Früher bestanden viele Häuser in der Altstadt teilweise oder vollständig aus Holz. In einigen Liegenschaften sind noch heute Balken zu erkennen, die von einer jahrhundertealten Geschichte erzählen. Das viele Holz sorgte für die ständige Angst vor Stadtbränden. Das Haus am linksseitigen Eingang zur Altstadt unterschied sich in seiner Massivbauweise, es hiess im Volksmund daher «Steinhaus». dEs wurde 1306 von Angehörigen der Adligen «Edle von Wilberg» errichtet. Als dieses Geschlecht ausstarb, ging es 1388 an ihre Gutsverwalterfamilie Müller über. Die Familie stammte ursprünglich aus Schwyz und wurde in Wil eingebürgert. Sie wurden künftig «Müller vom Steinhaus» genannt. 

Aus dieser Dynastie gingen bedeutende Militärführer, Ratsherren, Beamte und auch Künstler hervor. Sie haben in Wil und in der Welt markante Spuren hinterlassen. Von diesen wird auf hallowil.ch in weiteren Berichten zu lesen sein.

Wil rüstet sich für die neue Zeit

Vom Steinhaus ist ein besonders denkwürdiges Ereignis zu berichten: Im 19. Jahrhundert brach eine neue Zeit an. Die Dampfmaschinen ersetzten nach und nach die Handarbeit durch Maschinenkraft. Die damals neue Eisenbahn machte die Menschen mobiler. Der Rhythmus des Alltags beschleunigte sich. In der Nachfolge der französischen Revolution kam es in Europa zu politischen Spannungen und Umwälzungen. Die Schweiz organisierte sich als Bundesstaat. 

Der Geist der neuen Zeit wehte auch durch Wil, das den Anschluss nicht verpassen wollte. Als Zeichen der Öffnung wurden unter anderem die Stadttore abgebrochen. Das Schnetztor ist als einziges bis heute übriggeblieben. Den Eingang zur Altstadt markierte das Schneckentor. Es hatte seinen Namen wegen einer angrenzenden Wendeltreppe bekommen. 


Warnzeichen unterschätzt

Am 11. Juli 1835 wurden die Wiler nach der Mittagzeit plötzlich durch einen lauten Knall aufgeschreckt. Mehr als die Hälfte des Steinhauses war in sich zusammengefallen. Zum Glück wurde niemand verletzt. Aber der Sachschaden war immens. Beim Abbruch des Schneckentors wurden grosse Steinblöcke gelockert, die mit dem Steinhaus verbunden waren. Dadurch wurde auch die Stabilität des Gebäudes beeinträchtigt. Ein Riss in der Fassade kündigte das drohende Unheil an, eine städtische Kommission hatte im Voraus die drohende Gefahr unterschätzt.

Das Gebäude wurde wieder in Stand gestellt. Weitere 80 Jahre später verkaufte es die Familie Müller der St. Galler Kantonalbank. Diese ersetzte es durch einen Neubau. Er steht seit 1916 am Standort des einstiges Steinhauses.