Die Sprache ist gerade in der Schule ein bedeutendes und zentrales Thema. Umso wichtiger ist die Sprachförderung im Kleinkindalter – gerade bei fremdsprachigen Kindern. Experten sind sich einig, dass ein Kind vor dem Kindergarteneintritt möglichst oft Deutsch hören und vor allem sprechen sollte. Aus diesem Grund das die SVP-Stadtparlamentarierin Ursula Egli eine Interpellation unter dem Titel «selektives Obligatorium für die Sprachförderung von Kleinkindern» eingereicht. Damit möchte sie vom Wiler Stadtrat wissen, ob dieser an einem obligatorischen Sprachprogramm für Kinder mit Migrationshintergrund interessiert ist. «Es wird sehr begrüsst, wenn fremdsprachige Kinder beim Kindergarteneintritt neben einem guten Sprachverständnis in der Muttersprache auch Deutschkenntnisse mitbringen», heisst es in der schriftlichen Antwort des Stadtrats. Immerhin benötige ein Kind ohne Deutschkenntnisse beim Schuleintritt bis zu drei Jahre, bis es die Bildungssprache beherrsche und somit dem Unterricht ohne sprachliche Barrieren folgen könne. Kann ein Kind dem Unterricht nicht genau folgen, entstehen schulischen Lücken, die teilweise kaum einzuholen sind. 

Deshalb wollte hallowil.ch von seinen Lesern in einer Umfrage (siehe unten) wissen: Müssen fremdsprachige Kleinkinder obligatorisch Deutsch lernen? Zur Auswahl standen drei Antworten: «Ja, unbedingt!», «Nein, das liegt in der Verantwortung der Eltern» und «Weder noch, früher oder später werden sie Deutsch können». Das Ergebnis spricht für sich: 91 Prozent der 128 Umfrage-Teilnehmer – also 117 Personen – empfinden die frühe Sprachförderung bei fremdsprachigen Kindern besonders wichtig und finden, dass Deutschlernen bei den betroffenen Kleinkindern obligatorisch sein. Lediglich acht Personen (sechs Prozent) sind der Meinung, dass es keinen obligatorischen Deutschunterricht vor dem ersten Kindergartenjahr braucht, weil die Verantwortung dafür bei den Eltern liegt. Zwei Prozent der Umfrage-Teilnehmer (drei Personen) finden, weder ein «Ja» noch ein «Nein» passend. Sie sind davon überzeugt, dass die fremdsprachigen Kinder früher oder später sowieso Deutsch können. 

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Müssen fremdsprachige Kinder obligatorisch Deutsch lernen? (7.1.):

«Deutsch für die Schule» – so heisst ein langjähriges Programm der Stadt Chur, die eine Aufgabe in den Mittelpunkt stellt: die sprachliche Förderung von fremdsprachigen Kindern. So sind die teilnehmenden Kinder dazu verpflichtet, während dem Jahr vor dem Kindergarteneintritt eine Spielgruppe, eine Kinderkrippe oder eine deutschsprachige Tagesfamilie zu besuchen. Auch die Eltern der teilnehmenden Kinder werden aktiv in das Programm eingebunden: Diese müssen an Elternbildungsveranstaltungen teilnehmen, um ihre Kinder in der Sprachentwicklung unterstützen zu können. Die Wiler Stadtparlamentarierin und SVP-Kantonsrätin Ursula Egli ist von einem solchen Programm überzeugt. «Denn die Durchmischung von fremdsprachigen und deutschsprachigen Kindern spielt eine zentrale Rolle», meint sie in einer Interpellation. So wird mit dem Churer Programm beispielsweise sichergestellt, dass der Anteil an deutschsprachigen Kindern in einer Gruppe mindestens zwei Drittel beträgt. Und weil das Programm so erfolgreich ist, möchte die Stadt Chur nun die Teilnahme derjenigen Kinder, die besonders gefördert werden müssen, als verpflichtend erklären. Nun möchte Stadtparlamentarierin Egli vom Wiler Stadtrat wissen, ob dieser bereit ist, die Einführung eines vergleichbaren Programms wie das Churer Modell zu prüfen.

