Jan Breitenmoser hat in seiner fussballerischen Karriere mehr erlebt als viele Profis in der Schweiz. Über eine deutsche Vermittlungsagentur, die spezialisiert auf College-Fussballer ist, führte sein Weg aus der überschaubaren Ostschweiz ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten – die USA. Der gebürtige Wiler wollte sich nach bestandener Berufsmaturität noch nicht voll und ganz auf den Sport konzentrieren und strebte ein Studium an. «Für mich war die Schule auch immer wichtig und mir war schon damals bewusst, dass ein Fokus auf den Fussball risikoreich sein kann», sagt Breitenmoser. Weil das amerikanisches Sportnachwuchssystem explizit auf die Kombination von Sport und Studium setzt, entschloss sich der Äbtestädter für den Schritt in die USA.

Im Niemandsland begonnen

Mit einem Stipendium ausgestattet, startete das Abenteuer in Virginia am Bluefield College. «Das erste Jahr war hart. Ich kam in ein fremdes Land und an ein kleines College im Niemandsland, mit einem schwachen Fussballteam. Doch ich hielt an meinem Plan fest und suchte den Weg an ein grösseres College. Im Bundesstaat New York wurde ich fündig. Ich wechselte an die Syracuse Universität. Fortan spielte ich auf höchstem College-Niveau», schildert Breitenmoser.

 
Im Video: Jan Breitenmoser über sein Amerika-Abenteuer.

In Amerika wird der Nachwuchssport anders organisiert. Die Sportteams führen keine eigenen Nachwuchsteams, sie beziehen die Talente direkt von den Universitäten. Die grössten Sporttalente werden, wenn das Können ausreicht, nach ihrem Abschluss zu Profiteams transferiert. Dies gilt vor allem für die grossen fünf Sportarten: Football, Basketball, Eishockey, Baseball und Fussball.

Lehrer im Flugzeug mit dabei

Auch die Transfers laufen anders als hier ab. Es gibt Draftsystem in den USA. Die Sportler, welche ihr Studium abgeschlossen haben, sind berechtigt für den Draft. Es werden dabei jährlich die grössten Talente auserkoren und die Profiteams können unter diesen auswählen. Den First-Pick, also die erste Auswahlmöglichkeit, hat das derzeit schwächste Team der höchsten Liga. So soll der Wettbewerb ausgeglichen bleiben. «Heute spielen acht meiner Teamkollegen in der MLS, der höchsten Fussballliga Amerikas», sagt der ehemalige Syracuse-Fussballer. Ausgeglichenheit braucht es, weil es geschlossene Ligen ohne Ab- bzw. Aufsteiger sind, mit stärkerer Kommerzialisierung. Der wirtschaftliche Erfolg steht oft über dem sportlichen.

Doch auch das Spiel an sich hat am College andere Regeln. Jan Breitenmoser: «Die Uhr im Stadion läuft zum Beispiel rückwärts. Das Spiel beginnt bei 90 Minuten und endet ohne Nachspielzeit bei Null. Die Zeit wird jedoch bei jedem Unterbruch angehalten. Dazu darf so oft gewechselt werden, wie man will. Speziell war aber auch, dass wir teils mit dem Flugzeug an Auswärtsspiele flogen und Lehrpersonen mitreisten, um mit uns Schulunterricht oder Prüfungen nachzuholen.»

Heute orientiert sich der amerikanische Fussball immer stärker am europäischen Vorbild und wird immer populärer bei der dortigen Bevölkerung. Die MLS-Fussballteams beginnen mit dem Aufbau eigener Akademien, um den Vereinsnachwuchs zu stärken und um den Rückstand auf den europäischen Fussball zu verringern. 

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