«Der Richter dieser Zeit erachtet es als abschreckendes Strafmittel, eine Person, die leichtfertig eine weniger schwere Untat begangen hatte, am Pranger oder in der Trülle bloss zu stellen», schreibt der Chronist Karl J. Ehrat. 

Im Mittelalter waren bei leichteren Vergehen Ehrenstrafen üblich. Dabei wurde die entsprechende Frau oder der Mann in der Öffentlichkeit dem Gespött des Publikums ausgesetzt. Dass sie oft nur im Hemd von einem Wächter durch die Stadt geführt wurden, war der erste Teil der Strafe, im zweiten wurden sie angekettet oder eingesperrt zur Schau gestellt.

Steine um den Hals

Vor dem alten Wiler Rathaus, das zwischen dem Baronenhaus und der Liegenschaft «Hartz» stand, war ein sogenannter Schandpfahl oder Pranger aufgestellt, an dem Missetäter mit Hals- und Handfesseln fixiert wurden.

Scheltenden Frauen wurde gemäss Ehrat ein sogenannter Lasterstein um den Hals gehängt. Auch Personen, die über andere schlecht redeten, wurden auf Gerichtsbeschluss mehrere Kilogramm schweren Steine umgehängt. 

Eine weitere Sanktion war das befristete Tragen eine Schandmaske in der Öffentlichkeit, damit wurde etwa Gschwätzigkeit, üble Nachrede sowie unerlaubtes Lauschen bestraft.

Strafe für Zankende

Auch die sogenannte Halsgeige ware gebräuchlich. In der Konstruktion aus Holz oder Eisen wurden Rechtsbrecher an den Handgelenken und am Hals fixiert und so zur Schau gestellt. Halsgeigen-Strafen wurden etwa bei kleineren Diebstählen sowie bei zankenden Frauen angeordnet. Es waren auch Doppel-Halsgeigen gebräuchlich, in denen zwei zankende Frauen miteinander eingeklemmt wurden.

Mit Strohkranz in Kirche

Personen, die gegen die Gesetze verstossen hatten wurden zum Teil auch bei den Kirchenausgängen angekettet.

Eine weitere Strafe musste in der Kirche abgesessen werden: Einer liederlichen und wenig sittenstrengen Person setzte man auf behördliche Anordnung einen Strohkranz sowie Strohzöpfe auf. In dieser beschämenden Aufmachung musste sie bis zum Ende der Messe bei der Kirchentüre stehen.