Ein Konzept für die frühkindliche Bildung besteht bereits

Nun hat der Wiler Stadtrat eine Antwort auf Eglis Interpellation verfasst und ist ebenfalls der Meinung, dass fremdsprachige Kinder vor dem Kindergarteneintritt möglichst oft Deutsch hören und sprechen sollten. «Es wird sehr begrüsst, wenn fremdsprachige Kinder beim Kindergarteneintritt neben einem guten Sprachverständnis in der Muttersprache auch Deutschkenntnisse mitbringen», heisst es in der schriftlichen Antwort. Immerhin benötige ein Kind ohne Deutschkenntnisse beim Schuleintritt bis zu drei Jahre, bis es die Bildungssprache beherrsche und somit dem Unterricht ohne sprachliche Barrieren folgen könne. Das wiederum führe zu schulischen Lücken. In der gleichen Antwort macht der Stadtrat darauf aufmerksam, dass bereits im Jahr 2009 ein erstes Konzept zur Frühförderung, das sich insbesondere auf die Sprachförderung und die soziale Integration von Kinder aus Migrationsfamilien bezieht, in der Äbtestadt erarbeitet wurde. In einem Bericht, der im Jahr 2012 beurteilt wurde, habe der Stadtrat die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung zum Legislaturziel 2013 bis 2016 zum Ziel erklärt und die Erarbeitung eines Konzepts in Auftrag gegeben.

«Im Jahr 2017 hat das städtische Parlament den Antrag des Stadtrats gutgeheissen und zur Verankerung einer wirkungsvollen Strategie zur frühen Förderung in der Stadt Wil die Schaffung einer Fachstelle frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung bewilligt», erklärt der Stadtrat in seiner Antwort ausführlich. Ausserdem habe das Parlament damals einer Einführung eines Subventionssystems für die Spielgruppen zugestimmt. «Der Stadtrat wurde beauftragt, nach Ablauf von drei Jahren seit Einführung der Fachstelle dem Parlament Bericht zu erstatten», heisst es weiter. Deshalb ist der Stadtrat der Meinung, dass mit dem Konzept frühkindliche Bildung, Beratung und Erziehung der Stadt Will eine sehr gute Grundlage für die Förderung von Kindern im Vorschulalter besteht. Und weil sich dessen Umsetzung noch in der Pilotphase befinde, mache es Sinn bis Ende des Jahres zu warten. Erst bei der Berichterstattung im Jahr 2021 könne man Anpassungen vornehmen und weitere Schritte festlegen. 

Zusatzkosten sind schwer zu beziffern

«Mit welchen zusätzlichen jährlichen Kosten rechnet der Stadtrat bei Einführung eines Programms auf der Basis des Churer Modells?», fragt Egli ebenfalls in ihrer Interpellation. Der Stadtrat meint dazu: «Heute besuchen in der Stadt Wil insgesamt 190 Kinder, die ein Jahr vor dem Eintritt in den Kindergarten stehen, eine Spielgruppe. 121 von ihnen sind in einer Spielgruppe angemeldet, die mit der Stadt Wil eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen haben. 74 Kinder werden aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse subventioniert.» Würde den Spielgruppen der Mehraufwand – wie beim Churer Modell – entschädigt werden, müsste man in Wil mit Zusatzkosten von rund 53 000 Franken rechnen. Dabei lässt sich das Ganze laut Stadt nicht zuverlässig ausrechnen. Denn im Unterschied zur Bündner Hauptstadt subventioniere die Äbtestadt sämtliche Kindertagesstätte- und Spielgruppenplätze unterschiedlich. Hinzukommt, dass man heute nicht weiss, wie viele fremdsprachige Kinder ein Jahr vor dem Kindergarteneintritt in einer Institution betreut werden. Ausserdem finanziert die Stadt Wil heute vier Elternbildungsveranstaltungen. «Dafür sind 18 000 Franken vorgesehen», so der Stadtrat. Dieser ist übrigens davon überzeugt, dass wenn man das Churer Konzept umsetzen würde, doppelt so viele Elternbildungen finanziert werden müssten. Also müsse da mit einer Verdoppelung der Kosten gerechnet werden. (red)