Der Verhandlungsbeginn war eigentlich auf 9:30 Uhr angesetzt. Warum die sogenannte «Vorfrage» bereits eine halbe Stunde früher verhandelt wurde, konnte nicht geklärt werden. Seitens des Kreisgerichts Wil heisst es zum verfrühten Beginn nur lapidar: «Entschuldigung, das ist unser Fehler.» So begab es sich also, dass Personen, die der Verhandlung beiwohnen wollten, vor den verschlossenen Türen des Gerichtssaals standen. Kurz vor halb Zehn setzte man im Gerichtssaal offenbar eine Pause an. Neben den verschiedenen Rechtsvertretern verliess denn auch der Beschuldigte – blaues Kurzarmhemd, blaue Schuhe und sogar ein blauer Verband am Finger – den Gerichtssaal und begrüsste die Personen, die ihn offenbar unterstützten. Eine Zigarette rauchen, das werde er in der zwanzigminütigen Pause. Warum die Vorfrage schon verhandelt worden war, wusste auch er nicht.

Nach der Pause wurden der Beschuldigte sowie die interessierten Personen in den Saal gerufen. Die Gerichtsschreiberin verlas, was man zuvor besprochen hatte, und der Richter verkündete den Beschluss: «Das Verfahren wird sistiert und an die Staatsanwaltschaft zurückgegeben.» Ein Raunen von den Zuschauern, anscheinende Erleichterung beim Beschuldigten und erklärende Worte des Richters folgten darauf. So führte der Richter aus: Das Gericht habe die Vorfrage behandelt und beantwortet, dabei sei man überein gekommen, dass die Befragung zum Fall ungenügend gewesen sei. So sei nur polizeilich befragt worden, es hätte aber auch eine staatsanwaltliche Befragung stattfinden müssen. So wird die Hauptfrage, also die erwähnte lange Liste an Vergehen, an diesem Donnerstagmorgen nicht beantwortet.

«Vorfrage»: Was ist das?

Mit einer Vorfrage klärt man ab, ob die Hauptfrage behandelt werden kann. Geht es zum Beispiel um eine Forderung bei einer Scheidung, so wird in der Vorfrage geklärt, ob die Ehe überhaupt rechtens war. War sie das nicht, so würde nicht auf die Forderung eingegangen werden. Im Beispiel des Beschuldigten oben ist also die Befragung zu den Vorwürfen nicht bei allen Beteiligten so durchgeführt worden, dass sich das Gericht unzweifelhaft darauf abstützen könnte. So spielt es den Ball zurück an die Staatsanwaltschaft. Das Verfahren werde nochmal zurückkommen, liess der Richter verlauten.

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Nach diesem Brand in Uzwil: 5,5 Jahre Gefängnis gefordert (8.11.19)

Im Sommer 2018 brannte es in einem Mehrfamilienhaus in Uzwil. Die Staatsanwaltschaft wirft dem damals 29-jährigen Mieter der betroffenen Wohnung Brandstiftung vor und fordert eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren. Ende Monat wird der Fall vor dem Kreisgericht Wil verhandelt.

Es geschah am 23. August des vergangenen Jahres zum Feierabend: Ein Mieter des Mehrfamilienhauses an der Wilenstrasse in Uzwil bemerkte einen Brand und alarmierte die Feuerwehr. Dem heute 30-jährigen Beschuldigten wird unter anderem Brandstiftung vorgeworfen. Wie aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hervorgeht, soll er im August des vergangenen Jahres nach einem Streit mit der Ehefrau das Schlafzimmer «in unbekannter Weise angezündet» haben. Ende November hat er sich wegen des Vorwurfs der «qualifizierten Brandstiftung» sowie wegen zahlreicher anderer Vergehen vor dem Kreisgericht Wil zu verantworten.

Auch andere Personen gefährdet

Was ist geschehen? Die Staatsanwaltschaft erhebt in mehreren Punkten Anklage gegen den Beschuldigten. Besonders gewichtig ist der Vorwurf der Brandstiftung: Der Mann soll den Brand «wissentlich und willentlich» verursacht haben. Die Staatsanwaltschaft hebt in ihrer Anklageschrift hervor, dass dem Beschuldigten bewusst gewesen sein müsse, dass sich ausser ihm noch weitere Personen im Mehrfamilienhaus aufhielten und dass er deren Leben ebenfalls bewusst gefährdet habe.

Weiter wird ihm vorgeworfen: Verletzung der Verkehrsregeln, pflichtwidriges Verhalten bei einem Unfall, das Autofahren in nicht fahrfähigem Zustand sowie das Führen nicht betriebssicherer Fahrzeuge, Hausfriedensbruch, Drohung sowie Tätlichkeiten, Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz und Sachbeschädigung. Eine Menge Holz.

hallowil.ch wird am 28. November von der Gerichtsverhandlung berichten.

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So berichtete hallowil.ch über den Brand (24.08.18)

Am Donnerstagabend vor 18.30 Uhr ist an der Wilenstrasse in Uzwil unweit der Primarschule Neuhof ein Brand in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus ausgebrochen. Der 29-Jährige Mieter der Wohnung steht in Verdacht, den Brand verursacht zu haben. Er wurde festgenommen. Die Ermittlungen laufen.

Beim Eintreffen der Rettungskräfte stand die Wohnung im dritten Stock in Brand. Die örtlichen Feuerwehren brachten diesen unter Kontrolle. Es entstand Sachschaden in Höhe von mehreren hunderttausend Franken. Verletzt wurde niemand.

Der 29-jährige Mieter der Wohnung steht in Verdacht, den Brand verursacht zu haben. Er wurde deshalb festgenommen. Die Hintergründe der Tat sind Gegenstand der Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen eröffnete eine Untersuchung und führt die Ermittlungen in Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei St. Gallen und dem Kompetenzzentrum Forensik, welches den genauen Brandhergang untersucht. Aus ermittlungstaktischen Gründen werden derzeit noch keine näheren Angaben gemacht.

Im Einsatz standen nebst mehreren Patrouillen der Kantonspolizei St. Gallen rund 50 Feuerwehrleute sowie mehrere Rettungsteams. (kapo)

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Trotz viel Rauch: Die Feuerwehren brachten den Brand unter Kontrolle.