«Ein himbeerroter Regenschirm». Hinter diesem Titel verbirgt sich die Geschichte einer kurzen Begegnung, die ganz anders hätte verlaufen können, wenn da eine Frage oder ein Wort mehr gewesen wäre. Um solche Erinnerungen und Begegnungen ging es in der Segnungsfeier zum Valentinstag für «alle, die sich gern haben», wie es in der Einladung von Seelsorger Kari Bürgler, kirchliche Jugendarbeiterin Selina Hälg-Mauchle und Praktikantin Marina Zeller hiess.

Erinnerungen an Beziehungen

Der Regen kam aus der Giesskanne, ein himbeerroter Regenschirm schützte vor dem Nass und Erinnerungen schwebten bis zuletzt in der ganzen Kirche. In Form von Smiley-Ballonen waren sie emporgestiegen und hingen unter der Decke fest, sofern sie nicht vorher am rauen Verputz mit lautem Knall geplatzt waren. Etwas Knall war also doch noch dabei. Orte, Gegenstände, Melodien, Düfte oder Worte erinnern Menschen an Begegnungen, an Zeiten der liebevollen Gemeinsamkeit, sind zu Denkmälern von wichtigen Menschen geworden. Manchmal haben die Beziehungen gehalten, andere waren für eine bestimmte Zeit wichtig, liebe Menschen sind auch gestorben und doch sind sie in der Erinnerung lebendig. Die Einladung an die 50 Menschen, die weit auseinander sassen und Masken trugen war, sich an Kontakte zu erinnern, auch an solche, die einer Auffrischung bedürften und sie bekamen dazu eine Postkarte, um sie gelegentlich zu versenden.

Wenn Worte fehlen, kommt die Musik ins Spiel

Im vergangenen Jahr ist es vielen Menschen bewusst geworden, wie wichtig soziale Kontakte sind, wie wichtig vertraute Menschen. Etwas von dieser Nähe und Wärme wurde in der Segensfeier sicht- und spürbar gemacht. Die Gottesdienstbesuchenden saugten die Worte und die humorvolle Umsetzung des Themas wie einen Schwamm auf. Mit zu diesem hör- und sichtbaren Erlebnis gehörte die einfühlsame und spontane Musik von Roman Rutishauser, einem Musiker mit weiter Spannweite und vielen Ideen. «Manchmal fehlen die Worte, der richtige Ausdruck und dann kann die Musik ihre Stelle einnehmen», sagte er ins Mikrofon und lud zwei der Anwesenden ein, sich ans zweite E-Piano zu setzen und Töne zu spielen. Ohne Kenntnisse und ohne Scheu. Zwei Männer liessen sich auf das Experiment ein und der Profi antwortete, rollte einen musikalischen roten Teppich für die einzelnen Töne aus, sodass es ein Ganzes wurde. So funktionieren Beziehungen. Jeder hat eine Stimme, seine je eigenen Töne und wenn man gleichzeitig aufeinander hört, kann eine neue gemeinsame Melodie entstehen.

Cecilia Hess

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Roman Rutishauser (links) legt den beiden Spontanpianisten den musikalischen Teppich aus.