrogramms Future Champs Ostschweiz (FCO). Diese konnte keine gravierende Verletzung feststellen und liess das Talent weiter trainieren. Der junge Goalie biss auf die Zähne, mit dem Glauben, dass sich nichts verschlimmern könne in seinem Gelenk.

Weitere drei Monate später war der Schritt zu einer ärztlichen Untersuchung unumgänglich, denn die Schmerzen liessen nicht nach. Die Bilder der Magnetresonanztomographie (MRI) liessen die Familie Klein aufschrecken: ein Tumor im Knie. Die erste Knie-OP wurde zwei Tage nach dem Befund durchgeführt. Um den Tumor entfernen zu können, mussten Teile der Kniescheibe abgeschliffen werden. Möglich, dass dies der Ursprung der aktuellen Verletzung ist. Der Tumor war glücklicherweise gutartig.

 
FC-Wil-Goalie Yuri-Gino Klein über seine Verletzung und seine Ambitionen.

Comeback zum Rückrundenstart hin

Der Tagesablauf von Yuri-Gino war im Spätherbst aufgrund seiner Verletzung noch mehrheitlich von seiner Ausbildung geprägt. Er ist in seinem vierten und letzten Ausbildungsjahr der United School of Sports zum Kaufmann. Während ihm in den ersten beiden Jahren das theoretische Wissen zum Beruf vermittelt wurde, absolviert er derzeit sein Praktikum bei «Update Fitness», um den praktischen Teil der Ausbildung abzuschliessen. Die United School of Sports unterstützt die Kombination von Ausbildung und Leistungssport. Darum hat sich der junge Keeper für diese Bildungsanstalt entschieden. Nach seiner Lehre steht für ihn jedoch fest, dass er sich voll und ganz auf den Fussball konzentriert. Am kommenden Montag möchte er beim Trainingsstart des FC Wil wieder mit seinen Teamkollegen auf dem Patz stehen und sich bis zum Sommer als klare Nummer zwei im Tor etablieren.

Der Schock nach dem Schock

Er freut sich sichtlich auf sein Comeback. Ein Faktor hat sich jedoch während seiner Verletzungspause verändert. Die Wiler sind ausserhalb der offiziellen Transferperiode noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv geworden. Mit Anthony Mossi wurde das Torwart-Trio zu einem Torwart-Quartett aufgestockt. Der Keeper konnte ausserhalb des Transferfensters verpflichtet werden, da er vereinslos war. «Es war schon ein kleiner Schock, dass ein weiterer Torhüter zum Team stiess. Der FC Wil hat sich jedoch mit mir an einen Tisch gesetzt und mir vermittelt, dass ich mir keine Sorgen machen müsse», sagt Yuri-Gino Klein zur neuen Konkurrenz. Die Verantwortlichen würden nach wie vor mit ihm rechnen. Diese haben zudem kommuniziert, mit dem vormalige Stammtorhüter Zivko Kostadinovic den im Sommer auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, womit sich für Klein doch nicht wirklich etwas ändert. «Anthony Mossi ist ein guter Typ. Das hindert mich jedoch nicht daran, ihn zu verdrängen», gibt sich Klein kämpferisch.

Trotz der schweren Verletzung gibt sich Yuri-Gino Klein ambitioniert, aber auch bodenständig in Bezug auf persönliche Ziele. Auf die neue Saison hin will er sich beim FC Wil in die Stammformation von Trainer Ciriaco Sforza spielen. «Ich denke Schritt für Schritt. Was in fünf Jahren sein wird, darüber mache ich mir keine Gedanken. Im Fussball weiss man nie, was passiert», führt Klein aus. Dennoch hat er Träume. Zur Vereinshymne vom FC Liverpool «You’ll Never Walk Alone» würde er gerne an der Anfield Road auflaufen. Der englische Topklub ist sein Lieblingsverein. Bis dahin sind es allerdings noch einige Schritte.

Der FC Wil startet am 6. Januar in die Vorbereitung auf die Challenge-League-Rückrunde.

Dieser Artikel ist zuerst auf hallochmaps.ch erschienen.