Diesmal hatten sich der Frauenverein Uzwil mit der Kirchgemeinde – Seniorennachmittag und Männer-Apéro - zusammengetan und den schweizweit bekannten Fernseh-Profi Beni Thurheer – wie er landläufig genannt wird – zu einer Plauderei über seine langjährige Arbeit bei der SRG und sein neues Buch eingeladen. 80 Stühle waren bereit – es brauchte aber schliesslich um die 120. Sicher die Hälfte des Publikums war männlich, so etwas hat der Frauenverein wohl noch nie erlebt… Es wurde ein interessanter, zum Schmunzeln anregender Abend mit einem feinen Apéro als Schlusspunkt.Quizfragen gleich zu Beginn
Pfarrer Christoph Baumann klärte gleich am Anfang die Frage: „Du oder Sie?“ Worauf Beni Thurnheer fand: „Du, das ist einfacher.“ Und so blieb es während der ganzen Lesung. Doch bevor der TV-Mann beginnen konnte, stellte ihm Baumann ein paar Quizfragen, die dieser – oder dann halt jemand aus dem Publikum – zu beantworten habe. Fragen wie etwa: „Wer hat 1974 an der WM in Deutschland im Final gespielt?“ oder „Wer hat bei den Verlierern das Tor getroffen?“ Im Publikum kam bei manchem Mann, mancher fussballverrückten Frau Unruhe auf, man versuchte sich zu erinnern. Und schon war die Aufmerksamkeit geweckt…

„Beni National“ oder auch „TV-Legende“
Musste man früher schon viele Jahre tot sein, um als Legende gelten zu können, geht das in der heutigen, schnelllebigen Zeit anscheinend viel, viel schneller. Die Veranstalter hatten schon auf ihren Plakaten mit dem Ausdruck „Legende“ geworben. Thurnheer war eben nicht nur im Sport zuhause – Fussball, Eishockey und andere Sportarten -, sondern moderierte auch Unterhaltungssendungen wie TELLSTAR oder das legendäre BENISSIMO, damals, als sich viele Deutschschweizer-Familien am Samstagabend noch vor dem Fernsehapparat versammelten. Man nannte ihn auch fast etwas despektierlich, aber dennoch liebevoll gemeint „Schnurri der Nation“. Dass er angeregt und sehr humorvoll unterhalten kann, bewies er jedenfalls in Uzwil.

Anekdoten noch und noch
Zeitweise las Beni Thurnheer aus seinem neuesten Buch „Hauptsache, es flimmert“ Darin hat er zu jedem Buchstaben des Alphabets kleinere oder grössere Anekdoten festgehalten. Bei „F wie Farbe“ gab es grosses Gelächter, als er schilderte, wie Grün der Rasen doch gewesen sei, als sie ihren ersten Farbfernseher eingeweiht hätten. Eigentlich habe man die Sportler gar nicht gesehen, auch keine Tore. Aber man wollte die neue Qualität – bei anfänglich nur drei Sendungen pro Woche! – einfach auskosten. Spannend auch, wie bei einem Bekannten einmal das Bild ständig nur flimmerte – sogenanntes „Schneetreiben“ -, bis der Mann des Hauses aufstand, die Antenne berührte und damit das Bild ermöglichte, vermutlich aber kaum über die ganzen die 1 ½ Stunden Sendedauer…

Grosse Vorurteile gegenüber dem TV-Konsum
Anhand verschiedener Zitate aus seinem familiären Umfeld beschrieb der TV-Mann die Entwicklung des Fernsehens. 1960 meinte die Grossmutter: „Zuviel Fernsehen schadet den Augen.“ Der Vater war sich 1970 sicher: „Fernsehen vermindert die schulischen Leistungen“ – worauf der „arme“ Beni zuhause bis nach der Matura auf so einen Apparat warten musste. Der Vater war eben auch überzeugt, dass Schlaf vor Mitternacht unerlässlich sei, was viele Sendungen aus Übersee ausschloss. Natürlich hiess es auch immer: „Das Fernsehen wird auch immer dümmer.“ War der kleine Beni jedoch bei seinen Grosseltern in den Ferien im Welschland, dann schaute er alles, aber auch gar alles am Fernsehen.

Seine beiden Söhne schauen heute - wenn überhaupt – die Sendungen zeitversetzt, einer hat gar keinen Apparat. Dabei habe man doch früher die Wohnung rund um den Fernsehschirm möbliert, so hoch sei dessen Stellenwert gewesen. Und wer kein Gerät hatte, stand sich möglicherweise vor einem Fernsehgeschäft die Beine in den Bauch, sofern er überhaupt wegen der vielen Leute vor dem Schaufenster etwas zu sehen vermochte.

Beziehung zu den Stars
Der Referent nahm dem Publikum die Illusion, als Moderator komme man in ein engeres Verhältnis zu den Weltstars, die in einer „grossen Kiste“ aufträten. Die Zeit vor dem Bildschirm – ein paar Worte Smalltalk mit dem berühmten Gast – entspreche ungefähr der Hälfte der Zeit mit dieser Person überhaupt. Grosse Stars sind heute fast eine Art Nomaden, reisen um die ganze Welt mit ihrer neuesten CD, dem neuesten Film oder einer andern Attraktion und wissen nicht immer tatsächlich genau, in welchem Land, geschweige denn in welcher Ortschaft sie nun auftreten. Das sei eine sehr oberflächliche Sache.

