Es war die Zeit des «Züri brännt», das in den achtziger Jahren die Generationen beim Thema Kultur entzweite. In verschiedenen Städten und Gemeinden in der Schweiz forderten junge Menschen mehr Freiräume für alternative Kultur und Lebensformen.

Angst vor Drogenhandel

In den Leserbriefspalten der Wiler Presse tobte damals eine intensive Kontroverse um das Musikfestival, das in der Region des Pankratius-Brunnens in der Altstadt über die Bühne ging. «Ich finde es von den Veranstaltern des 1. Wiler Altstadt-Open-Airs verantwortungslos, dass sie mit der Einwilligung zum umfangreichen Verkauf von Drogenutensilien geradezu zum Einstieg in die Hasch- und Drogenszene auffordern», empörte sich etwa ein Bürger aus Zuzwil in einem Leserbrief.


Engagierte Befürworter

Der Organisatoren-Verein Pankraz, der sich nach einer Brunnenfigur auf dem Hofplatz nannte, erhielt auch ausdrücklichen Support. «Da hatte also eine Gruppe junger, initiativer Wiler in langer, seriöser und harter Arbeit ein Open-Air-Festival in unserer Altstadt inszeniert, das sich in jeder Beziehung sehen lassen durfte», schrieb der SP-Politiker Peter Donatsch in einem ausführlichen Leserbrief.

Aufruf zur Notwehr

Die Festivalgegner riefen ihrerseits zu einer Unterschriftensammlung und zu aktivem Widerstand auf. Falls vorhanden, sollten sie Kesselpauken, Pfannendeckel, Pfeifen und Trommeln mitbringen. Auch der Einsatz von Stinkbomben wurde als letztes Mittel nicht ausgeschlossen. «Wenn die zuständigen Behörden nicht mehr willens und imstande sind, für Wahrung des einfachsten Anstandes hier oben zu sorgen, beliebt uns nur noch die handfeste Notwehr übrig», drohte der Historiker Walther ab Hohlenstein, der im Anbau zum Hof zu Wil, im sogenannten Roten Gatter, wohnte. 

Die Veranstalter mobilisierten ihrerseits zur Gegenwehr. In einem auf Schreibmaschine getippten und fotokopierten Flugblatt hiess es: «Wir starten eine PETITION FUER DIE BEIBEHALTUNG DES WILER ALTSTADT OPEN AIR FESTIVALS».

Die Bemerkung «Sachlich bleiben (wenigstens jetzt noch)» im Flyer vermittelt einen Eindruck, der damals aufgeheizten und polarisierten Stimmung in der Stadt.

Klangvolle Namen

Insgesamt vier Mal spielten Gruppen und Einzelmusiker an Open Airs auf dem Hofplatz. Unter den Musizierenden waren schweizweit bekannte Gruppen wie etwa «Züri West» und «Lazy Poker Band». Und auch regionale Bands, wie «Hasch Mahall», griffen in die Tasten und in die Saiten.