Co-Kommentatoren
Aus dem Publikum kam die Frage nach Sinn oder Unsinn von solchen „Experten“. Da ist Thurnheers Meinung klar. Professionell ausgebildete Experten, mit denen man menschlich gut harmoniert, werten jede wichtige Sportsendung auf. Damit habe beispielsweise er überall neue Freunde gewonnen. Dabei zählte er einige Namen auf. Er findet auch, dass die Interviews sofort nach einem Match gar nicht spannend und reflektiert sein können, da das Adrenalin dann noch zu hoch ist. Fragen, auf die man nur mit JA oder NEIN antworten kann, sind ja bei Moderatoren schwer verboten, da damit ein Gespräch gleich zu Beginn abgewürgt. Äusserst gefordert sei er gewesen, als er einmal den als sehr wortkarg geltenden Skistar Ingemar Stenmark vor dem Mikrofon hatte. Dessen Antwort auf eine wirklich ausgeklügelte Frage bestand nur aus einem einzigen Wort: „Vielleicht!“

Blick hinter die Kulissen
„Alles Bschiss“, verriet Thurnheer, als er auf das Phänomen „Live-Sendung“ kam. Da würden oft gleich vier Sendungen nacheinander aufgenommen, nur die Moderation dem vorgesehenen Auftrittsdatum angepasst. Und so könne es vorkommen, dass in grösster Sommerhitze der Moderator „schöne Weihnachten“ wünsche. Dass auch die Erfindung des HD-Fernsehens ihre Tücken habe, wurde so richtig klar, als Thurnheer ausführte, wie er in den Anfängen dieser Technologie habe erleben müssen, dass beim Nachbar schon das „Tor, Tor!“-Geschrei erklungen sei, während sich auf seinem neuen Fernsehapparat in dieser Hinsicht noch gar nichts getan habe. Man spürte noch nach dieser langen Zeit seit Beginn dieser Art Fernsehen seinen Frust darüber. Schuld daran war eine Verzögerung von einigen Sekunden bis zum klareren Bildaufbau.

„Kit“ bei Tellstar
Für Tellstar hatte das Fernsehen einst den legendären KIT aus der Sendung „Knight Rider“ ausleihen können. Beni Thurnheer, der sich als eher „ängstlich“ outete, bekam die Chance, mit diesem Gefährt eine (Styropor-) Mauer zu durchbrechen. Dahinter stand eine ganze Gruppe von Menschen in Rollstühlen, wie er wusste. Doch was war das? Die Bremsen reagierten nicht, der Wagen beschleunigte und beschleunigte, schon kam die Mauer verdächtig nahe – doch zum grossen Glück bremste diese die Fahrt ab, der ganze Fall lief letztlich glimpflich ab. Jemand hatte die sagenhafte Idee gehabt, Brems- und Gaspedal mit einem Brett zu verbinden.

R wie Rolltitel
Natürlich haben alle Beteiligten es gerne, wenn ihr Name auch irgendwann wahrgenommen wird. Dazu dient der Rolltitel. Aber scheinbar gab es auch da schwierige Zeiten. Weil doch die Sekretärinnen sehr viel für eine Sendung tun müssen, kam man auf die Idee, auch diese Namen unten als laufendes Band aufzulisten, bis dieses ellenlang wurde. Und so gehören die Begriffe „Eskalation“ wie auch „De-Eskalation“ bis heute zum Wortschatz eines Sendungsmachers.

U wie Uzwil
Thurnheer hat es sich zur Pflicht gemacht, zu jedem Ort, an welchem er auftritt, auch einen – meist sportlichen - Lokalbezug herzustellen. In Uzwil war das mit den vielen Eishockey-Grössen nicht besonders schwierig. Die Namen Hugo, Sven oder auch Lars Leuenberger, Mathias Seger und in neuerer Zeit Kevin Fiala sind teilweise weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Schwierige Buchstaben: Q, X, Y, Z
Da kommt nicht nur Thurnheer sofort auf Begriffe wie „Quote“ oder auch „Aktenzeichen XY“. Zur Quote meinte er: „Das ist eine trügerische Zahl, denn sie rechnet in Prozenten, und zwar nur von den eingeschalteten Apparaten“. Heute heisst das „Marktanteile“.

Aktenzeichen XY – von Edi Zimmermann, auch „Ganoven-Ede“ genannt – gehörte lange zu den Strassenfegern. Die Sendung konnte verschiedene Verbrecher aufspüren helfen, aber das Denunziantentum wurde damit auch gefördert. Und zum Schluss kam „Z wie Zappen“. Hier gab es einen Geschlechterdiskurs. Männer sind in der Regel viel zapp-freudiger, halten gerne die Fernbedienung – welche die Ansagerinnen „weggeputzt“ hat – in der Hand. Thurnheers Denkergebnis: Frauen wollen wissen, WAS im Fernsehen kommt, Männer, was SONST noch kommt…

Mit Meterbroten und Getränken wurden die Besucherinnen und Besucher nach dem Referat verwöhnt. Eifrig wurde das Gehörte nun im Foyer diskutiert, die Geräuschkulisse schwoll an, der Abend war gut angekommen. Es waren sogar Gäste aus dem Lichtensteinischen, dem Rheintal und dem St.Galler Oberland nach Uzwil hergefahren - und das alles wegen „Beni National“…


Männerapéro Uzwil

Frauenverein Uzwil

Seniorennachmittage Uzwil

Roger Federer rührte Beni Thurheer zu Tränen bei dessen Abschied vom Bildschirm, wie folgendes Video zeigt.

Abschiedsworte von Sportlern zu Beni Thurnheer Rücktritt vom Bildschirm

Hauptsache, es flimmert

Interview mit Bernard Thurnheer zum neuen Buch

Ein Leben fürs Fernsehen